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Sonntag, 31. Januar 2016

Die Kunst des Wartens

Es ist Sonntag, bin nicht ausgeschlafen, das Wetter ist warm, 10 Grad plus und ich habe zu nichts Lust. Ich trage ein Gefühl in mir, als ob ich auf etwas warte, auf was, kann ich nicht sagen. Es ist im Allgemeinen gesagt, einfach nur ein lustloses Gefühl in mir. Ich blättere im Internet herum und finde eine kleine Geschichte über das Warten. Sie weckt mich auf, ich sage mir, Nein, so möchte ich es auch nicht haben ... ihr vielleicht auch nicht? 

Die Kunst des Wartens

Es war einmal ein junger Bauer, der wollte seine Liebste treffen. Er war ein ungeduldiger Geselle und viel zu früh gekommen, und er verstand sich schlecht aufs Warten. Er sah nicht den Sonnenschein, nicht den Frühling und die Pracht der Blumen. Ungeduldig warf er sich unter einen Baum und haderte mit sich und der Welt. 

Da stand plötzlich ein graues Männlein vor ihm und sagte: "Ich weiß, wo dich der Schuh drückt. Nimm diesen Knopf und nähe ihn an dein Wams. Und wenn du auf etwas wartest und dir die Zeit zu langsam geht, dann brauchst du nur den Knopf nach rechts zu drehen, und du springst über die Zeit hinweg bis dahin, wo du willst."

Der junge Bauer nahm den Zauberknopf und drehte. Und schon stand die Liebste vor ihm und lachte ihn an. Er drehte abermals: Und saß mit ihr beim Hochzeitsschmaus. Da sah er seiner jungen Frau in die Augen: Wenn wir doch schon allein wären... Wenn unser neues Haus fertig wäre... Und er drehte immer wieder. Jetzt fehlen uns noch die Kinder und drehte schnell an dem Knopf. 

Dann kam ihm neues in den Sinn und konnte es nicht erwarten. Und drehte, drehte, dass das Leben an ihm vorbeisprang, und ehe er sich's versah, war er ein alter Mann und lag auf dem Sterbebett. Und merkte, daß er schlecht gewirtschaftet hatte. Nun, da sein Leben verrauscht war, erkannte er, daß auch das Warten des Lebens wert ist. Und er wünschte sich die Zeit zurück.

Heinrich Spoerl (1887-1955), dt. Schriftsteller



Ein Mensch, der es versteht geduldig zu warten, hat ideale Voraussetzungen, um alles zu bekommen.

Kommentare:

  1. Diese Geschichte über das Warten gefällt mir, liebe Margot. Ja, manchmal ist das Warten lästig und man wird ungeduldig, aber die Zeit einfach überspringen ist keine Lösung. Man sollte sich lieber überlegen, wie man die Wartezeit sinnvoll nutzen kann. Das Leben ist viel zu kostbar, um auch nur eine Minute zu vergeuden oder zu verpassen.
    LG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, du hast wie immer recht. Die Zeit zu überspringen möchte man nicht, doch ich möchte nicht wissen, wie viel Zeit im Leben wir wirklich überspringen, unbewusst.
      Es stimmt, das Leben ist viel zu kostbar, aber wir gehen nicht immer klug mit dem Leben um.
      Danke und einen schönen Tag, liebe Grüße Margot.

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