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Samstag, 24. Oktober 2015

Hans und Lisa - das Gänsepaar

Es ist die vorletzte Oktoberwoche, die Sonne scheint und erinnert mich nicht daran, dass es mächtig auf Weihnachten zugeht. Die Geschichte die ich erzählen möchte, erinnert mich aber an diese Festtage, weil es sich um Gänse handelt ...

Hans und Lisa - das Gänsepaar

An einem schönen, warmen Sommertag saßen meine Freundin und ich im Garten und sonnten uns. Diese Stille – wunderbar! Wir mussten wohl kurz eingenickt sein, als uns plötzlich ein fürchterliches Geschnatter hochschrecken ließ. Klare Lage: Da stimmt was nicht. Schon von weitem sahen wir die Hausgänse Hans und Lisa in voller Größe und feindlicher Haltung am Gartentor stehen. Ihr – Wä – Wä – Wä war markerschütternd. Sie wollten das Haus bewachen. Ein älteres Paar stand vor dem Haus und bewunderte offensichtlich nur die schönen, bunten Blumen im Vorgarten. Verschreckt durch das Geschnatter gingen die beiden weiter. Wir nahmen uns die beiden "Hausbewohner" vor und wandten uns zunächst an Hans, den Ganter. "Also, mein Lieber, so geht das nicht! Du bist hier zwar der Platzhirsch, aber heute hast du die Situation falsch eingeschätzt." "Ja, ja, guck uns nur mit deinen schönen, wasserblauen Augen an. Das beeindruckt uns jetzt überhaupt nicht." Du musstest nicht der Mythologie einer griechischen Sage folgen, in der geschrieben steht, dass deine Vorfahren,
einst eine ganze Stadt vor feindlicher Belagerung gerettet haben. Hans antwortete nur mit seinem Wä – Wä – Wä.
Meine Freundin meinte: "Und du Lisa, hast es ja im Prinzip richtig gemacht, denn ihr beide seid viel besser als der schärfste Wachhund. Ihr besitzt die Fähigkeit, eine Gefahr viel eher zu erkennen. Heute habt ihr euch allerdings geirrt." Lisa sah uns nur neugierig an, als wollte sie fragen: "Kommt noch was?" Dann schaute sie beleidigt zur Seite. "Ach Lisa, wir wollten dich doch nur loben und bewundern, dass du immer so treu hinter deinem Gatterich hinterher watschelst, oder bei Fuß bist. Du hast es ja nicht leicht, denn du darfst beim Fressen nur an zweiter Stelle antreten. Die Aggression von Hans ist wohl bekannt, wenn er dich oft plötzlich heftig am Kopf packt."
Hans sah jetzt mit einem frechen, feindseligen Blick zu uns hoch, als wollte er sagen: "Ich muss doch schließlich meine Frau bewachen und für Ordnung sorgen. Bin ich nicht ein nützliches Tier?"
"Bist du, Hans, bist du." Sein Wä-Wä-Wä klang nun leiser. Ob er die Worte verstanden hat? Jedenfalls watschelt er zufrieden an die Wasserstelle. Und Lisa sofort hinterher, denn beide trinken sehr gerne Wasser. Im Essen sind sie sehr bescheiden, eben Allesfresser. "Ihr könntet euch mal wieder waschen", meinten wir. "Nötig wäre das schon." Auch das müssen die beiden wohl verstanden haben, denn nun ging es zum Baden. Da soll noch einer von "Dummen Gänsen" reden.
Meine Freundin und ich waren gottlob außer Reichweite, denn Flügelschläge, ob beabsichtigt oder in Drohgebärde, sind äußerst schmerzhaft. Auch das Herumdrehen und Weggehen ersparen wir uns jetzt, denn Hans und Lisa  
würden sich im Schweinsgalopp an unsere Fersen heften, und eine Fleischwunde in den Waden wäre vorprogrammiert. Im gelben Schnabel der schönen Tiere befindet sich in der Zahnanordnung eine Reihe von kleinen Sägen, die ziemlich scharf sind. Hier ein Tipp für Unkundige: Begegnung mit Gänsen bitte immer nur von vorn. Trotz allem wünschen wir den Hausgänsen Hans und Lisa, dass sie mindestens zwanzig Jahre alt werden, denn Weihnachtsgänse und Gänsedaunen waren für uns nie ein Thema.


Rita Maas
Zeichnung: Klaus Pfauter




Kommentare:

  1. Liebe Margot,
    Deine Geschichte hat mich an die Martinsgans erinnert und an den Heiligen Martin von Tours. Er hatte sich ja in einem Gänsestall versteckt, weil er sich nicht würdig befand, zum Bischof gewählt zu werden. Die schnatternden Gänse haben ihn aber verraten.
    LG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, am 10. November ist ja Martinstag, da findet ein großer Lampion-Umzug in Erfurt statt, besser gesagt, alles versammelt sich auf den Erfurter Domplatz mit Lampions. Es sieht immer toll aus. Danke für deine kleine Geschichte mit den Gänsen, ich habe sie noch nicht gekannt.
      Ein schönes Wochenende wünsche ich dir, liebe Grüße, Margot.

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