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Freitag, 28. August 2015

Sommerlied


Heute habe ich sehr viele verblühte Blumen von meinen Balkonkästen abgeknipst, aber die nächsten Knospen warten schon darauf zu blühen, es ist Sommerhalbzeit. Es ist gut so, die Sonne brennt nicht mehr so heiß und ich muss nicht mehr stöhnen. Solche Worte oder Ähnliche wie bei Emanuel Geibel im Gedicht, habe ich bei der großen Hitze gedacht ...


Hochsommer

Von des Sonnengotts Geschossen
Liegen Wald und Flur versengt,
Drüber, wie aus Stahl gegossen,
Wolkenlose Bläue hängt.

In der glutgeborstnen Erde
Stirbt das Saatkorn, durstig ächzt
Am versiegten Bach die Herde,
Und der Hirsch im Forste lechzt.

Kein Gesang mehr in den Zweigen!
Keine Lilie mehr am Rain! –
O wann wirst du niedersteigen,
Donnerer, wir harren dein.

Komm, o komm in Wetterschlägen!
Deine Braut vergeht vor Weh –
Komm herab im goldnen Regen
Zur verschmachtenden Danae!

Emanuel Geibel





Sommerlied

O Sommerfrühe blau und hold! 
Es trieft der Wald von Sonnengold, 
In Blumen steht die Wiese; 
Die Rosen blühen rot und weiß 
Und durch die Felder wandelt leis' 
Ein Hauch vom Paradiese. 
Die ganze Welt ist Glanz und Freud, 
Und bist du jung, so liebe heut 
Und Rosen brich mit Wonnen! 
Und wardst du alt, vergiß der Pein 
Und lerne dich am Wiederschein 
Des Glücks der Jugendsonnen.

Emanuel Geibel

Nun kann ich noch zwei lustige Gedichte dazu schreiben, um meine Sinne zu frohlocken. 



Die Stärke des Weins

Wein ist stärker als das Wasser:
Dies gestehn auch seine Hasser.
Wasser reißt wohl Eichen um,
Und hat Häuser umgerissen:
Und ihr wundert euch darum,
Dass der Wein mich umgerissen?

Gotthold Ephraim Lessing






Der Sperling und das Känguru

In seinem Zaun das Känguru
es hockt und guckt dem Sperling zu.

Der Sperling sitzt auf dem Gebäude
doch ohne sonderliche Freude.

Vielmehr, er fühlt, den Kopf geduckt,
wie ihn das Känguru beguckt.

Der Sperling sträubt den Federflaus
die Sache ist auch gar zu kraus.

Ihm ist, als ob er kaum noch säße
Wenn nun das Känguru ihn fräße?!

Doch dieses dreht nach einer Stunde
den Kopf aus irgend einem Grunde,

vielleicht auch ohne tiefern Sinn,
nach einer andern Richtung hin.

Christian Morgenstern




Kommentare:

  1. Liebe Margot, da hast Du wieder feine Gedichte für uns heraus gesucht. Sie gefallen mir sehr. Nur das mit der Sommer-Halbzeit, das bräuchte für mich nicht sein. Der Herbst soll ruhig kommen und bitte nicht so warm, LG ClauDia.

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    1. Liebe Claudia, vielen Dank für deine lieben Worte. Der Herbst, der schon vor der Tür steht, kann ruhig kommen aber ohne Hitze. :-) Wünsche dir für heute, einen herrlichen Tag.
      Ganz liebe Grüße, Margot.

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