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Donnerstag, 4. Oktober 2012

Tag der Deutschen Einheit, danach ...

 Alexander Hauk _
 www.alexander-hauk.de_
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... nun ist der "Tag der Deutschen Einheit" vorbei, und ich muss mit etwas Ironie schreiben "Gott sei Dank". Diese Einheit und Einigkeit der Politiker und führenden Persönlichkeiten von Deutschland beim Feiern dieses Tages, war und ist mir auf den Nerv gegangen. Bin aber selber Schuld, warum schalte ich an so einen Tag überhaupt den Fernseher an oder lese Zeitung. Mein erster Gedanke bei solchen Reden, in welchem Land habe ich eigentlich gelebt, trotzdem ich 44 Jahre in der DDR gelebt und gearbeitet habe? In sehr vielen Reden, Dokumentationen erkenne ich einfach die DDR und somit auch mich nicht wieder. Westdeutsche Politiker, die nie oder nur für ein paar Tage in der DDR waren, erzählen mir, wie ich gelebt habe. Bundeskanzlerin Frau Merkel, und Bundespräsident Herr Gauck müssten es eigentlich wissen, sie hatten ja ihre gute Position in der DDR ... nun in ganz Deutschland. Ja, die Politik der DDR war falsch, es war eine Diktatur. Es war, wie es immer so politisch schön gesagt wurde, eine Diktatur des Proletariats, aber eben eine Diktatur. Das vergesse ich jetzt nicht, auch wenn ich in meinem täglichen DDR-Leben nicht jede Stunde damit konfrontiert wurde. 

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Was mich besonders stört, die heutige Stilisierung der SED als Partner der Stasi. Es wird nicht zwischen Staatsführung der ehemaligen DDR und den einfachen Mitgliedern unterschieden. Nein, ich war nie Mitglied der SED oder einer anderen politischen Partei, aber ich denke an die Menschen in meinem Umfeld, die Mitglieder waren. Für mich sind sie wie "Don Quichotte," Ritter der traurigen Gestalt, gewesen. Die meisten sind nicht aus Überzeugung in die Partei eingetreten, sondern wollten etwas erreichen. Entweder eine gute Position in ihrem Beruf oder einen guten Abschluss beim Studium, usw. Sie haben, leider, ihrer Charakterschwäche nachgegeben, was aber menschlich ist. Was mich auch noch ärgert, dass fast alle Menschen, die nach dem 13. 08. 1961 - 9. November 1989, Zeit der Mauer, abgehauen sind, als Kämpfer für Freiheit dargestellt werden. Es wird sehr oft dabei vergessen, dass sie nur an ihre persönliche Freiheit gedacht haben. Konsumieren, Konsumieren, Konsumieren ... Ich weiß, wovon ich rede, denn ich hatte das gleiche Motiv 1960. Nur hatte ich, wie schon mal geschrieben, das Glück, es stand noch keine Mauer als ich aus dem Zug geholt wurde. Dieses Geschehen hat mich vieles anders sehen lassen, denn ich wurde von den eigenen Leuten als Lockvogel benutzt, nur um von Ost nach West zu kommen. Daran muss ich oft denken und an die fadenscheinigen Äußerungen mancher Politiker über Mauer-Opfer: "Sie haben ihr Leben für den Wunsch nach Freiheit geopfert." Jeder Toter ist ein Toter zu viel, es ist unbestritten. Was mich stört, die doppelte Moral der Politik. Ich sehe und höre jeden Tag wie viele Menschen ihr Leben lassen, lassen müssen, weil sie den Wunsch nach Freiheit verspüren. Nur sind es eben keine Deutschen, deshalb nur eine Randnotiz wert. Trotz offener Grenzen, angeblicher Weltoffenheit der Politiker, bekommen diese Menschen kein  Asyl, kein Zuzug ... 
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Vielleicht gefallen Ihnen meine Worte nicht, aber ich lebe im Land der Meinungsfreiheit, also sage ich was ich denke. Dies habe ich übrigens auch in der DDR getan, als Kritik an der jeweiligen Sache... 

Sehr nachdenklich aber herzlichst, Margot.

Kommentare:

  1. Liebe Margot, ich kann gar nicht beurteilen, wie es in der ehemaligen DDR so war. Durch Deine Erläuterungen kommt mir aber eine Ahnung. Ich hätte nicht mit Dir tauschen mögen, ich bewundere, wie Du so klar gekommen bist, ohne in der Partei gewesen zu sein. Du beschönigst nichts. Ich bin immer für klare Worte denen Taten folgen, dies vermisse auch ich bei den Politikern heutzutage sehr. LG, Claudia.

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  2. Liebe Margot,

    wir beide lebten wahrscheinlich in ein- und derselben DDR (ich allerdings erstab 1963), denn meine DDR war der Deiner Schilderung extrem ähnlich.

    Das Merkel oder Gauck lebten in einer anderedn, ganz sicher.

    LG Der Emil

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    1. Danke, lieber Emil für Deine Worte. Es freut mich, sogar sehr, dass wir in der gleichen DDR gelebt haben.

      liebe Grüße, Margot

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  3. "Frei ist, wer in Ketten tanzen kann."

    Friedrich Nietzsche

    Den Allermeisten erscheint das Sprengen der Ketten aussichtslos, sodass sie das Gefängnis für ihren Verstand, die Religion, gar nicht erst erkennen und sich ihre "Freiheit" lieber einbilden wollen. Weil aber die eigentliche religiöse Verblendung darin besteht, die Religion NICHT zu verstehen, ist der "Unglaube" gegenüber dem "Opium des Volkes" wirkungslos!

    Viel Vergnügen bei der "Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion":

    http://www.swupload.com//data/Das-Juengste-Gericht.pdf

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    1. Hallo, Freiwirtschaftler, Ihre Worte interpretiere ich für mich einfach so: Nietzsche hatte wohl recht, wir in der ehemaligen DDR konnten, trotz Ketten, tanzen. Als es genug war, haben wir sie gesprengt. Hier und jetzt wird das Wort Freiheit so oft in den Mund genommen und es wird so wenig getanzt.

      Nur scheinen Sie kein Liebhaber des Tanzes zu sein, nicht mit oder ohne Ketten. Wie ich Ihrem Blog entnehme, sind Sie Anhänger der Religion und Philosophie, mit sehr langen Vorträgen, bleiben Sie dabei. Bitte geben Sie mir das Recht, es nicht zu sein, auch wenn ich gerne philosophiere.
      Herzlichst Margot

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