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Dienstag, 1. Dezember 2015

Die neun Vögel

Es ist ein Tag der keine gute Geschichte erzählt, es ist ein Märchen aus der Slowakei und erzählt eine schlechte Geschichte. Eine Geschichte von einem grausamen Mädchen, was sehr blutdürstig war ... und ich wünsche es mir und euch, es möge nie mehr geschehen. Grausamkeit und noch von einem Mädchen, nein, es soll nie vorkommen ... 


Die neun Vögel

Einst lebte ein König, welcher eine Tochter hatte, die sehr grausam war. Schon in ihrer Jugend war sie sehr blutdürstig. So schnitt sie z. B. den Vögeln, die sie gefangen hatte, die Zunge oder die Füße ab und ließ sie dann fliegen; oder sie brannte ihnen die Augen aus. Wo sie einem Tier etwas zuleide tun konnte, tat sie es. Als sie älter wurde, vergrößerte sich auch ihre Grausamkeit, und sie wagte es, diese auch an Menschen auszuüben.
Sie ließ alle Bettler durch ihre Hunde aus dem Schloss hetzen, und je mehr sie von den Hunden zerbissen wurden, desto mehr Freude hatte sie.
Als nun ihr Vater gestorben war, kam ein Ritterssohn, um ihre Hand anzuhalten. Sie nahm diesen Antrag an, und der Trauungstag wurde festgesetzt.
Als dieser gekommen war, schickte sie den Ritter in einen andern Teil des Schlosses, dass er das Brautgeschmeide hole. Um in das bezeichnete Zimmer zu gelangen, musste er über einen hölzernen Gang gehen, welcher so eingerichtet war, dass, wenn sie an einer Schnur anzog, derjenige, welcher darüber geht wollte, samt den Brettern in einen tiefen Brunnen fiel und darin noch das teuflische Lachen dieses grausamen Weibes hören musste.
So waren schon neun Jünglinge zugrunde gegangen, als endlich einer kam, welcher all dies schon vorhergesehen hatte, da er ein Schwarzkünstler war. Sie hatte ihm schon ihre Hand zugesichert, und als sie ihn in jenes Zimmer schicken wollte, weigerte er sich und sagte, sie solle das Geschmeide selbst holen.
Sie redete ihm jedoch mit den freundlichsten Worten zu, er möge ihr doch diesen Gefallen tun.
Allein zornig erwiderte er: "Glaubst du, ich sollte der zehnte sein, der in dem Brunnen sein Grab findet? Diesmal wird es dir nicht gelingen, denn die Zeit der Vergeltung ist gekommen."
Über diese Rede erzürnt, befahl sie ihren Knechten, ihn zu binden und in den Brunnen zu werfen. Er ließ sich auch willig binden und in den Brunnen werfen, blieb aber auf dem Wasser und lächelte der Fürstin zu, welche in ihrer Wut Hand und Reich demjenigen zusagte, der ihren Feind töten würde. Da nahmen die Knechte ihre Armbrüste, und es zischten neun Pfeile nach dem Ritter. Die Pfeile aber verwandelten sich während des Fluges in Vögel, welche zwitschernd das Haupt des Ritters umkreisten.
"Wärst du nur hier, ich wollte dich schon töten", sagte sie. Er aber erhob sich samt den Vögeln aus dem Brunnen, und ehe sich alle recht besinnen konnten, war er im nächsten Wald verschwunden.
Dort schrieb er neun Briefe, worin er den Tod der neun Jünglinge schilderte, band jedem Vogel einen solchen Brief an den Hals und ließ sie durch Land und Städte fliegen.
Überall ließen sie ihre Briefe lesen und kehrten endlich zur Königstochter selbst zurück und übergaben ihr die Briefe.
Diese zerriss dieselben, rang aber unaufhörlich die Hände und jammerte fortwährend, da ihr Verbrechen nun an den Tag gekommen war. Sie legte auch ihren Schmuck ab, zog ein Trauergewand an und lebte in dem Wald, in dem sich der letzte Ritter samt den Vögeln niedergelassen hatte, als Einsiedlerin.
Die Vögel kamen täglich zu ihr und sangen die ganze Begebenheit, wie sie in den Briefen geschildert war, sie aber streute ihnen unter Tränen ihr Futter vor die Hütte und bereute tausendfach ihr Verbrechen. Als dieses nun gebüßt war, verwandelten sich die neun Vögel in Jünglinge, und diese verziehen der Königstochter ihr Verbrechen. Darauf verwandelten sich die neun Jünglinge in Engel und trugen die reuige Büßerin in den Himmel.




Kommentare:

  1. Das ist wirklich ein grausames Märchen, das sehr traurig und nachdenklich stimmt.
    Auch wenn es ein gutes Ende hat, hinterlässt es den Leser in einer Traurigkeit.
    Ich bin ehrlich, ich mag diese Stimmung nicht und suche mir schnell bei Dir noch etwas Lustiges aus.
    LG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, ich möchte nicht, dass du traurig bist, deshalb kommt morgen etwas Leichtes an die Reihe. :-)

      Einen schönen Tag und liebe Grüße, Margot.

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