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Sonntag, 17. August 2014

Merops

... es ist früher Morgen und ich will es nicht glauben, es kommen ein paar Sonnenstrahlen hervor, auch wenn die Regenwolken schon warten. Doch die Temperatur ist unschön, sie ist kalt, jedenfalls für den Sommer. Uui ich friere, einen Moment ... bin wieder da, habe die Strickjacke angezogen. So, es geht mir besser und ich erzähle noch ein paar Geschichten, die mir Freude bringen ...



Merops

»Ich muss dich doch etwas fragen«, sprach ein junger Adler zu einem tiefsinnigen grundgelehrten Uhu. »Man sagt, es gäbe einen Vogel mit Namen Merops, der, wenn er in die Luft steige, mit dem Schwanz voraus, den Kopf gegen die Erde gekehrt, fliege. Ist das wahr?«

»Ei nicht doch!« antwortete der Uhu; »das ist eine alberne Erdichtung des Menschen. Er mag selbst ein solcher Merops sein, weil er nur gar zu gern gen Himmel erfliegen möchte, ohne die Erde auch nur einen Augenblick aus dem Gesichte zu verlieren.«


Gotthold Ephraim Lessing - Deutschland


Minka, die Katze

Minka war den ganzen Tag allein. Ihr Frauchen ging am Morgen in ein Büro und kam erst spät am Abend wieder zurück. Das war der Katze so recht, Hauptsache, sie durfte in ihrer Wohnung mit den weichen Teppichen und Polstermöbeln bleiben, denn Katzen hängen an ihrem Zuhause.

Eines Tages aber geschah etwas, dass sich ihre Katzenhaare sträubten. Ihr Frauchen steckte Minka in eine große Tasche und trug sie mit sich hinunter ins Auto. Minka miaute, Minka zeigte die Krallen, es half nichts. Minka schrie während der ganzen Fahrt, und die dauerte gehörig lange. Als sie ausstiegen, waren sie am Meer, und alles roch anders als daheim: Es roch nach Fisch und nach Tran und besonders nach fremden Katzen. Minka war so beleidigt, wie eine Katze nur beleidigt sein kann und kümmerte sich noch weniger um ihr Frauchen, obwohl dieses hier öfter bei ihr war als sonst.

Eines Tages lag sie in der Sonne auf dem Balkon, als Beppo vorbeikam. Beppo war der struppigste Kater, den Minka je gesehen hatte, aber er hatte einen großen Vorteil, er kannte sich hier aus. Er wusste vom Fischmarkt, wo sich immer Leckerbissen für eine Katze fanden. Er wusste, auf welcher Mauer die Sonne am besten wärmte, und zuletzt war Minka sehr traurig, als sie mit ihrem Frauchen wieder nach Hause musste. Sie musste oft an Beppo denken und tröstete sich erst, als sie zwei Katzenkinder bekam, die ihr Frauchen Beppo und Beppa nannte und die bei der Mutter bleiben durften. Denen erzählte sie nun von dem Fischmarkt und von der Sonne auf der Mauer und auch vom Meer, an dem man so schön träumen konnte, wenn seine Wellen gegen das Ufer schlugen.

»Aber so weiche Polster und Teppiche wie hier gibt es dort nicht«, sagte sie jedes Mal, wenn sie zum Ende ihrer Erzählung kam. Sie sagte es als Trost, weil ihre kleinen Katzenkinder gar so sehnsüchtige Augen bekamen. »Und Polster sind ja auch recht angenehm. Man kann schließlich nicht alles haben.«


Europa

Diese Geschichte finde ich sehr schön, sie erinnert mich an den Menschen und an sein Leben mit Erinnerungen. Es muss ja nicht immer "Beppo und Beppa" daraus entstehen ... :-)


Kommentare:

  1. Sehr schöne Geschichten, Margot.
    Sie gefallen mir sehr gut. Aber der Star ist die Katze....^^
    Das trifft es im Augenblick einfach zu gut...

    Liebe Grüße
    Sonja

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    1. Danke Sonja, die Geschichten gefallen mir auch, sehr sogar. :-) Ja du hast recht, der Star ist die Katze ... :-)
      Dir einen schönen Sonntag und liebe Grüße, Margot.

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  2. Hallo Margot,

    mir gefällt die Geschichte von Beppo und Minka heute sehr, schöne Erinnerungen sind auch etwas feines - man muss sie sich erhalten :)

    Liebe Grüße
    Björn :)

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    1. Ja Björn, da gebe ich dir, zu deinen Worten, uneingeschränkt recht.
      Erinnerungen können sehr schön sein. :-)

      Liebe Grüße, Margot.

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