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Samstag, 7. Mai 2016

Muttertag

Heute denke ich an Muttertag und an meine Mutter, sie ist schon 36 Jahre nicht mehr bei mir, aber meine Gedanken sind noch wie gestern bei ihr. Ich glaube, eine Mutter kann man nicht vergessen.



An Mama

Du willst die stillen Lieder haben,
die einst ein kindlich Herz erfand -
O Mutter! nimm die arme Gabe,
Den welken Strauss aus meiner Hand.

Die Weisen, die ich je gesungen,
Mit ihrem Schmerz und ihrer Lust,
Sind tief aus meiner Brust gedrungen
Und legen sich an deine Brust.

Dahin auch zieht ein innig Sehnen
Die Seele, die dich dankend liebt.
Nimm meine Grüsse, Wünsche, Tränen,
Nimm, was mein Herz, so gern dir gibt.

- Luise Hensel 1798-1876


Meine Mutter

Ach, wär ich ein Vöglein,
Ich wüsst, was ich tät:
Ich lernte mir Lieder
von morgens bis spät.
Dann setzt ich mich dort,
wo lieb Mütterlein wär,
und säng ihr die Lieder
der Reihe nach her.

Und wär ich ein Schäflein,
das hätt' ich im Sinn:
Ich gäb alle Wolle
dem Mütterlein hin.
Die spinnt dann die Wolle
und strickt sicherlich
zwei Dutzend Paar Strümpfe
für sich und für mich.

Und wär ich ein Fischlein,
Ich wüsst, was da wär:
Ich tauchte zum Grunde
tief unten ins Meer,
holt Perlen und Muscheln.
Ihr glaubt, nur für mich?
Der Mutter die Perlen,
die Muscheln für mich.

Doch mancherlei möchte ich
den doch wohl nicht sein:
Nicht Apfel, noch Kirschen,
nicht Wasser, noch Wein.
Denn ässe man mich
oder tränke mich aus,
dann hätt meine Mutter
kein Kind mehr zu Haus.

- Robert Reinick 1805-1852


Sei froh, dass du uns hast
von Eva Rechlin

Wir wären nie gewaschen
und meistens nicht gekämmt,
die Strümpfe hätten Löcher
und schmutzig wär' das Hemd.

Wir gingen nie zur Schule,
wir blieben faul und dumm
und lägen voller Flöhe
im schwarzen Bett herum.

Wir äßen Fisch mit Honig
und Blumenkohl mit Zimt,
wenn du nicht täglich sorgtest,
dass alles klappt und stimmt.

Wir hätten nasse Füße
und Zähne schwarz wie Ruß
und bis zu beiden Ohren
die Haut voll Pflaumenmus.

Wir könnten auch nicht schlafen,
wenn du nicht noch mal kämst
und uns, bevor wir träumen,
in deine Arme nähmst.

Wer lehrte uns das Sprechen?
Wer pflegte uns gesund?
Wir krächzten wie die Krähen
und bellten wie ein Hund.

Wir hätten beim Verreisen
nur Lumpen im Gepäck.
wir könnten gar nicht laufen,
wir kröchen durch den Dreck.

Und trotzdem sind wir alle
auch manchmal eine Last,
doch was wärst Du ohne Kinder,
sei froh dass du uns hast.



Kommentare:

  1. Schöne Worte zum Muttertag hast Du ausgesucht, liebe Margot.
    Du hast Deine Mutter wahrlich vor sehr langer Zeit schon verloren. Das tut sehr weh. Zum Glück habe ich meine Mutter noch, die ich auch sehr liebe. Mein Vater jedoch ist schon vor 32 Jahren gestorben. Auch nach so langer Zeit kommt die Trauer immer wieder hoch.
    Sei herzlich aus dem sonnigen Cottbus gegrüßt
    Astrid

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    1. Liebe Astrid , ja die Eltern zu verlieren ist furchtbar. Ich hatte es ja schon mal geschrieben, Vati habe ich schon 46 Jahre nicht mehr. Die Erinnerung geht nie verloren. Ich danke dir für deine lieben Worte. Sei herzlich gegrüßt von Margot.

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