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Donnerstag, 28. Januar 2016

Gebet einer Nonne

Es ist heute ein Wetter was zu dieser nachfolgenden Geschichte, dem Gebet einer Nonne, passt und auch zu mir. Solche Gedanken habe ich auch schon gehabt, ohne dass ich mit Frömmigkeit gesegnet bin. Es wird bestimmt auch zu einigen von euch passen.

Gebet einer Nonne
Aus dem 17. Jahrhundert



Herr du weißt besser als ich selbst, dass ich älter werde und eines Tages alt bin. Bewahre mich vor der unheilvollen Angewohnheit, zu meinen, ich müsse zu allem etwas sagen und das bei jeder Gelegenheit. Befreie mich von dem Verlangen, jedermanns Angelegenheit in Ordnung bringen zu wollen. Mache mich bedachtsam und nicht schwermütig, hilfsbereit, jedoch nicht herrschsüchtig.

Angesichts meines unermesslichen Vorrates an Lebenserfahrung erscheint es bedauerlich, nicht alles zu nützen, aber du weißt, Herr, dass ich ein paar Freunde haben möchte am Ende. Bewahre mich davor, endlose Einzelheiten aufzuzählen; verleihe mir Flügel zur Hauptsache zu kommen. Versiegle meine Lippen, was meine Schmerzen und Leiden anbelangt. Sie nehmen zu, und die Lust daran, sie aufzuzählen, wird wohltuender mit den Jahren. Um soviel Gnade zu bitten, dass ich an den Erzählungen über die Schmerzen anderer Gefallen finden könnte, wage ich nicht. Hilf mir jedoch, sie in Geduld zu ertragen.

Ich wage es nicht, ein besseres Gedächtnis zu erbitten, wohl aber zunehmende Bescheidenheit und abnehmende Selbstsicherheit, wenn meine Erinnerung mit den Erinnerungen anderer in Widerspruch zu stehen scheint. Führe mich zu der großartigen Erkenntnis, dass ich mich gelegentlich auch irren könnte.

Trage Sorge dafür, dass ich einigermaßen liebenswürdig bin; ich möchte keine Heilige sein – mit manchen von ihnen ist es so schwer zu leben -, aber eine sauertöpfische, alte Person ist eines der hervorragenden Werke des Teufels. Schenke mir die Fähigkeit, Gutes zu entdecken an Orten, an denen ich es nicht erwarte und Begabungen in Menschen, denen ich sie nicht zutraue.

Und gib mir, oh Herr, die Gnade es ihnen auch zu sagen. Amen.

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Herzlichst Margot.

Kommentare:

  1. Liebe Margot,
    ein wirklich schönes Gebet einer Nonne. Besonders schön finde ich auch die Bitte um die eigene Liebenswürdigkeit. Wer sich liebenswürdig zu anderen verhält, der wird auch geliebt und ist daher auch selbst der Liebe würdig. Diese Bitte umschließt eigentlich auch alles andere.
    Ich schicke Dir liebe Grüße und wünsche Dir einen angenehmen Tag
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, ich bin nicht mit Frömmigkeit gesegnet, aber diese Worte sind sehr schön und berühren mich. Diese Worte nehme ich mir an und möchte so sein. Nur keine alte, sauertöpfische Person. Danke dir für deine liebenswürdigen Worte, herzlichst Margot.

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