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Samstag, 20. September 2014

Apfelernte

Der Tag fängt ohne Sonnenschein, aber auch ohne Regen an. Es sind viele Wolken am Himmel, der Wind treibt sie umher und ich verfolge dieses amüsante Spiel. Es lässt mich Lächeln, so komme ich auf den Dichter Hanns Freiherr von Gumppenberg (1866 - 1928), deutscher Dichter, von ihm kann man lesen: früh schon wegen »fahrlässiger Majestätsbeleidigung« zu zwei Monaten Festungshaft verurteilt, ließ er sich nicht abschrecken, 1901 bei der Gründung des Münchner Kabaretts »Die Elf Scharfrichter« mitzuwirken.

Mir gefällt er, wegen seines Humors ... nun es ist September und ich fange mit dem Gedicht Apfelernte an.




Apfelernte

Die ersten Äpfel fallen vom Wurm,
Die zweiten Äpfel, die fällt der Sturm,
Die dritten erntet man ein:
Welche mögen die besten wohl sein?

Die dritten natürlich! lacht jedermann:
Weil man nur die servieren kann!
Die schält sich dann
Respektvoll der Esser
Mit sorglichem Messer -
Doch Wurm und Sturm, 
die wissen es besser.

Hanns von Gumppenberg




Das alte Wirtshaus

Jüngst ging ich meinem Verlangen nach
In ein Bergnest, das einst mich freute:
Noch flirrten die Erlen, noch rauschte der Bach,
Noch grüßten mich freundliche Leute.

Doch den Platz, wo ich damals träumte und trank
In brausenden Jugendstunden:
Vorm alten Wirtshaus die alte Bank,
Die hab' ich nimmer gefunden.

Ein grellfunkelnagelneues Hotel
Stand breit an selbigem Orte:
Kein braunverwettertes Holzgestell,
Ein Gebäude patentester Sorte.

Wohl war mein Wirtshaus lediglich
Eine Einkehr für die Bagage -
Das neue, gottlob, das hält auf sich,
Und hat sogar Autogarage!

Es gibt dort auch Bols und deutschen Sekt
Und feinsten Aufschnitt, kalten -
Mir aber hätte viel besser geschmeckt
Ein Schwarzbrotkeil in dem alten,

Dazu eine Maß vom Bauernfaß
Aus dem Krug mit dem Glaskarfunkel -
Ich blieb nicht lange, ich schritt fürbaß,
Und der Abend war traurig und dunkel.

Hanns von Gumppenberg




Das Galgenlied
nach Heinrich Heine

Die Nacht ist trüb und trostlos,
Die Nacht ist schaurig und stumm;
Wir seufzen und ringen die Hände,
Und stolpern klagend herum.

Es spielt auf der Galgenwiese
Der gelbe Mondenglanz,
Dort knixen und hopsen die Geister
Im quirlenden Nebeltanz.

Feinsliebchen, wir wollen uns hängen,
So wie es der Liebe Brauch:
Und morgen Nacht, Feinsliebchen,
Da knixen und hopsen wir auch.

Hanns von Gumppenberg





Liebesjubel

Ich ritzt’ es gern in alle Rüben ein,
ich stampft’ es gern in jeden Pflasterstein,
ich biss’ es gern in jeden Apfel rot,
ich strich’ es gern auf jedes Butterbrot,
auf Wand, Tisch, Boden, Fenster möcht’ ich’s schreiben:
Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben!
Ich schör’ es gern in jede Taxusheck,
graviert’ es gern in jedes Essbesteck,
ich sät’ es gern als lecker grüne Saat
ins Gartenbeet mit Kohlkopf und Salat,
in alle Marzipane möcht’ ich’s drücken
und spicken gern in alle Hasenrücken
und zuckerzäh auf alle Torten treiben:
Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben!
Ich möcht’ mir ziehn ein junges Känguruh,
bis dass es spräch’ die Worte immerzu;
zehn junge Kälbchen sollen froh sie brüllen;
hell wiehern hundert buntgescheckte Füllen;
trompeten eine Elefantenherde - 
ja, was nur kreucht und fleucht auf dieser Erde,
das soll sie schmettern, pfeifen, quaken, bellen,
bis dass es dröhnt in allen Trommelfellen
mit einem Lärm, der gar nicht zu beschreiben

Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben!!!

Hanns von Gumppenberg




Herzlichst Margot

Kommentare:

  1. Diesen Dichter kannte ich noch nicht, aber seine Gedichte gefallen mir.
    Wünsche dir ein schönes Wochenende, Lore

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    1. Hallo Lore, durch eine Internet-Wanderung lernt man vieles kennen. :-)

      Wünsche dir auch ein wunderschönes Wochenende.
      Liebe Grüße, Margot.

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  2. Die Gedichte gefallen mir sehr. Der Herr von Gumppenberg findet sehr ungewöhnliche und humorbolle Bilder.

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    1. Danke Antje, ja dies finde ich auch. Werde mich ein bisschen mehr um diesen Herrn kümmern ...

      Liebe Grüße, Margot.

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  3. Hallo Margot,

    ich habe auch noch nie etwas von Hanns von Gumppenberg gehört - aber dichten konnte er wie sich gezeigt hat :)

    Erinnert mich irgendwie so an Wilhelm Busch - ich mag ja diese Art der Reime.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünsche ich Dir
    Björn :)

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    1. Hallo Björn, beim Suchen im Internet findet man so Einiges und Einige.
      Ja auch mir gefällt er und ich finde auch Ähnlichkeit mit Wilhelm Busch.
      Danke für deinen liebenswerten Kommentar.
      Liebe Grüße, Margot.

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  4. Der Herr gefällt mir auch so wie Herr Busch :-), vielleicht kannten sie sich ja, LG ClauDia.

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    1. Liebe Claudia, es freut mich, dass er dir gefällt. Vom Alter her wäre ein Treffen möglich gewesen.
      Danke und liebe Grüße, Margot.

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