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Donnerstag, 23. April 2015

Der Maulwurf hört in seinem Loch ...

Mein bester, böser Witz,
sagte Schröder:
 Hartz IV
Warum liebe ich lustige Gedichte, frage ich mich heute, weil ich gerne Lache oder Schmunzel, ist meine Antwort. Bei so einem schönen Wetter wie heute, wo die Sonne auf meinen Balkon kriecht, ganz besonders.

Was, du siehst und hörst mein Lachen nicht? Ach, es kann schon sein, ich habe es "unter Putz" gelegt ... damit Menschen, die nicht wissen was Lachen bedeutet, nicht gestört werden. Doch es gab und gibt sogar Dichter, die ihre Lebensfreude in Gedichten auslebten ... manche sind sehr kurz geraten, aber wahr.




Der Beamte

Er reibt sich die Hände: „Wir kriegen’s jetzt!
Auch der frechste Bursche spüret
Schon bis hinab in die Fingerspitz’,
Dass von oben er wird regieret.

Bei jeder Geburt ist künftig sofort
Der Antrag zu formulieren,
Dass die hohe Behörde dem lieben Kind

Gestatte zu existieren!“

Theodor Storm . 1817-1888



Der Adler und die Schnecke

Adler
Wie find’ ich dich, du träges Tier,
auf diesem Eichenwipfel hier?
Wie kamst du her? – So rede doch!

Schnecke
Je nun, ich kroch.

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Sein hohes Ehrenamt gewann

Nicht anders mancher Schneckenmann.

August Friedrich Ernst Langbein . 1757-1835



Im Kreise

Das eilende Schiff, es kommt durch die Wogen
Wie Sturmwind geflogen.
Mit Jubel verkünden der Stimmen gar viele:
Wir nahen dem Ziele!
Der Fährmann am Steuer nur stöhnet leise:
Wir segeln im Kreise! 

Marie Ebner-Eschenbach . 1830-1916


Alles in der Welt ...

Alles in der Welt lässt sich ertragen,
Nur nicht eine Reihe von schönen Tagen.

Johann Wolfgang von Goethe . 1749-1832


Genau besehn

Wenn man das zierlichste Näschen
Von seiner liebsten Braut
Durch ein Vergrößerungsgläschen
Näher beschaut,
Dann zeigen sich haarige Berge,
Dass einem graut.

Joachim Ringelnatz




Die schlimme Sorte

Eine Sorte von Menschen macht mich gleich verstummen,
Das sind die superklugen Dummen.
Da hilft nur das: Sie schweigend zu tragen
Oder sie einfach niederzuschlagen.

Heinrich Seidel . 1842-1906


Der Maulwurf hört in seinem Loch ...

Der Maulwurf hört in seinem Loch
Ein Lerchenlied erklingen,
Und spricht: Wie sinnlos ist es doch,
Zu fliegen und zu singen!

Emanuel Geibel . 1815-1884


Der Philosoph ohne Regenschirm

Es ist nicht alles schön auf dieser wunderschönen Welt,
Novemberstürme gibt es auch im Monat Mai.
Beschimpfe nicht den Regen, der auf dich herniederfällt,
bedenk: Der meiste Regen fällt an dir vorbei.

Fred Endrikat . 1890-1942


Freiheit ist wie ein starker Wein ...

Freiheit ist wie ein starker Wein;
Dem Manne wird sie stets gedeihn;
Aber ihr zecht und schreit wie Knaben,
Ihr werdet morgen Kopfweh haben.

Emanuel Geibel . 1815-1884




Dummheit

Wer nur der Weisheit nachgespürt, den halt ich noch für keinen Mann:
Doch, wer die Dummheit ausstudiert, den seh ich für was Rechtes an!
Der Weisen Tun errät man leicht: man sieht da noch wann, wie, warum;
Bei Dummen kuckt man sich umsonst nach allen diesen Sachen um.
Der Dummheit Weg ist wunderbar: Niemals erkennet man den Grund
Und, fänd ihn einer richtig aus, so tät er aller Funde Fund!
Denn Dummheit ist die größte Macht, sie führt Heere stärkstes an;
Ich glaube, dass sie nie ein Held bekämpfen und besiegen kann.

August Kopisch . 1791-1853


Nun möchte ich die ganz kurzen Gedichte beenden, nicht ohne dieses Gedicht,  was schon vor ca. 200 Jahre geschrieben wurde, aufzuschreiben. 




Missdeutung

A.
Der Bundestag hat wie ein Leu gebrüllt.
Seid ihr von Grausen, Deutsche, nicht erfüllt?
Macht euch gefasst auf unerhörte Dinge!
Er geht umher und sucht, wen er verschlinge.

B.
Nicht doch! Es war kein Brüllen, wie ihr wähnt.
Der Bundestag hat nur sehr laut gegähnt;
Denn auf der Bärenhaut der Protokolle
Sich wälzend, spielt er schlafend seine Rolle.

August Wilhelm Schlegel . 1767-1845



Kommentare:

  1. Sie besitzen ja ein riesige Schatztruhe, liebe Margot! Köstlich!
    Irgendwie scheint auch der Zufall Ihrer Auswahl zuweilen mit meinen Gedanken parallel zu verlaufen, wie ich schon vorige Woche feststellen konnte.
    Und wenn es nicht zu vermessen erscheint - mir gefallen besonders Theodor Storms Gedichte - darf ich einen Vers, der mir die vergangene Nacht einfiel, zum Besten geben?
    Zweierlei ist für die Katz' in der

    Umschreibung eines Spruchs

    Gurrt auf dem Dach ein Spatz?
    Die Taube in des Menschen Hand
    Höchst selten findet ihren Platz.
    Der Spruch, nicht so bekannt,
    Scheint also für die Katz‘?

    Die selbige hingegen
    Kriegt Appetit und schnurrt.
    Der Menschenhand verwegen
    Entfleucht die Taube, gurrt:
    »Ich bin nicht für die Mägen.«

    Der Spatz inzwischen, keck,
    Flog unerreichbar fort
    Auch für die Katz. Ein Fleck
    Verbleibt, erfüllt von Menschenwort:
    »Verdammter Taubendreck!«

    Herzlich grüßend
    Ihr
    E.Rasmus

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    1. Lieber E. Rasmus haben sie vielen Dank für den schönen Vers. Er, der Vers, gefällt mir sehr gut und ich werde, da ich Ihre Genehmigung habe, ihn und die anderen Verse in einen meiner nächsten Beiträge einbauen. Noch einmal ein herzliches Dankeschön.
      Wünsche Ihnen einen wunderschönen Tag. Herzliche Grüße, Margot.

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  2. Hallo Margot,

    mir gefällt das Gedicht mit der Schnecke besonders, es ist so einfach und doch ist mit wenigen Worten alles gesagt :)

    Bei uns ist heute noch Sommer im Frühjahr, mal schauen wie lange.

    Liebe Grüße aus dem sommerlichen Odenwald
    Björn :-)

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    1. Hallo Björn, ja so ist es, wie du schreibst und ich sehe viele Politiker in dieser Schneckenposition. Nach unten treten, nach oben Kratzen. :-)

      Bei uns ist das Wetter auch wunderschön, es kann so bleiben. Herzliche Grüße, Margot.

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