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Freitag, 24. Juli 2015

Ich will ein Garten sein ...

Der Tag beginnt mit Wolken, Wärme und Gewitter-Geräuschen. Nein, regnen tut es noch nicht, aber es kann ja noch kommen. Ich muss an Äpfel denken, die ich gestern gekauft habe und an Apfelblüten, die Max Dauthendey beschrieben hat. Apfelblüten und Gedicht, gefallen mir ...




Zerblättern die Apfelblüten

Wie kleines feines Papier zerblättern die Apfelblüten,
Schier ein Atemhauch entführt sie Dir,
Kannst sie mit keiner Hand vorsichtig hüten.

Sind wie ein rosiger Hauch, der über Nacht entstand,
Und sie entschweben auch, eh Du's gedacht;
Haben glückliche Augenblicke in die Leere gebracht.

Sind wie Liebessekunden flüchtig entschwunden.
Waren in Gedanken unendlich groß, regnen zur Erde lautlos
Und liegen Dir wie Blättlein Papier unscheinbar im Schoß.


Max Dauthendey
1867-1918




Wie die Nelken duftig atmen! 

Wie die Nelken duftig atmen! 
Wie die Sterne, ein Gewimmel 
Goldner Bienen, ängstlich
schimmern 
An dem veilchenblauen Himmel!

Aus dem Dunkel der Kastanien 
Glänzt das Landhaus, weiß und
lüstern, 
Und ich hör die Glastür klirren 
Und die liebe Stimme flüstern.

Holdes Zittern, süßes Beben, 
Furchtsam zärtliches Umschlingen 
Und die jungen Rosen lauschen, 
Und die Nachtigallen singen.


Heinrich Heine
1797-1856




Ich will ein Garten sein

Ich will ein Garten sein, an dessen Brunnen 
die vielen Träume neue Blumen brächen, 
die einen abgesondert und versonnen, 
und die geeint in schweigsamen Gesprächen.

Und wo sie schreiten, über ihren Häuptern 
will ich mit Worten wie mit Wipfeln rauschen, 
und wo sie ruhen, will ich den Betäubten 
mit meinem Schweigen in den Schlummer lauschen


Rainer Maria Rilke
1875-1926




Das Liebesgedicht

Auf lose Blätter verteilt, 
meine Gedanken und Gefühle. 
Romantische Phantasien 
zwischen Wachen und Träumen. 
Du hast sie eingesammelt 
und ein zartes Seidenband darumgelegt; 
und sie schmolzen zusammen 
zu einem einzigen Liebesgedicht.

Annegret Kronenberg




Kommentare:

  1. Guten Morgen Margot,
    ja, die Apfelblüten sind wunderschön. Wir nehmen immer alles so selbstverständlich hin, so dass wir die Schönheit dieser kleinen Dinge gar nicht mehr bewusst wahrnehmen.
    Danke für die schönen Gedichte.
    Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
    LG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, ja so ist es, wie du es beschreibst. Wir nehmen alles als Selbstverständlichkeit an, es ist traurig aber wahr. Mir ist es mit einem Magnolienbaum so gegangen. Erst auf einem zweiten Blick, habe ich die Schönheit erkannt.
      Danke und einen schönen Tag. Liebe Grüße, Margot.

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  2. Hallo Margot,

    so schöne Gärten und blühende Blumen sind schon etwas ganz feines.
    Ich versuche mir, auch für´s Fotografieren, immer wieder klitzekleine Auszeiten zu nehmen um mich mit Details am Wegesrand zu befassen - es lohnt sich :)

    Schönes Wochenende und
    Liebe Grüße
    Björn :)

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    1. Du sagst es, lieber Björn, Auszeiten für Details am Wegesrand, sind einfach wunderbar. Sie zeigen uns, bekannte und unbekannte Schönheiten.

      Danke und ein schönes Wochenende wünsche ich dir, herzlichst Margot.

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