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Samstag, 5. Dezember 2015

Ali und der König

Die Temperatur liegt heute bei 6° und nicht bei 15°, wie angekündigt, es regnet, der Wind weht leicht und leise. Es ist ein eigenartiges Gefühl von Winter und ich kämpfe gegen Müdigkeit an, dabei denke ich an meine Kindheit ...


Advent der Kinderzeit

Wenn Kinder Schneemänner und Eiszapfen zählen
und sich Erwachsene mit der Schneeschaufel quälen,
wenn die Kinder beim „Brief ans Christkind“ sitzen,
während die Großen über dem Einkaufszettel schwitzen,
wenn Kinder Lieder singen und Kekse essen –
und wir uns mit Geschenkeinkäufen stressen,
wenn Kinderaugen voll Vorfreude strahlen –
und wir uns winden in der Hektik Qualen,
wenn wir geben der Weihnachtszeit am Stress die Schuld,
während Kinder auf’s Christkind warten - voll Ungeduld,
wenn die Großen die Hektik zu Weihnacht verfluchen,
währen Kinder nach Rentierspuren und Engelshaar suchen, 
wenn die Kleinen sich freuen auf all die Geschenke,
während ich oft schon an den Umtausch denke –
dann wünsch ich, er wär’ nicht schon weg so weit –
mein wunderbarer Advent der Kinderzeit!

© 2012 Adventsgedichte.org (Tim Seeger GmbH)

In dieser Zeit meiner Kindheit, habe ich auch schon gerne Geschichten und Gedichte gelesen und mich daran erfreut ... so eine Geschichte, wie die Nachfolgende mit Ali und der König, hätte ich auch gerne als Kind gelesen ... 

Ali und der König


Einmal wurde Ali vom König gefragt: "Kannst du in einer kalten Dezember- oder Januarnacht und ohne Feuer eine Nacht im Freien verbringen? Wenn du es schaffst, erhältst du ein königliches Geschenk." Ali behauptete, es zu können. Er ging und verbrachte die ganze Nacht ohne Kleidung auf einer Bergspitze, bis er wegen der eisigen Kälte fast erfroren wäre. Am anderen Tag kam er zum König und sagte: "O König der Zeiten, ich verbrachte die letzte Nacht im Freien, ohne Kleidung und ohne Feuer, wie du es mir gesagt hast." "Hast du durchaus kein Feuer gesehen?" fragte der König. "Nein", erwiderte Ali, "nur ein winziges Fünkchen in weiter Ferne." Da sprach der König: "Also hast du dich doch gewärmt, Ali!" "Ich soll mich daran gewärmt haben?" fragte der ungläubig. Doch der König blieb dabei und gab ihm kein königliches Geschenk.

Das will ich dir heimzahlen, dachte Ali bei sich zu Hause. Er wartete, bis diese Begebenheit vergessen war, um dann zurückzuschlagen. Eines Tages lud er den König und seine Minister zu einem Essen im Freien ein. Sie freuten sich und nahmen die Einladung an. Als sie zu ihm kamen, ließ er sie in seiner Gartenlaube Platz nehmen. Er nahm seine Töpfe und das Essen und ging weiter weg in den Garten hinein, wo er den Blicken des Königs verborgen war. Er legte am Boden ein Feuer an, und der Rauch stieg zum Himmel empor, so dass die Gäste glaubten, Ali sei mit dem Kochen beschäftigt.

Die Mittagszeit ging vorüber, und der König rief: "Wo bleibt das Mittagessen, Ali?" "Ich bin am Kochen, König der Zeiten, die Fertigstellung ist Sache des Feuers", gab der zur Antwort. "Beeil dich, wir sind hungrig!" befahl der König. Und Ali wiederholte: "Es hängt vom Feuer ab."

Sie warteten eine Stunde, zwei Stunden, und der Hunger drückte sie. Da sagte der König zu seinen Ministern: "Steht auf und lasst uns sehen, was dieser Ali macht!" Sie gingen hinüber und fanden die Töpfe in den Ästen eines Baumes hängen, während Ali seelenruhig am Feuer saß. Als der König das sah, sprach er verwundert: "Wie, die Töpfe hängen im Baum, und das Feuer ist auf der Erde? Wie sollen denn da die Speisen warm werden?" Ali entgegnete: "So wie ich warm geworden bin, als ich nachts in der Ferne ein Fünkchen sah! Die Töpfe sind nicht weit vom Feuer entfernt, nur eine Manneslänge, während ich in zwei Stunden Entfernung ein Fünklein wahrnahm." Da merkte der König den Witz und lachte. Er sagte: "Lass gut sein, Ali. Setz die Töpfe jetzt aufs Feuer."

Nun vollendete Ali das Essen, und sie speisten zusammen, und danach gab der König Ali das Geschenk, das er ihm versprochen hatte.


Kommentare:

  1. Liebe Margot,
    dieses Gedicht ist herrlich. Es erinnert so schön an die Kindheit und stellt die Erwachsenenwelt gegenüber. Ja, Kinder können sich an den einfachen Dingen erfreuen und sie nehmen, wie sie sind. Wir Erwachsenen gestalten daraus Hektik und Stress und vergessen darüber die Freude. Das ist schon ein bisschen schade.
    LG und einen schönen 3. Advent
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, hab vielen Dank für deine klugen Worte. Du erinnerst mich daran, und hoffentlich auch andere Menschen, nie soll man das Kindsein vergessen. Es ist das Beste im Leben.
      Liebe Grüße, Margot.

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