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Mittwoch, 2. März 2016

Das ernste Kamel

Nein, es ist nicht April sondern März, der Dritte. Ich frage mich dies ständig, weil das Wetter sich laufend wechselt. Gestern war schönster Sonnenschein, heute wieder Regen. Da muss ich wieder Fabeln suchen, nicht wegen des Wetters, sondern wegen der Atmosphäre. Und, ich habe welche gefunden, die ich noch nicht kannte. Es sind kurze Fabeln aber wie immer, mit Inhalt.





Die Mücke, die sich auf des Stieres gekrümmtes Horn gesetzt,
um sich ein wenig auszuruhn, sprach summend diese Worte:
»Wenn ich den Nacken dir beschwere und niederbeuge,
so will ich weggehen und mich auf die Pappel setzen dort am Fluss.«
Darauf der Stier: »Ach, ob du weggehst oder bleibst,
ist mir ganz gleich; denn auch dein Kommen bemerkte ich nicht.«



Der Hund und der Hase

Ein Hund, der einen Hasen vom Gebirge aufgebracht,
war hinter diesem her. Wenn er ihn eingeholt, so biss er;
doch wandte der sich um, so tat er freundlich.
Da sprach der Hase: »Zeige dich doch aufrichtig!
Was beißt du, bist du Freund? Was schmeichelst du als Feind?«


Das ernste Kamel

Ein Herr, der zechte, nötigt' sein Kamel,
dass zu den Flöten und den Zimbeln aus Metall es tanze.
Das aber sprach: »Ich lass es gern geschehen, dass meinen Weg
ich schreite ohne Lachen; doch will ich nicht im Reigen springen,
nicht zum Gespötte werden, nicht den Kriegstanz tanzen!«


Der kranke Rabe

Der kranke Rabe sprach zu seiner Mutter, die sehr klagte:
»Ach, wein nicht Mutter, bete zu den Göttern,
dass sie aus schlimmen Leid und Schmerzen mich aufrichten!«
»Doch wer, mein Lieber, von den Göttern soll dir helfen?
Wen hättest du nicht an dem Altare je bestohlen?«


Die zwei Ranzen

Der Götter einer war Prometheus in der Urzeit.
Er schuf den Menschen, sagt man, als der Tiere Herr,
aus Ton. Darauf baute er zwei Ranzen
und hängte sie ihm um, gefüllt mit aller Bosheit -
im vordern Ranzen mit der fremden,
im hintern mit der eigenen, die weit größer.

So kommt's, dass wir die fremden Schwächen
scharfsichtig sehen, die eigenen aber ignorieren.


Kommentare:

  1. Schwierig, aber es lohnt sich, das zu lesen, bis man es versteht! P.

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  2. Guten Morgen Pippa, du hast recht, das Ergebnis liegt nicht gleich
    auf dem Tisch, man muss nachdenken. Was auch sicherlich so gewollt ist.
    Wünsche dir einen schönen Tag und sende liebe Grüße.
    Herzlichst Margot.

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