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Dienstag, 23. September 2014

Die goldene Zeit

Gestern habe ich Gedichte vom Dichter Heinrich Seidel aufgeschrieben, sie haben mir sehr gefallen.  Weil ich ihn noch nicht so kenne, möchte ich heute noch einige Gedichte aufschreiben. Warum? Sein Schreibstil gefällt mir, auch wenn er nicht alles ins Lächerliche zieht, sondern seine Worte sind für mich lustig und anheimelnd. Dazu möchte ich noch einige Blumenfotos setzen, die ich heute fotografierte ... ach ja, geregnet hat es heute noch nicht.




Die goldene Zeit

Ihr Blumen auf Wiesen und Weiden,
Ihr Rosen in Hecken und Heiden,
Blühet und glühet – es naht schon die Zeit
Dass ihr vom sonnigen Tag müsst scheiden!

Du Nachtigall dort auf der Halde,
Ihr Vögel im Feld und im Walde,
Singet und klinget so lang es noch Zeit:
Verstummt zum Süden fliegt ihr balde!

Du Jüngling in lockigen Haaren,
Du Mädchen in blühenden Jahren,
Nutzet die Jugend, die goldene Zeit!
Wie bald wird sie von dannen fahren!

Heinrich Seidel




Umkehrung

Mein Freund, ein ganz besondrer Fall,
Dass sie Dich neckt, entdeckt sich.
Sie neckt Dich gern, und überall
Gilt: »Was sich liebt, daß neckt sich!«

Draus schliessest Du nun Knall und Fall,
Dass sie Dich liebt, ergibt sich.
Da fragt sich's doch, ob überall,
Das, was sich neckt, auch liebt sich?

Heinrich Seidel




Es war einmal

O fiele ein Stern hernieder,
Ein goldner, in meinen Schooss!
O stände in Blüthen wieder
Mein dunkles Lebensloos!

Rings um mich, nah und ferne
Steht Alles in Rosen und Laub –
Es fallen viel tausend Sterne –
Und werden alle zu Staub!

Heinrich Seidel




Das Ich

Ich lag zur Nacht vom Schlaf geflohn –
Die Mitternacht vorüber schon,
Es schlief die Welt – so stumm die Nacht
Nur im Gebälk der Holzwurm wacht.
Knirscht hier und dort mit ems'gem Nagen.
Von Zeit zu Zeit die Uhren schlagen,
Zuweilen rieselt von den Wänden,
Gelöst von unsichtbaren Händen
Der Kalkstaub nieder – Alles nur,
Dass man die Stille hört in der Natur.
Ich lag und sann, und über mich
Da kam's mit einmal sonderlich,
Dass ich des Ich's mir ward bewusst,
Und seltsam schnürt es meine Brust,
Und wie ein Wunder fiel's mir ein
Das sonderbare Ding: Zu sein.
Dass ich hier lag und dass ich war,
Gar seltsam schien es mir fürwahr,
Und dass ich mitten in die Welt
Nun grade so dahingestellt,
Dass mir auch nimmer blieb ein Schein,
Wie es denn sollte anders sein.
Mich fasst' es wie ein Grauen schier –
So stand ich gleichsam ausser mir,
Betrachtend das kuriose Ding,
Das als mein »Ich« auf Erden ging.
Ein Sieden wühlte mir durch's Hirn
Und fiebernd pochte mir die Stirn –
Ich sah mich an der Schwelle stehn,
Wo wir das grosse Dunkel sehn,
An jenem unerforschten Pfad,
Den Niemand lebend noch betrat.

Heinrich Seidel




Im Herbst

Was rauscht zu meinen Füssen so?
Es ist das falbe Laub vom Baum!
Wie stand er jüngst so blüthenfroh
Am Waldessaum!

Was ruft zu meinen Häuptern so?
Der Vogel ist's im Wanderflug,
Der noch vor kurzem sangesfroh
Zu Neste trug.

Mein ahnend Herz, was pochst du so?
Du fühlst den Pulsschlag der Natur,
Und dass verwehen wird also
Auch deine Spur!

Heinrich Seidel




Nun möchte ich diese Gedichte, die mir sehr gefallen, beenden. Ich habe schon einige Gedichte mehr aufgeschrieben und meine Hoffnung besteht, dass sie euch nicht langweilen.



Kommentare:

  1. Mir haben die Gedichte auch sehr gefallen, Margot.
    Und auch Deine Bilder dazu. Sehr schöne Fotos hast Du von Deinen Blüten gemacht.
    Das letzte gefällt mir ganz besonders!

    Liebe Grüße
    Sonja

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    1. Hallo Sonja es freut mich wirklich, dass dir die Gedichte gefallen. Sie sind für mich einmalig in ihrer Aussage und der Schreibstil gefällt mir.
      Ich freue mich auch sehr, dass dir meine Blüten-Fotos gefallen. :-) Hab vielen Dank. Wünsche dir einen schönen Tag. Liebe Grüße, Margot.

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  2. Hallo Margot,

    goldene Zeiten, der Herbst ist für mich irgendwie auch immer so eine Zeit der kleinen Wehmut, mag es am vergehenden Sommer liegen, ich kann es nicht sagen.

    Die Gedichte waren wie immer sehr schön gewählt und die Fotos lassen noch ein wenig den vergangenen Sommer in Erinnerung bleiben :)

    Liebe Grüße
    Björn :)

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    1. Hallo Björn, dein lieber Kommentar gefällt mir sehr. Und deine Worte über Gedichte und Fotos erfreuen mich ganz toll. Vielen Dank.

      Liebe Grüße, Margot.

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