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Donnerstag, 19. Juni 2014

Schmeichelei ...

Schmeichelei ist das Zauberwort, um auch in der heutigen Zeit noch etwas vom Gegenüber zu bekommen. Es muss ja nicht die Wahrheit sein, wie man es auch in dieser Fabel aus Norwegen sieht. Gute Worte, wahr oder unwahr ausgesprochen, sind Türöffner für jedermann. In den oberen Kreisen nennt man es wohl Diplomatie und nicht Unwahrheit. Nein, ich würde nichts wollen aber die Wahrheit, wie es wohl der Bär getan hat, würde ich auch nicht aussprechen. Es gehört zu meiner Höflichkeit, niemand zu beleidigen. Dann würde ich lieber Schweigen, als die Wahrheit auszusprechen.


Der Bär, der vom Affen eine Goldkette haben wollte


Als der Bär einmal dem Fuchs begegnete, trug dieser um den Hals eine Goldkette.

»Wo hast du die Goldkette her?« fragte der Bär.

»Ich habe sie vom Affen bekommen«, sagte der Fuchs, »das war ein netter Kerl.«

Ja, wenn er wüsste, dass er so eine bekommen könnte, würde er auch zum Affen gehen, sagte der Bär.

»Du würdest sie auf der Stelle bekommen«, meinte der Fuchs, »nur musst du mit der Wahrheit sparsam sein.«

Ja, das versprach der Bär und zottelte in den Wald hinein zum Affen.

»Findest du nicht, dass ich schön bin?« fragte der Affe.

»Fürwahr, du bist doch nicht schön«, sagte der Bär. »Ich finde, dass du hässlich bist.«

»Aber findest du nicht, dass ich eine schöne Frau habe?«, sagte der Affe und zeigte ihm das Affenweibchen.

»Fürwahr, sie ist doch nicht schön«, sagte der Bär. »Ich finde, dass sie abscheulich hässlich ist.«

»Aber habe ich nicht schöne Kinder?«, fragte der Affe und zeigte die Äffchen.

»Fürwahr, sie sind doch nicht schön«, sagte der Bär. »Ich glaube, ich habe noch nie so hässliche Kinder gesehen«, meinte er.

Doch da sprang ihm der Affe direkt ins Gesicht und zerkratzte es ganz grässlich, so dass der Bär froh war, als er sich nach Hause trollen konnte. Unterwegs traf er den Fuchs.

»Wo bist du denn gewesen?«, fragte der Fuchs. »Du siehst ja zum Fürchten aus.«

»Ich war beim Affen«, sagte der Bär. »Das ist ein rechter Schurke! Er ist über mich hergefallen und hat mir beinahe meine Haartracht ausgerissen.«

»Ja aber, hat er dich denn nicht gefragt, ob er schön sei?«, fragte der Fuchs.

»Ich fand, dass er hässlich ist«, sagte der Bär.

»Ja aber, zeigte er dir nicht seine Frau«, wollte der Fuchs wissen. »Fragte er nicht, ob sie schön sei?«

»Ich habe gesagt, dass ich sie abscheulich hässlich finde«, sagte der Bär.

»Ja aber, zeigte er dir nicht seine Kinder?« fragte der Fuchs. »Hast du nicht gesagt, dass sie schön sind?«

»Ich habe gesagt, wie es ist«, antwortete der Bär, »dass ich niemals hässlichere Kinder gesehen habe.«

»Ich habe dir doch gesagt, du sollest mit der Wahrheit sparsam sein«, sprach der Fuchs. »Hättest du das getan, so hättest du eine Goldkette erhalten, du ebenso wie ich.«

Nordeuropa - Norwegen

Kommentare:

  1. Magot, und mit dieser ungewollten Aussage hat ER Sie glücklich gemacht.
    Einfach herrlich.
    Die Geschichte gefällt mir auch wieder sehr gut.
    Liebe Grüße schickt Dir
    Irmi

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    1. Liebe Irmi, vielen Dank für deine Worte, sie tun mir sehr gut.
      Wünsche dir einen schönen Tag.
      Liebe Grüße, Margot.

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  2. Hallo Margot,

    eine sehr schöne und wahre Geschichte. Ich habe auch oft erleben müssen, die Wahrheit zu sagen ist nicht wirklich was die Menschen hören wollen - wenn man sie spricht, dann hat man oft Nachteile - leider.

    Liebe Grüße
    Björn :)

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    1. Danke lieber Björn, ja so ist es wirklich im Leben, die meisten Menschen möchten belogen werden.
      Wünsche dir noch einen schönen Tag. Liebe Grüße, Margot.

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