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Samstag, 30. August 2014

Der Regen und das Tongefäß

Heute möchte ich, nachdem ich einige Blicke in den Himmel geworfen habe und ihn als schön empfand, im Moment war kein Regen zu sehen, einige Fabeln aufschreiben. Vielleicht sind sie nicht so schön wie dieser Himmel, aber man kann aus ihnen einiges Lernen.


Der Regen und das Tongefäß

Vom Wind getrieben, aus der Wolke weggedrängt, ging eisig einst ein heftiger Regenguss hernieder. Als er das Land mit seinen Stürmen überflutet hatte, bespült' er auch ein Tongefäß, das draußen stand. (Denn den geschmeidigen Lehm lehrt erst die laue Luft, dass er hernach erführ, in Feuers Näh gebrannt zu werden.) Jetzt fragt der stürmische Wind nach des Gefäßes Namen. Seiner vergessend,  spricht's: »Amphora werde ich genannt, denn kundig lehrte mich die Hand an Kreise ziehender Scheibe die sanft zur Seite gehende Form.«
»In der Gestalt zu bleiben mag bis jetzt vergönnt dir sein; denn der dich unterwarf, der Regen, wird im Wasser dich hinwegspülen.« Zugleich zerbrach der Regen, der zum Strom geworden, das Gefäß, besiegt ergab es sich den zarten Wassern, das Unglückselige, das mit großen Worten sich benannte, das wagte, mit dem köchertragenden Gewölk zu sprechen!

Dies Beispiel mag in Zukunft die vom Elend Heimgesuchten lehren,
dass sie, den Großen untertan, beklagen ihr Geschick.



Der Esel mit dem Löwenfell


Ein jeder muss sich messen und sich freuen an der eignen Kraft und darf, was eines andern ist, für sich nicht nehmen. Sonst wirst verlacht du, wenn der Schein entlarvt und du in deinen Schwächen bleibst zurück.

Per Zufall fand ein Esel eines Löwen Fell aus Afrika. Das Neuerworbene legte er sich selber um, die Glieder steckt' er in die Hülle, die für sie nicht passte, und presste seinen blöden Kopf ins ehrenvolle Kleid. Doch wie die Lust des Terrors seinen Sinn umfing und vorgestellter Kampfmut seine trägen Knie erfasste, zerstampfte er dem milden Weidevieh das Futter und scheuchte er die Kühe, die angstvoll, übers Feld.
Nachdem indes an seinem langen Ohr der Bauer ihn ergriffen, band er mit einem Strick ihn fest und züchtigt' ihn mit Schlägen. Zugleich riss er vom Körper ihm das Fell, entblößte ihn und schalt das unglücksvolle Tier mit diesen Worten:
»Vielleicht magst andre du, die dich nicht kennen, täuschen; für mich jedoch bleibst du der Esel, der du immer warst!«


 Der Hund 

Nicht ist es niedern Seelen angeboren, zu erkennen, ob guten Lohn, ob Strafe sie verdienen.

Ein Hund, der weder durch Gebell erschreckte noch warnend seine Zähne fletschte,
vielmehr den Schwanz einzog aus Furcht, biss einst den eignen Herrn mit frechem Mut.
Damit geheuchelte Gesinnung nicht verborgen bliebe, befahl der Herr, dass er am bösen Rachen eine Schelle trage. Mit eigner Hand band an den Hals er ihm die laute Glocke, die, wenn sie leicht bewegt nur, Warnungszeichen geben sollte.
Der Hund, der glaubte, das geschähe ihm zum Lohne. verachtet' triumphierend der Genossen Schar. Da trat zu ihm, dem Stolzen, aus der Hunde Kreis ein Alter, der, wie folgt, das Wort ergriff:
»Du Narr, welch Wahnwitz hat dir die Vernunft geraubt, dass jene Gaben dir Belohnung scheinen? Denn nicht der Tugend Preis wird offenbar durch deine Schelle, als Zeugnis deiner Bosheit vielmehr trägst du sie.«


Die beiden Töpfe

Zwei Töpfe riss der Fluss vom überschwemmten Ufer und trieb sie beide in das wilde Tosen. Der eine war aus Erz gegossen, der andere aus Lehm gebildet; so hatte unterschiedlich sie die Kunst wie die Natur geschaffen. Und da zerbrechlich dieser, fest der andre, wirkte ungleich die Flut, und oftmals wechselte der Fluss die Bahn.
Auf dass der ehrne Topf den andern nicht beschädige und zerbreche, schwor er, mit ihm den gleichen Weg zu ziehn.
Doch dieser war in Sorge, dass der Stärkere dem Schwächern schaden könnte, und wusste, dass es für den Kleinen mit dem Größeren keine Treue geben könnte.
»Sosehr du auch mit Worten mich beruhigst«, sprach er, »so wird trotzdem die Furcht nicht aus dem Herzen weichen. Denn wirft die Woge mich auf dich, wirft dich auf mich sie, stets wird allein ich beiden Übeln ausgeliefert sein.«

Der Schwächere sei auf der Hut, sich mit dem Starken zu verbinden;
denn bessre Freundschaft bietet ihm, der mit ihm gleich.
Dem Schwachen nämlich treu zu sein, das ist dem Mächtigen unmöglich.


So, nun habe ich meinen Geist aufgefrischt und kann den Tag beginnen. So wünsche ich es nun auch euch. 


Kommentare:

  1. Mal Zeichnungen - wirkt gut!

    Liebe Grüße - Monika

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    1. Danke Monika, freue mich, dass es gefällt. :-)

      Liebe Grüße, Margot.

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  2. So würde ich auch gerne malen können. Liebe Grüße zum Wochenende, ClauDia.

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    1. Danke liebe Claudia, ich auch. :-)

      Ein schönes Wochenende, liebe Grüße, Margot.

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