Seiten

Dienstag, 21. Januar 2014

MAN IST NUR GAST ...

... das Wetter ist heute nicht sonnig, sondern trübe. Zu nichts habe ich Lust, ich kann nicht mal in den Himmel schauen, er hat sich mit Wolken zugezogen. Na gut, ich könnte etwas in der Wohnung machen, da gibt es immer etwas zu tun, aber ... ich habe keine Lust. So setze ich mich vor den Fernseher und schaue, beim Schauen erinnere mich an ein Gedicht von der verstorbenen Ruth-Ursula-Westerop. 

Es bringt mir auch keine Freude ... denn sie hat recht.



MAN IST NUR GAST

Das Fernseh’n zeigt in bunten Bildern,
was alles so auf dieser Welt passieret.
Mit Worten kann man manches gar nicht schildern.
Man schaut es an und ist narkotisiert.

Man sitzt davor, wie das Kaninchen vor der Schlange,
ist sprachlos über das, was so geschieht
und gar nicht selten wird es einem bange
vor dem, was auf dem Bildschirm so vorüberzieht.

Man ist nur Gast im Elendsviertel dieser Welt,
wo Krieg und Hass und Gier und Neid kampieren,
dort, wo Gesichter schwer durch Angst entstellt,
wo Gnade oder Recht nicht existieren.


Man ist nur Gast, wenn irgendwo die Städte brennen,
wenn Menschen, Haus und Hof und auch noch mehr verlieren,
wenn Wut und Blutrausch keine Grenzen kennen
und schaut nur zu, wenn Menschen irgendwo krepieren.

Von einem Logenplatz, ganz sicher und geborgen,
betrachtet man das üble Weltgeschehen -
und all die eigenen Probleme und auch Sorgen,
kann man ganz plötzlich gar nicht mehr verstehen.



KRIEG FÜR DEN FRIEDEN

Gebrochene Balken, Schutt und Asche,
auf einem Stuhl, geöffnet, eine Aktentasche.
Blicklos in Scherben alle Fenster,
Stofffetzen wehn im Luftzug wie Gespenster.

Am Straßenrand, noch heil, ein Puppenwagen,
doch dort, wo sonst die Bilderbücher lagen
und gestern noch das Kinderbettchen stand,
ist nur noch eine halb zerfetzte Wand.


Noch heil geblieben ist ein Stückchen Gartenzaun
und auch die roten Blüten dort am Rosenstock. Zerschmettert liegt im Schutt der Apfelbaum,
in seinen Ästen aufgespießt ein Mädchenrock.

Der Krieg hat ausgelöscht wer hier gewohnt,
zerstört, vorbei, was gestern war und jetzt
fragt man, ob denn ein Krieg für Frieden lohnt, 
wenn alles Friedliche zertrümmert und zerfetzt.



So, nach diesen zwei Gedichten gehe ich mit gesenktem Kopf in die Küche, mache mir mein Essen und bekomme es vor Verklemmung nicht herunter. Meine Gedanken, wie bin ich manchmal unzufrieden und habe es doch so gut ... und ihr, geht es euch so? 

Nein, ich erwarte keine Antwort, nur ein Nachdenken ...



Kommentare:

  1. Liebe Margot, da hast Du etwas angesprochen, was mich immer wieder bewegt, das Elend in dieser Welt, von Menschen selbst erzeugt. Ruth-Ursula Westerop versteht es das Entsetzen in Worte zu kleiden. Nur ein Wort gefällt mir in diesem Zusammenhang gar nicht, das Wort vom Gast. Ein Gast wird eingeladen, er ist willkommen, er wird erfreut erwartet und das in Zeiten des Friedens. Wir alle sind durch die Medien ungebetene, neugierige? Zeugen von Verbrechen, die wir nicht verhindern, ja oft auch nicht verhindern können. Ich fremdschäme mich eher dafür, dass die Weltgemeinschaft einfach nur zu sieht, oft nur ihrer Vorteile um die Ressourcen der betroffenen Länder wegen. So, jetzt schmeckt mir mein Frühstücks-Kaffee nicht mehr so gut. Das hilft zwar niemandem, wir haben uns aber Gedanken gemacht und das ist schon mehr als das was die Mehrheit wohl tut, trotzdem noch einen schönen Tag, LG Claudia.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Claudia, danke für deinen ausführlichen und ehrlichen Kommentar. Ja, die Weltgemeinschaft schaut nur zu oder zerstört noch mehr. Das Reden von Frieden ist eine Phrase, um vom tatsächlichen Wollen abzulenken. Es tut mir leid, dass dir der Kaffee nicht mehr schmeckte, aber wir können in diesem Elend wenigstens noch Kaffee trinken.
      Dir auch noch einen schönen Tag, ganz liebe Grüße, Margot.

      Löschen
  2. Guten Morgen liebe Margot

    Bei dem Titel wir sind nur Gast. Musste ich spontan an ein Lied denken. Wir sind nur Gast auf Erden, aber manchmal benehmen wir uns nicht wie Gäste. Würde sich ein Gast in meinem Haus so benehmen wie manche dies mit ihren Mitmenschen machen, diese Menschen wären keine gerngesehenen Gäste bei mir.
    Mich schockiert immer wieder was auf dieser Welt so alles geschieht. Und es geht meistens immer nur um das Eine. Macht in Verbindung mit Geld. Doch am Ende des Lebens kann man ohnehin nichts mitnehmen, dahin ist die Macht und an dem Geld erfreuen sich andere.
    Es gibt doch viel Wichtigeres im Leben als Macht und Geld. Da ist Vertrauen in besondere Menschen, ein freundliches Wort, ein netter Abend in lieber Gesellschaft, ein Kinderlachen, ein schönes Lied etc. die Listekann ich beliebig lang fortsetzen.

    Auch wenn der Tag uns trübes Wetter beschert und die Gedichte traurig stimmen, wünsche ich Dir dennoch einen schönen Tag
    Ich muss gleich zur Arbeit, habe mir den Tag aber schon mit einigen Runden im Schwimmbad verschönert.
    Habe jetzt noch ein bisschen Zeit, mein Tee zieht (den müsste ich mal rausholen den Teebeutel) und dann geht es gleich wieder los in die Tretmühle.

    Liebe Grüße
    Tina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Tina, deine Worte finde ich genau so gut, wie die von Claudia. Eigentlich sind wir alle nur Gäste auf dieser Erde, und sollten uns danach verhalten. Doch, wie du schon sagst, es geht vielen Menschen nur um Macht und Geld, und sie vergessen die Regeln für Gäste. Sie zerstören diese schöne Welt ...
      Wir sind, Gott sei Dank, in einer Gruppe von Menschen denen es um Wichtigeres geht. Wie du geschrieben hast: "Da ist Vertrauen in besondere Menschen, ein freundliches Wort, ein netter Abend in lieber Gesellschaft, ein Kinderlachen, ein schönes Lied etc. die Listekann ich beliebig lang fortsetzen". Es ist für mich auch das Schönste ...
      Danke liebe Tina, dass du diese Worte schon vor deiner Arbeitszeit geschrieben hast. Ich freue mich darüber und gönne dir den Tee aus vollem Herzen. Verlebe einen schönen Tag.
      Liebe Grüße, Margot.

      Löschen
  3. Hallo Margot :)
    das sind sehr kräftige Worte und natürlich vollkommen richtig. Das Leid auf der Welt ist groß - viel zu groß, aber es ist schwer etwas dagegen zu tun, die Menschheit ist in der reinen Masse wohl doch nicht zu verändern, leider.

    Ich denke gerade an dieses Gedicht von Heinz Schenk:

    Es ist alles nur geliehen

    Es ist alles nur geliehen hier
    auf dieser schönen Welt.
    Es ist alles nur geliehen aller
    Reichtum, alles Geld.
    Es ist alles nur geliehen jede
    Stunde voller Glück.
    Musst Du eines Tages gehen,
    lässt Du alles hier zurück.

    Man sieht tausend schöne Dinge,
    und man wünscht sich dies und das.
    Nur was gut ist und was teuer,
    Macht den Menschen heute Spaß.
    Jeder will noch mehr besitzen,
    zahlt er auch sehr viel dafür.

    Keinem kann es etwas nützen,
    es bleibt alles einmal hier.
    Jeder hat nur das Bestreben,
    etwas Besseres zu sein.
    Schafft und rafft das ganze Leben,
    doch was bringt es ihm schon ein?

    Alle Güter dieser Erde,
    die das Schicksal dir verehrt,
    sind dir nur auf Zeit gegeben und
    auf Dauer gar nichts wert.
    Darum lebt doch euer Leben,
    Freut euch auf den nächsten Tag.

    Wer weiß schon auf diesem Globus,
    was das Morgen bringen mag?
    Freut Euch an den kleinen Dingen,
    nicht nur an Besitz und Geld.
    Es ist alles nur geliehen hier
    auf dieser schönen Welt.

    Versuche Deine Tage mit Freude zu erfüllen :)
    Lieben Gruß und einen tollen Abend
    Björn :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Björn, danke für deine Zustimmung und das wunderschöne Gedicht.
      Diese Worte nehme ich mir als Zuspruch:
      Freut Euch an den kleinen Dingen,
      nicht nur an Besitz und Geld.
      Es ist alles nur geliehen hier
      auf dieser schönen Welt.

      Dir ganz liebe Grüße, herzlichst Margot.

      Löschen