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Samstag, 24. November 2012

Joachim Ringelnatz ...

... nur ein paar Daten:

1883 Am 7. August wird Joachim Ringelnatz (auch: Pinko Meyer, Fritz Dörry, Gustav Hester) als Hans Bötticher in Wurzen bei Leipzig als Sohn des Tapetenentwerfers und Jugendschriftstellers Georg Bötticher geboren.

1919 Er nennt sich nun Joachim Ringelnatz, nach dem seemännischen Namen für das glückbringende Seepferdchen.
  
1931 Veröffentlichung der Erinnerungen "Mein Leben bis zum Krieg".
1934 Am 16. November stirbt Joachim Ringelnatz vollkommen verarmt an seiner anhaltenden Lungenkrankheit in Berlin. Gemäß seinem letzten Wunsch wird er unter den Klängen des Seemannsliedes "La Paloma" in sein Grab getragen.




Der Briefmark

Ein männlicher Briefmark erlebte
Was Schönes, bevor er klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt.
Da war die Liebe in ihm erweckt.
Er wollte sie wiederküssen,
Da hat er verreisen müssen.
So liebte er sie vergebens.
Das ist die Tragik des Lebens . . .

Ein Pflasterstein

Ein Pflasterstein, der war einmal
Und wurde viel beschritten.
Er schrie: "Ich bin ein Mineral
Und muss mir ein für allemal
Dergleichen streng verbitten!"
Jedoch den Menschen fiel's nicht ein,
Mit ihm sich zu befassen,
Denn Pflasterstein bleibt Pflasterstein
Und muss sich treten lassen.

Es war ein Brikett

Es war ein Brikett, ein großes Genie,
Das Philosophie studierte
Und später selbst an der Akademie
Im gleichen Fache dozierte.
Es sprach zur versammelten Briketterie:
"Verehrliches Auditorium,
Das Leben - das Leben - beachten Sie -
Ist nichts als ein Provisorium."
Da wurde als ketzerisch gleich verbannt
Der Satz mit dem Provisorium.
Das arme Brikett, das wurde verbrannt
In einem Privatkrematorium.



Ein Nagel saß in einem Stück Holz

Ein Nagel saß in einem Stück Holz.
Der war auf seine Gattin sehr stolz.
Die trug eine goldene Haube
Und war eine Messingschraube.
Sie war etwas locker und etwas verschraubt,
Sowohl in der Liebe, als auch überhaupt.
Sie liebte ein Häkchen und traf sich mit ihm
In einem Astloch. Sie wurden intim.
Kurz, eines Tages entfernten sie sich
Und ließen den armen Nagel im Stich.
Der arme Nagel bog sich vor Schmerz.
Noch niemals hatte sein eisernes Herz
So bittere Leiden gekostet.
Bald war er beinah verrostet.
Da aber kehrte sein früheres Glück,
Die alte Schraube, wieder zurück.
Sie glänzte übers ganze Gesicht.
Ja, alte Liebe, die rostet nicht!
Joachim Ringelnatz  (1883-1934)
Zeichnung: www.Ringelnatz.com




Kommentare:

  1. Immer wieder gerne für mich etwas von Joachim Ringelnatz, danke schön, Margot. LG Claudia.

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    1. Danke auch, liebe Claudia. Ich mag Dichter mit Humor, besonders Ringelnatz.
      Liebe Grüße, Margot

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