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Montag, 4. Mai 2015

Die üble Nachrede


Heute, ein Tag ohne Sonne, lässt mich nachdenklich werden. Viele Geschichten habe ich bisher aufgeschrieben und möchte es auch heute machen. Es sind Kurzgeschichten, die zur Nachdenklichkeit anregen und, dies kann man bei trübem Wetter am besten, nachdenklich werden. 


Ein besonderes Geschenk

Eine weise Frau reiste durch die Berge. Eines Tages fand sie dort in einem Bachlauf einen sehr, sehr wertvollen Stein.

Am nächsten Tag traf sie einen anderen Wanderer. Der Mann war hungrig und die weise Frau öffnete ihre Tasche, um mit ihm ihr Brot zu teilen. Der Wanderer sah den wundervollen Stein in der Tasche.

“Gib mir den Stein” sagte er.

Die Frau reichte dem Mann ohne jedes Zögern den Stein. Der machte sich schnell davon, denn ihm war klar, dass der Stein sehr, sehr wertvoll war und dass er nun den Rest seines Lebens sorgenfrei verbringen konnte.

Einige Tage später kam der Mann jedoch zurück zu der weisen Frau und gab ihr den Stein wieder.

“Ich habe nachgedacht.” sagte er. “Ich weiß, wie wertvoll dieser Stein ist. Aber ich gebe ihn dir zurück. Das tue ich in der Hoffnung, dass du mir etwas viel Wertvolleres dafür schenken kannst. Bitte gib mir etwas von dem, was es dir möglich machte, mir diesen Stein zu schenken.”
Autor unbekannt

Die üble Nachrede

Ein Nachbar hatte über Künzelmann schlecht geredet und die Gerüchte waren bis zu Künzelmann gekommen. Künzelmann stellte den Nachbarn zur Rede.

“Ich werde es bestimmt nicht wieder tun”, versprach der Nachbar. “Ich nehme alles zurück, was ich über Sie erzählt habe”.

Künzelmann sah den anderen ernst an. “Ich habe keinen Grund, Ihnen nicht zu verzeihen” erwiderte er. “Jedoch verlangt jede böse Tat ihre Sühne.”

“Ich bin gerne zu allem bereit.” sagte der Nachbar zerknirscht.

Künzelmann erhob sich, ging ins sein Schlafzimmer und kam mit einem großen Kopfkissen zurück.

“Tragen Sie dieses Kissen in Ihr Haus, das hundert Schritte von meinem entfernt steht.” sagte er.

“Dann schneiden Sie ein Loch in das Kissen und kommen wieder zurück, indem Sie unterwegs immer eine Feder nach rechts, eine Feder nach links werfen. Dies ist der Sühne erster Teil.”

Der Nachbar tat, wie ihm geheißen. Als er wieder vor Künzelmann stand und ihm die leere Kissenhülle überreichte, fragte er: “Und der zweite Teil meiner Buße?”

“Gehen jetzt wieder den Weg zu Ihrem Haus zurück und sammeln Sie alle Federn wieder ein.”
Der Nachbar stammelte verwirrt: “Ich kann doch unmöglich all die Federn wieder einsammeln! Ich streute sie wahllos aus, warf eine hierhin und eine dorthin. Inzwischen hat der Wind sie in alle Himmelsrichtungen getragen. Wie könnte ich sie alle wieder einfangen?”

Künzelmann nickte ernst: “Das wollte ich hören! Genau so ist es mit der üblen Nachrede und den Verleumdungen. Einmal ausgestreut, laufen sie durch alle Winde, wir wissen nicht wohin. Wie kann man sie also einfach wieder zurücknehmen?”
Aus dem Fastenkalender

Ja, so ist es, wenn man eine üble Nachrede startet und, wenn man diesen Weg gehen müsste, würde es sich so mancher Mensch überlegen, solche Nachreden in die Welt zu streuen. 




Kommentare:

  1. Deine Geschichten sind wie immer sehr treffend. Die letzte Geschichte gefällt mir am Besten. Ein unbedachtes Wort oder eine üble Nachrede kann viel Schaden anrichten , den man nicht wieder gut machen kann. Man sollte sich seinen Teil denken, denn wenn man seine Gedanken für sich behält, kann man keinen Schaden anrichten. Nur Gutes über seine Mitmenschen zu denken und zu sagen ist allerdings das Allerbeste.
    LG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid deine Worte sind gut gewählt, ja es ist so, wie du schreibst. Einmal ein falsches Wort gewählt und du kannst es nicht mehr zurückholen. Da ist es wirklich besser zu schweigen oder nur Gutes über seine Menschen zu erzählen. Herzliche Grüße, Margot.

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  2. Liebe Margot,
    zwei nachdenkenswerte Geschichten.
    Man sollte sich zweimal überlegen, ob man über einen
    anderen Menschen sschlecht spricht. Es ist schon schlimm,
    wenn man Unrecht tut.
    Ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche
    Irmi

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    1. Liebe Irmi,
      Unrecht empfinde ich auch als ein großes Übel, es kann sehr schmerzhaft sein. Genauso über einen anderen Menschen schlecht sprechen.
      Ich wünsche dem Anderen immer nur gute Gedanken ... und ein gutes Leben.
      Dir wünsche ich auch eine schöne Woche und habe mich über deinen Artikel, Trenchcoat, sehr gefreut. In jungen Jahren habe ich selbst einen gehabt. Herzliche Grüße, Margot.

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  3. Hallo Margot,

    oh ja, die Üble Nachrede ist leider sehr weitläufig geläufig, aber ich darf mich da nicht ausnehmen, Asche auf mein Haupt. Sicherlich ist sie uns allen irgendwann untergekommen, gewollt oder nicht. Aber manche sind wahre Meister darin, leider.

    Liebe Grüße
    Björn :-)

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    1. Hallo Björn, ich rede nicht gerne über andere Menschen und wenn, nur Gutes. Deshalb bin ich noch nicht in diese Falle, Nachrede, getappt. Jedenfalls glaube ich es ... :-)
      Liebe Grüße, Margot.

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