Seiten

Samstag, 11. Januar 2014

Ausgesetzt

... das Jahr ist neu, also steht am Anfang des Jahres, also kann man vieles ändern, deshalb schreibe ich diese Geschichte auf. Damit sich einige Menschen noch überlegen können, wenn sie so etwas im Vorhaben planen. Tiere sind kein Spielzeug und man sollte sie nicht so, wie in dieser Geschichte, behandeln. Es gibt immer eine bessere Alternative ...

Cato, sagte einmal: Gnadenbrot ist Ehrenpflicht. Alt gewordenen Pferden das Gnadenbrot zu geben und Hunden nicht nur, wenn sie jung sind, sondern auch im Alter Pflege angedeihen zu lassen, ist Ehrenpflicht eines guten Menschen.

Ausgesetzt



“Ja, warum bleibst du denn nicht erst am Straßenrand stehen, blickst nach links und nach rechts, ob da so ein Ungeheuer angerast kommt und läufst erst dann, wenn alles frei ist, auf die andere Seite? So jedenfalls, so mache ich es”, belehrte der Hund den kleinen Igel.
“Na du hast gut reden, denn du kannst ja auch richtig schnell laufen, doch wir Igel können gar nicht so schnell flitzen. Egal, auch wenn wir nach links und rechts gucken, die Straße frei ist und wir dann rübergehen, da sind diese Ungetüme trotzdem blitzartig da und schießen mit weit aufgerissenen, weißglühenden Augen auf einen zu. Da bleibt uns nur übrig, sich als Stachelball einzurollen und zu beten, dass man noch mal heil davonkommt.”

“Ich dachte, dass ihr Igel doch noch schneller seid als die Hasen, denn da gibt es doch die Reportage über denn Wettkampf zwischen dem Igel und dem Hasen, den der Igel gewonnen hat.”
“Nun ja, diese Geschichte kenne ich auch, doch jetzt mal unter uns und ganz ehrlich gesagt, da wurde der Hase richtig bemogelt. Es waren nämlich zwei Igel und der Hase war so gutgläubig, dass er einen solchen Betrug uns gar nicht zugetraut hat. Und auch die Reporter hatten davon nichts gemerkt und brachten den Igel ganz groß als Gewinner in die Zeitungen und was da mal schwarz auf weiß geschrieben steht, das bleibt dann auch in den Köpfen hängen. Doch jetzt mal zu dir. Was machst du denn mitten in der Nacht hier an den Mülltonnen?”

“Ach, das ist eine lange Geschichte und ehrlich gesagt, weiss ich eigentlich überhaupt nicht, was da nun tatsächlich mit mir passiert ist. Vor lauter Nachdenken habe ich schon Kopfschmerzen. Weisst du, vor zwei oder drei Sommern, da war ich mal, wie die Menschen damals sagten, ein süßes, braun-weisses Wollknäuel und es gab da viele Menschenhände, die mich streichelten und auch Kinder, die mit mir spielten. Nun ja, manchmal wurde auch mit mir geschimpft und sogar Haue bekam ich. Speziell wenn ich es immer noch nicht gelernt hatte, dass man Menschenwohnungen nicht als Toilette benutzen darf und zu warten hat, bis jemand kommt und die Tür nach draußen aufmacht. Du wirst es nicht glauben, aber da habe ich manchmal schon stundenlang mit Bauchschmerzen vor einer verschlossenen Tür gesessen und keiner war da, der mich rausgelassen hat. Na ja, ich hab dann schon gelernt, dass man sich an ganz bestimmte Toilettenzeiten halten muss, wenn man nicht mit lautem Geschimpfe und Haue vor die Tür geworfen werden will.
Der kleine Igel traute seinen Ohren nicht: “ Haue und Geschimpfe?!”, meint er er fassungslos. “Also mich, hat noch niemand verhauen!”

“Kunststück, dass man dich noch nie verprügelt hat. Kann man doch auch gar nicht. Hast ja überall diese piekenden Igelstacheln. Den möcht ich mal sehen, der dich so richtig verklatscht. Aber dafür kriegst du auch nicht so viele Streicheleinheiten wie unsereiner und das ist eigentlich eine wunderbare Sache. Vor allen Dingen als ich noch klein war, da wurde ich auf den Schoß genommen und gestreichelt, wurde eben von der ganzen Familie, die mich bei sich aufgenommen hatte, so richtig verwöhnt. Doch das legte sich dann später, denn ich wurde immer größer und eines Tages durfte ich dann auch nicht mehr auf den Schoß, irgend wann auch nicht mehr in die Wohnung, da ich, ohne es zu wollen, hin und wieder mit meinem Wedelschwanz Sachen vom Tisch gefegt
hatte, was dann als richtiges Verbrechen angesehen wurde. Lange Rede, kurzer Sinn, so allmählich merkte ich, dass ich für die gesamte Familie zur Last wurde, denn immer, wenn ich vor Wiedersehensfreude jemandem entgegen sprang, zum Beispiel, wenn die Kinder aus der Schule kamen, dann gab es ein irres Geschrei und Geschimpfe und ich musste meine ganze Freude unterdrücken und mit eingezogenem Schwanz und Hängeohren mich irgendwo verkriechen.
X-mal habe ich mir gewünscht, dass ich mit dem Wachsen aufhören würde, denn es war halt schon mal passiert, dass ich mit meinem Gewicht eines der Kinder glatt umgeworfen hatte. Kurz und gut, beziehungsweise kurz und schlecht, eines Tages durfte ich mal wieder im Auto mitfahren, was ich ja immer ganz interessant fand und so freute ich mich schon auf die Fahrt. Obwohl, es war eigentlich schon ziemlich dunkel und ich konnte überhaupt nicht so richtig sehen, wohin wir überhaupt fuhren. So ungefähr nach einer halben Stunde, da hielten wir an, man machte die Tür auf und schwups, da war ich draußen. Zuerst dachte ich, dass wir nun einen Spaziergang machen, doch dann fuhr das Auto direkt wieder los und war in Nullkommanichts verschwunden. Zuerst glaubte ich, dass das ein Irrtum sein müsste, man vielleicht vergessen hatte, dass ich noch nicht wieder eingestiegen war und ich rannte wie besessen auf der Straße los in Richtung des davongefahrenen Autos.
Ich rannte so lange, bis ich einfach nicht mehr konnte und legte mich dann in den Straßengraben. Dort bin ich dann mindestens zwei oder drei Tage geblieben und bin fast jedem Auto hinterher gehechelt, denn ich dachte immer noch, dass meine Menschenfamilie mich wieder abholen würde.”

“Haben die dich denn nun wieder abgeholt?”, fragte der kleine Igel, der die ganze Geschichte höchst aufregend fand.

“ Nein, haben sie nicht ”, entgegnete mit trauriger Stimme der Hund. “Ich kann es mir einfach nicht erklären und mich auch nicht erinnern, dass ich etwas so Schlimmes angerichtet hätte, dass man mich einfach so sang- und klanglos mitten in der Nacht auf die Straße setzt. Inzwischen habe ich aber viele Kollegen getroffen, denen es ungefähr genau so ergangen ist und wir sind, so
traurig es auch klingen mag, dahinter gekommen, dass es viele Menschen geben muss, die uns nur sozusagen als Kuscheltiere anschaffen. Wenn wir dann nicht mehr kuschelig genug sind, dann werden wir ihnen zu lästig und dann denken sie nur noch daran, wie sie uns wieder abschaffen könnten. Ganz besonders traurig ist es aber manchmal für eine Hündin oder Kätzin, die ohne zu fragen plötzlich fünf oder noch mehr Kinder anschleppen, denn dann sind die Menschen echt überfordert und sehr oft werden die Kleinen - - - - -”

“Wwwwas mmmachen die denn mmmit den Bbbbabies? Essen sie die auf?”, fragt ganz aufgeregt der kleine Igel.

“Nein, natürlich nicht. Und doch wäre es  manchmal viel besser, wenn man sie ratzfatz auffressen würde, denn viel schlimmer ist es doch, wenn sie in eine Plastiktüte gesteckt werden, die dann in eine Mülltonne geworfen wird. Aber lassen wir mal dieses traurige Thema. Es gibt nämlich auch richtig tierliebe Menschen, die uns streicheln und mit Leckerbissen - - - - “

“Ja, ja, ich kenn die auch. Sie stellen mir immer ein Schälchen mit leckeren Sachen hin und freuen sich darüber, wenn ich so richtig reinhaue. Nur das Näpfchen mit der Milch, das sollten sie mir nicht hinstellen, denn ich kann es einfach nicht lassen, davon zu trinken und dann kriege ich immer richtiges Bauchkneifen und Durchfall. 
Das sollte mal irgend jemand den Igelfreunden sagen”, plapperte der Igel drauf los und schmatzte an einem Käfer, der unvorsichtiger Weise in seine Nähe gekommen war.

“Ach, wie viel besser hast du es doch”, seufzte der Hund. “Du brauchst nur über die Felder zu wandern, um dir den Bauch mit allem möglichen Kleingetier voll zu schlagen. Dann kannst du dich einrollen und satt und ruhig bis zur nächsten Mahlzeit schlafen. Ich wünscht, ich könnte das auch, aber bis ich in all den Mülltonnen mal etwas finde, was meinen Hunger stillen kann, das dauert manchmal viele, viele Stunden. Trotzdem, ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es mir eines Tages vielleicht wieder besser gehen wird.”

Durch das Thema übers Essen wurde der Hund daran erinnert, dass sein Magen auch noch ziemlich leer war., Der kleine Igel nahm seine unterbrochene Wanderung wieder auf und während er sich im leise raschelnden Laub langsam entfernte, rief er: “Ich drücke dir all meine Igeldaumen und hoffe, dass du recht bald wieder ein richtiges Zuhause bekommst und Freunde, die dich lieben und für immer bei sich behalten!”

“Du, kleiner Igel, pass auf dich auf! Bleibe auf den Feldern, vermeide die Straßen, damit du nicht doch noch eines Tages platt gemacht wirst!”, rief der Hund dem Davoneilenden in die Dunkelheit nach. Dann trabte er müde und hungrig zu einem Olivenbaum, legte sich nieder und träumte davon, dass ein freundlicher Jemand ihn streichelte und zu sich nach Hause nahm, wo er dann als treuer Begleiter und Beschützer für immer bleiben durfte.

Nur der Mond, der durch die Blätter des Baumes blinzelte, konnte diese Hundeträume sehen und er wollte bei den Sternen mal nachfragen, ob auch Tiere einen Schutzengel haben und falls ja, dann wollte er den Schutzengel darum bitten, dafür zu sorgen, dass auch Hundeträume manchmal in Erfüllung gehen.


Es war Weihnachten und viele Menschen haben Tiere als Geschenk erhalten, bitte habt eure Tiere lieb ... nicht das sie so wie in dieser Geschichte enden.


 Herzlichst Margot.



Kommentare:

  1. So etwas geht mir immer richtig ans Herz!
    Ich liebe Tiere und kann leider keine haben, weil mein Mann starker Allergiker ist.
    Es ist so schrecklich, was Menschen Tiere antun. Es macht mich unglaublich wütend und zugleich könnte ich heulen wegen den Tieren...

    Liebe Grüße
    Sonja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Sonja, ich kann dich verstehen, denn es geht mir genauso weinerlich ums Herz. Ich frage mich immer, wie kann man so etwas nur machen und versuche mir diese Menschen vorzustellen ... ich dürfte so etwas nicht sehen. Meine Wut würde freien Lauf bekommen.
      Liebe Grüße, Margot

      Löschen
  2. Hallo Margot :)
    schlimmes Thema, leider scheint es dies immer noch zu geben - für mich unvorstellbar. Ich habe keine Haustiere, da braucht man viel Zeit um sich zu kümmern und wenn man die nicht hat, da lasse ich es lieber sein :)
    Lieben Gruß und ein schönes Wochenende
    Björn :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Björn, da hast du recht, unvorstellbar. Ich habe auch kein Haustier, weil mein Vermieter es nicht möchte. Mein Mitgefühl ist trotzdem bei den Tieren ...
      Dir auch ein schönes Wochenende. Liebe Grüße, Margot.

      Löschen