Seiten

Montag, 4. Januar 2016

Ein Strohwitwer erzählt ...

Das neue Jahr hat begonnen und ich lese, was ein Strohwitwer seiner Frau wünscht, oder nur erzählt. Vielleicht ist es auch nur ein Klagelied. Ich werte diese Verse als Loblied für die Frauen.





Mein liebes, gutes Frauchen !

Du meintest immer, ich sei nicht zu gebrauchen,
zur Hausarbeit und ähnlichen Sachen.
Ach, da muß ich aber lachen !
Ich kann Dir sagen, es ist wirklich allerhand !
Du hast meine Talente nicht richtig erkannt !

Nun bist Du seit acht Tagen bei Deiner Mutter
und hier im Hause ist alles in Butter.
Ich paß' aber auch fix auf'n Kien !
Bleib' Du man noch ruhig in Berlin.

Essen kochen kann ich ganz famos.
Ich muß Dir sagen, darin hab' ich was los !
Du glaubst es wohl kaum, wenn ich Dir berichte :
ich bin Erfinder ganz neuartiger Gerichte !
Vieles hab' ich durch Zufall entdeckt,
manchmal hat's allerdings nicht gut geschmeckt.


Zum Beispiel am Montag morgen
da hatte ich doch etwas Sorgen.
Ich hatte mir Pfannkuchenteig angerührt
und das hat zu einem eigenartigen Resultat geführt :
denn meine Pfannkuchen wurden hart wie Stein !
Das Mehl muß wohl Zement gewesen sein !
Ich hab' vergebens Hammer und Meißel genommen,
selbst mit der Axt war ihm nicht beizukommen.
Da war wirklich nichts mit anzufangen,
na, ich bin dann zum Essen ausgegangen. -

Am Dienstag hab' ich etwas Schnaps genossen
und versehentlich die Tür nicht abgeschlossen.
Es konnte also jeder in die Wohnung rein.
Es muß auch jemand drin gewesen sein !
Denn wir haben jetzt keine Wertsachen mehr
und der Kleiderschank ist auch ganz leer.
Aber da war doch bestimmt nicht viel drin,
Du sagtest doch immer, Du hättest nichts anzuziehn !
Mittwoch hab' ich mir dicken Reis gemacht,
aber da hat es fürchterlich gekracht.
Warum ? Da denk' ich heut' noch drüber nach.
Es gab plötzlich einen lauten Krach
und dann ist der Topf explodiert
und die Küche war mit dickem Reis verziert !


Liebe Frau, ja ja, ich weiß :
Du fragst, wie kommen explosive Stoffe in den Reis ?
Die Frage wird unbeantwortet bleiben müssen,
denn alles kann Dein Männe ja auch nicht wissen.

Dann hab' ich mir Kartoffeln gebraten,
die sind mir allerdings etwas daneben geraten.
Ich hab' mir vom Bäcker Brötchen geholt,
inzwischen sind die Kartoffeln total verkohlt !
An und für sich ist das ja ziemlich belanglos,
aber ich werd' in der Küche nicht mehr den Gestank los !
Und unser Wellensittich ist von dem Rauch
schwarz wie ein Rabe, - und Husten hat er auch.
Er kann kaum noch aus den Augen sehn,
morgen werd' ich mit ihm zum Tierarzt gehn.

Du, schreib' mir doch mal in den nächsten Wochen :
wie lange müssen eigentlich Eier kochen ?
Ich hatte sie zwei Stunden in kochendem Wasser liegen,
aber die Dinger waren nicht weich zu kriegen.
Dann kannst Du mir auch Nachricht senden :
Wozu kann man angebrannte Milch verwenden ?
Wie kittet man kaputte Tassen ?
Wie lange kann man schmutziges Geschirr stehen lassen ?
Welchen Knopf dreht man, wenn das Fernsehn verzerrt ist ?
Wie kocht man Essen, wenn das Gas gesperrt ist ?


Gestern hab' ich gebadet, da gab's eine Panne :
ich hab' das Wasser für die Badewanne
nicht abgestellt, nun ist's übergelaufen !
Jetzt müssen wir für Meiers, unter uns, neue Möbel kaufen,
die Decke weißen, neu tapezieren
und die ganze Wohnung renovieren.
Wohlgemerkt, bei Meier !!
Das kommt uns leider ziemlich teuer.

Bei uns hat allerdings auch alles geschwommen
aber es ist nichts abhanden gekommen.
In unserer Wohnung, sonst ein trocknes Gebiet,
rauschten die Wellen leise ihr uraltes Lied ---- .

Nun schrieb' ich Dir soviel, - indessen
hätt' ich das Wichtigste beinahe vergessen !
Denn ich schrieb' Dir diese Zeilen
um Dir schnellstens mitzuteilen :
unser Kätzchen, unser Peter, ist kein Kater !!
Er wurde Mutter, anstatt Vater !
Unser Peter kriegte Junge ! Sieben kleine Kätzchen !
Und sie haben ein warmes Plätzchen,
denn ich habe alle acht
schnell zu Dir ins Bett gebracht,
in die weichen, warmen Kissen !


Doch nun werd' ich schließen müssen.

Wie lange willst Du noch bei Deiner Mutter bleiben ?
Ich hoffe, Du wirst mir bald mal schreiben.
Wie geht's Dir jetzt mit Deiner Galle ?
Bring' bitte Geld mit, denn meins ist alle.

Nun sei recht herzlich gegrüßt und geküßt,
von Deinem Männe, der zur Zeit
ein ganz vorbildlicher Strohwitwer ist !

Autor unbekannt



Kommentare:

  1. Da habeich aber doch kräftig schmunzeln müssen. Bei meinem Mann passiert so etwas nicht. Er weiß sich gut zu helfen.
    LG Christa

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Christa, ich muss dir sagen, da hast du aber Glück gehabt mit deinem Mann. :-)

      Liebe Grüße, Margot.

      Löschen
  2. Hallo Margot,

    die arme Frau *lach* sollte sie je wieder ins Haus (oder was davon übrig ist) zurückkommen, dann hat sie schon bald wieder einen Urlaub nötig ;)

    Liebe Grüße
    Björn :)

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Margot,
    ich musste tüchtig lachen.
    Ich kann nur hoffen, dass der Brief niemals die arme Frau erreicht hat und sie bei ihrer Ankunft vor Schreck keinen Herzschlag bekommt.
    Aber ich glaube das sind die Horrorvorstellungen einer Frau. Die Realität ist doch hoffentlich nicht ganz so schlimm ;-)
    LG
    Astrid

    AntwortenLöschen