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Donnerstag, 16. Juli 2015

Eine merkwürdige Begegnung

Es ist eine Geschichte, die ich als komisch aber wahr empfinde, denn auch ich rede nicht oft. Nur werde ich nicht auf der Straße meinen Mund aufmachen, um zu tun, als ob ich rede. Meine Gedanken sind schneller als mein Mund, so kontrolliere ich vorher meine Gedanken, bevor ich sie ausspreche. Mit Reden Menschen langweilen, möchte ich auch nicht. Als junger Mensch habe ich oft geschwiegen und nur zugehört, wenn sich andere Menschen unterhielten. Außerdem habe ich sehr viel gelesen, es hat mir geholfen, meine eigenen Worte zu finden ... und eine anständige Rede und Gespräch.


Eine merkwürdige Begegnung
van Geoffrey


Eines Tages kam ich an einem Felsen vorbei, auf welchem ein Mann saß, der nur stumm dasaß. Hin und wieder schien er lautlos mit dem Mund Worte zu formen. Erstaunt blickte ich dem seltsamen Treiben eine Zeit lang zu und fragte den anderen nach einer Weile schließlich, was er hier tue, und ob er nicht einer vernünftigen Beschäftigung nachgehen wolle. Der andere entgegnete:

"Ich übe mich in der Rede. Aber ich spreche eigentlich selten, denn als ich mich erstmals zur Rede vorbereitet habe, erkannte ich, dass es zuvor notwendig ist, gutes Denken zu üben. Denn ehe man sein Wort an die Mitmenschen richtet, sollte man sich von allem befreien, was gutes Reden trübt. So ist es nicht gut, sich selber einen höheren Wert zu geben, als den Mitmenschen. Frei sollte man vor allem von Furcht sein, von Gier, von Anmaßung, Neid oder gar Mißgunst. Als ich nun in meinen Vorbereitungen, gut zu denken, fortschritt, erkannte ich immer mehr dieser schädlichen Eigenschaften in mir und so wurde mir immer deutlicher, wie notwendig ich es habe, mich von diesen zu befreien, ehe ich 
... mit solchen Gedanken, kann man kein Gespräch
führen.
auch nur ein Wort zu einem Menschen spreche. Weit davon entfernt, meine Worte zu überdenken, sah ich mich genötigt, mich zuerst im guten Denken zu üben. Denn meine Worte sollen doch mir selber und meinen Mitmenschen nutzen. Leicht könnten sie aber Schaden stiften, wenn ich unbedacht spräche. Zuerst also will ich gut und in rechter Weise denken, denn aus dem folgt die gute Rede. Jetzt spreche ich zu dir mit allen guten Absichten, deren ich fähig bin. Und da nun alles Notwendige gesagt ist, und ich auch das unnütze Vielreden meiden will, schließe ich nun den Mund und schweige wieder, bis wieder eine Notwendigkeit meine Rede erfordert. Bis dahin wünsche ich dir einen guten Tag."
Damit schwieg der merkwürdige Mann wieder, und setzte in seiner Tätigkeit, lautlose Worte mit den Lippen zu formen, fort. So ging ich wieder meiner Wege weil nun wirklich alles Notwendige gesagt schien. Ich sann noch lange darüber, wie selten wir doch alle unsere Rede bedenken und wie oft die Stimme des Menschen in unbedachter Weise gebraucht werde.


Herzlichst Margot.

Kommentare:

  1. Sehr treffend ausgewählt, liebe Margot! Ist nicht aber auch Reden oft wie Geld, wovon immer mehr gedruckt wird, ohne daß dahinter Inhalt steckt? Besonders für die Politiker, -innen wäre es ein Vergleich im Sinne des Sprichwortes: "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold." Man stelle sich vor, ob im Bundestag oder bei den hysterischen Runden mit den Griechen, sie schweigend zu sehen. Es wäre weniger Toilettenpapier produziert worden, das den Griechen als Geld verkauft wird. Ich frage mich, zu welchem Zweck die griechische Bevölkerung mehrheitlich mit NEIN abgestimmt hat, wenn sie jetzt doch angeschmiert wird, wie wir ebenso? Sie sollten alle schweigen, die uns Demokratie vorgaukeln und nur um die Herrschaft des Geldes bedacht sind. Und das kennt weder Moral noch Lebenssinn in seiner von Neid, Gier und Arroganz getragenen Heuchelei.
    Hochmut kommt vor dem Fall - oder

    Vor dem Knall

    Fremdheit begegnet mir täglich neu:
    Die Luft, der Weg, die Sonne, das Haus.
    Sogar auch die Sprache empfind ich wie Spreu,
    Gesprochen, geschrieben, in nichts mehr treu,
    Gesteigert zum Niedrigen, spendend Applaus.

    In Feindseligkeiten mit höhnischem Zug
    Weckt mich des Morgens ein Worteschwall.
    Werbungsverblödung, Nachrichtenspuk
    Vergiften den Äther, den Geist. Nicht genug:
    Wir fristen das Leben im freien Fall.

    (2011)

    Aua!

    Dennoch einen schönen Donnerstag Ihnen!

    E.Rasmus

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    1. Guten Morgen lieber E.Rasmus,
      vielen Dank für die guten Worte. Wenn ich ihren Inhalt betrachte, stelle ich fest, es gibt keine ehrliche Politik. Griechenland zeigt es am deutlichsten, die Politik ist so verlogen, dass man nur heulen könnte.
      Wünsche Ihnen nur schöne Tage, einschließlich Wochenende. Liebe Grüße, Margot.

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  2. Liebe Maargot,
    eine tolle Geschichte. Da ich allein bin, habe ich naturgemäß selten jemanden mit dem ich reden kann. Aber bislang rede ich auch noch nicht mit mir selbst. Da lasse
    ich lieber die Gedanken fliegen.
    Einen schönen Tag wünscht Dir
    Irmi

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    1. Liebe Irmi,
      vielen Dank, wie dir, geht es auch mir, ich lasse die Gedanken fliegen. Ich werde nur laut, wenn ich auf mich schimpfe. :-)
      Wünsche auch dir einen schönen Tag, mit vielen schönen Gedanken.
      Liebe Grüße, Margot.

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  3. Das nenne ich mal Selbstzensur :)
    Klar, können unbedachte Worte auch kränken und missverstanden werden, aber Worte können auch viel Gutes bewirken.
    LG Eva

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    1. Liebe Eva,
      ich möchte nur Worte wählen, die Gutes bewirken. Trotzdem kommen einige Worte aus meinem Mund, die missverstanden werden, was ich bestimmt nicht möchte.
      Einen schönen Tag, vielen Dank. Herzlichst Margot.

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    2. Liebe Margot,
      deine Geschichte erinnert mich an meinen ehemaligen Französischlehrer. Er meinte immer, wir sollten erst überlegen, dann gedanklich in den Papierkorb werfen, noch einmal überlegen und erst dann sprechen.
      LG
      Astrid

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    3. Liebe Astrid,
      dein Französischlehrer hatte wohl recht. Manchmal reden wir einfach nur so dahin, ohne den Inhalt des Gesprächs wahrzunehmen. Vielen Dank.
      Einen schönen Tag und liebe Grüße, Margot.

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