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Freitag, 30. Januar 2015

Die Geschichte vom erhobenen Zeigefinger

Kann Wetter verrückt sein? Ja, sage ich, denn heute hat es geschneit in großen Flocken aber es blieb nichts liegen. Die Erde war zu warm und der Schnee taute gleich wieder. Zwei Stunden später schien die schönste Sonne und ich dachte, verrückt, was für Wetter-Kapriolen sind heute wieder angesagt und ich freute mich am Schneefall und an der Sonne.
Doch darüber wollte ich jetzt keine Abhandlung schreiben, sondern nur eine Kurzgeschichte erzählen ... 

Die Geschichte vom erhobenen Zeigefinger

Es war einmal ein großer, erhobener Zeigefinger, der sehr unzufrieden war mit seiner eigenen Situation: Überall bekamen die Menschen, denen er vorgehalten wurde, ernst Mienen, schauten ihn ehrfürchtig an und begannen zu grübeln. Nur ganz selten begegnete ihm ein freudiges Gesicht, und der Zeigefinger dachte dann jedes mal, alles sei gar nicht so schlimm. Doch es dauerte immer nur einen Augenblick, dann schauten ihn aus den fröhlichsten Augen betroffene Blicke an.
Dem erhobenen Zeigefinger gefiel das ganz und gar nicht, und so begann er,
den Menschen vorzuhalten, dass sie doch fröhlicher sein sollten, nicht immer so ernst und so verkrampft, nicht ganz so ehrfürchtig, dafür etwas erlöster. Und weil die Menschen, die ihm zuhörten, feststellten, wie wenig fröhlich sie waren, bekamen sie ein schlechtes Gewissen. Und wenn der Zeigefinger ihnen erzählte, dass sie doch an die anderen Menschen denken sollten und sie mit Fröhlichkeit und Freude anstecken sollten, schauten sie betroffen zu Boden.
Je mehr der erhobene Zeigefinger ihnen vorhielt, dass sie doch eigentlich ganz anders sein müssten, eben freudiger, desto mehr verloren sie die Reste an Freude, die noch in ihnen geblieben war.

Nach einiger Zeit gab der Zeigefinger auf. «Die Menschen sind nicht mehr zu ändern», murmelte er leise und hörte auf, ihnen ins Gewissen zu reden. «Vielleicht gibt es die Freude ja gar nicht mehr», dachte er betrübt.
Der nicht mehr so ganz erhobene Zeigefinger begann, seine Aufgabe zu vergessen und er bemerkte, dass er noch andere Fähigkeiten hatte, als sich zu erheben und Moralpredigten zu halten. Und um es einfach einmal auszuprobieren, tat er sich mit einigen anderen Fingern zusammen - insgesamt waren es zehn, glaube ich - und begann zu musizieren. Ganz ohne Absicht, nur aus Spaß an der Musik, ging er nun ganz in seiner neuen Aufgabe auf. Und als er gerade mal einen Augenblick Zeit hatte (sein Nachbar, der Mittelfinger, spielte soeben sein Solo), da bemerkte er viele aufmerksame Gesichter, die ihm zusahen und zuhörten.
Und - was er nicht erwartet hatte - auf den Gesichtern spielte das, was er immer gepredigt hatte: Die Freude.
«Also, so was!» pfiff der Zeigefinger und spielte vergnügt weiter.
A. Tobias

Nein, auch ich möchte keine Moralpredigerin sein, euch nur viel mehr Freude wünschen. Egal an was ihr Freude findet ...

Catharina Elisabeth »Aja« Goethe (1731 - 1808), die Mutter von Johann Wolfgang von Goethe sagte einmal:

"Es gibt doch viele Freuden in der Welt! Nur muß man sich aufs Suchen verstehen, – sie finden sich gewiß, – und das Kleinste nicht verschmähen. Wie viele Freuden werden zertreten, weil die Menschen meist nur in die Höhe gucken, und was zu ihren Füßen liegt, nicht achten."


Kommentare:

  1. Hallo Margot,

    die Zeigefinger-Geschichte gefällt mir, wie oft ist man selbst wie dieser Finger und merkt es gar nicht ;) Ich finde es immer wieder erstaunlich auf welche Geschichten man so kommt, toll :)

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünsche ich Dir
    Björn :)

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    1. Lieber Björn über deine Zeilen freue ich mich immer. Sie sind jedenfalls ständig positiv. Ich möchte mich bedanken. :-)

      Liebe Grüße, Margot.

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  2. Liebe Margot,
    ich bin froh, endlich wieder auf deinen Blog zu kommen und auch einen Kiommentar da lassen zu können.
    die Geschichte mit dem Zeigefinger finde ich toll.
    Liebe Grüße
    Irmi

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    1. Liebe Irmi, ich freue mich auch, dass bei dir jetzt alles wieder in Ordnung ist und auch, dass dir die Geschichte gefällt. Danke.

      Liebe Grüße, Margot.

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    2. Liebe Irmi, ich freue mich auch, dass bei dir jetzt alles wieder in Ordnung ist und auch, dass dir die Geschichte gefällt. Danke.

      Liebe Grüße, Margot.

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  3. Eine schöne Geschichte! Und es stimmt, erst die kleinen Freuden machen das Leben reicher und bunter. Um diese kleinen Freuden ein bisschen zu erhalten und auch weiterzugeben, halte ich die aus unserem Familienleben auf meinem Blog fest. Und auch das bereitet mir wieder kleine Freuden. Ich wünsche dir und allen Lesern ein Jahr voller Freuden! LG Astrid

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    1. Hallo Astrid, vielen Dank für deine Worte die Freude bringen. Danke auch für deine Wünsche an mich und den Lesern fürs Jahr 2015. Werde dein Blog aufnehmen und mal schauen. :-)
      Wünsche dir und deiner Familie ein schönes Wochenende.

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    2. Hallo Astrid, vielen Dank für deine Worte die Freude bringen. Danke auch für deine Wünsche an mich und den Lesern fürs Jahr 2015. Werde dein Blog aufnehmen und mal schauen. :-)
      Wünsche dir und deiner Familie ein schönes Wochenende.

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