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Donnerstag, 14. Juli 2016

Poesie ...

Ein kleines bisschen Poesie möchte ich euch heute geben, sie kommt von E.Rasmus und gefällt mir, hoffentlich euch auch. Leider kann ich nicht so schreiben wie ich gerne möchte, noch nicht, verzeiht, es geht nicht.








Als ob die Zeit stünde 

- in und außer mir die Welt - 



Qual der Stille ruft, bis sie verhallt, 

Doch den Ruf erneuernd in den Tag 

Wunden reißt sie, drinnen sich verkrallt, 

Weil die Seele sich nicht wehren mag. 



Könnte nicht der Sommerwind den Schmerz 

Lindernd übertönen, mild? 

Ach, sein Hauch erfrischte mir das Herz, 

Bis er mir den Schmerz der Stille stillt. 


E.Rasmus








Freitag, 8. Juli 2016

Die Fabel im allgemeinen

Wirklichkeitsbezug und Aussageabsicht der Fabel
Die Fabel wird in einer konkreten Situation und mit einer bestimmten Absicht erzählt. Am Beispiel des sagenumwobenen phrygischen Sklaven „Aesop", dessen Fabeln untrennbar mit seinem Lebenslauf verbunden sind, lässt sich anschaulich der Realitätsbezug und die didaktisch - kritische Absicht der Fabel aufzeigen. Dabei ist nicht einmal mit Sicherheit belegt, ob Aesop wirklich gelebt hat, oder ob er nur eine  „Verkörperung des fabulierenden griechischen Volksgeistes"  (8)  ist. 
In der legendären Darstellung des Aesopromans  (9)  erscheint Aesop als ein körperlich missgestalteter Mensch, der von der Göttin Isis mit Weisheit und Redegewandtheit ausgestattet wurde. Mit diesen Eigenschaften versehen, zog  Aesop  durch die Länder Kleinasiens und Griechenlands -  und erzählte seine Fabeln, in denen er soziale Ungerechtigkeiten und menschliches Fehlverhalten anprangerte. Selbst den Mächtigen gegenüber äußerte er Kritik in Form geistreicher Fabeln, und er versuchte, deren Verhalten durch seine Lehren zu beeinflussen. 
Dabei ergriff Aesop stets die Partei der Schwachen, Unterdrückten oder misshandelten. 
Seine kritische Haltung brachte Aesop häufig in Konflikt mit der Obrigkeit. Doch selbst in schwierigen Situationen äußerte er im Schutz der Fabeln seine Kritik. In Delphi geriet Aesop so in Streit mit der Priesterschaft, die seinen Einfluss auf das Volk fürchtete. Aus Angst vor dem Volk ließen die Priester ihn heimlich verhaften:  Sie hatten eine goldene Schale aus dem Tempel des Apoll in sein Reisegepäck geschmuggelt und ihn als gemeinen Kirchenräuber verleumdet. Aesop wurde in den Kerker geworfen und zum Tode verurteilt. 
Auf dem Weg zum Felsen, von dem Aesop hinabgestürzt werden sollte, erzählte er die berühmt gewordene Fabel von „Maus und Frosch"  -  einerseits in der Absicht, seine eigene Situation zu veranschaulichen;  andererseits, um die Priester zu warnen und sie von ihrem Vorhaben abzubringen. 


Heinrich Steinhöwel 
Aesop in Delphi
                                            mit
Aesops Fabel von Maus und Frosch
Als Aesop einmal durch Griechenland zog und überall durch seine Fabeln seine Weisheit zeigte, erwarb er sich den Ruf, ein sehr weiser Mann zu sein.
Zuletzt kam er nach Delphi, der angesehenen Stadt und dem Sitz der obersten Priesterschaft. Dort folgten ihm viele Menschen, weil sie ihm zuhören wollten; von den Priestern aber wurde er nicht ehrenvoll empfangen. Da sagte Aesop: „Ihr Männer von Delphi, ihr seid wie das Holz, das von dem Meer an den Strand geschwemmt wird. Solange es fern ist, scheint es groß zu sein, wenn es aber nahe herangekommen ist, dann sieht man, dass es in Wirklichkeit klein ist. So ging es auch mir mit euch. Solange ich noch weit von eurer Stadt entfernt war, dachte ich, daß ihr die Vornehmsten von allen wäret, jetzt aber, in eurer Nähe, erkenne ich, dass ihr nicht viel taugt."
Als die Priester solche Reden hörten, sagten sie zueinander: „Dieser Mann hat in anderen Städten eine große Anhängerschaft. Es könnte sein, dass unter solcher üblen Nachrede unser Ansehen leidet oder dass wir es sogar ganz verlieren. Wir müssen also auf unserer Hut sein!" 
Da beratschlagten sie, auf welche Weise sie ihn unter dem Vorwande, er sei ein böser Kirchenräuber, töten könnten; denn sie wagten es wegen des Volkes nicht, ihn (ohne einsichtigen Grund) öffentlich töten zu lassen.
So ließen sie aufpassen, bis der Knecht Aesops die Sachen seines Herrn für die Abreise zusammenpackte. Da nahmen sie eine goldene Schale aus dem Tempel des Apoll und versteckten sie heimlich im Reisegepäck Aesops.
Aesop wusste von all den hinterhältigen Machenschaften nichts, die gegen ihn im Gange waren, und als er nach Phokis zog, eilten die Priester ihm nach und nahmen ihn mit großem Geschrei gefangen. Und als Aesop sie fragte, warum sie ihn gefangen nähmen, schrien sie: „Du unanständiger Mensch, du Verbrecher! Warum hast du den Tempel des Apoll beraubt?"
Als Aesop vor allen leugnete und sich über diese Beschuldigung entrüstete, öffneten die Priester sein Bündel und fanden die goldene Schale. Die zeigten sie jedem Einzelnen und führten Aesop wie einen Kirchenräuber ungestüm und unter großem Tumult ins Gefängnis.
Aesop wusste auch da noch nichts von all den hinterhältigen Anschlägen, die man gegen ihn ins Werk gesetzt hatte, und bat, man möge ihn freilassen. Sie aber bewachten ihn daraufhin nur noch schärfer, [...] verurteilten ihn öffentlich, weil er sich des Kirchenraubs schuldig gemacht habe, und führten ihn aus dem Gefängnis, um ihn von einem Felsen hinab zu stoßen. 
Als Aesop das merkte, sprach er zu ihnen:
Zu der Zeit, als die unvernünftigen Tiere noch in Frieden miteinander lebten, gewann eine Maus einen Frosch lieb und lud ihn zum Nachtmahl ein. Sie gingen miteinander in die Speisekammer eines reichen Mannes, in der sie Brot, Honig, Feigen und mancherlei leckere Sachen fanden. Da sprach die Maus zum Frosch: „Nun iss von diesen Speisen, welche dir am besten Schmecken!" Als sie sich nach Herzenslust satt gefressen hatten, sprach der Frosch zu der Maus: „Nun sollst du auch meine Speisen versuchen. Komm mit mir! Weil du aber nicht schwimmen kannst, will ich deinen Fuß an meinen binden, damit dir kein Leid geschieht." Als er aber die Füße zusammengebunden hatte, sprang der Frosch ins Wasser und zog die Maus mit sich hinab. Als die Maus merkte, dass sie sterben musste, begann sie zu schreien und klagte: „Ich werde ohne Schuld das Opfer gemeiner Hinterlist. Aber von denen, die am Leben bleiben, wird einer kommen, der meinen Tod rächt." 
Während sie das sagte, kam ein Habicht heran, ergriff die Maus und den Frosch und fraß sie beide.
So werde ich ohne Schuld von euch getötet, und ihr werdet um der Gerechtigkeit willen dafür bestraft, wenn Babylon und Griechenland über das Verbrechen reden werden, das ihr an mir begeht.
Obwohl die Priester das hörten, ließen sie ihn nicht los, sondern führten ihn an die Stelle, wo er sterben sollte.


Der Verlauf der Fabel ist der realen Situation auffallend analog. In der Realität ist es die Priesterschaft, die den unschuldigen Dichter ums Leben bringt;  in der Fabel ist es der Frosch, der der Maus zum Verhängnis wird. 
Kennzeichnend ist, dass Maus und Frosch fest aneinander gebunden sind und so gemeinsam das gleiche Schicksal erleiden. Der Habicht, der beide als Beute fortträgt, wird zum Symbol für eine höhere Gerechtigkeit: Er sühnt unverzüglich das an der Maus begangene Unrecht. 

Auf die Realität bezogen lehrt diese Fabel:  Auch in der Wirklichkeit wird es eine höhere Macht  (in diesem Fall das Volk der Babylonier und Griechen)  geben,  die Aesops Tod nicht ungesühnt lassen wird. So wie Maus und Frosch schicksalhaft miteinander verbunden sind, so werden auch die Priester ihrem Schicksal nicht entgehen, wenn sie ihn, Aesop, töten lassen. 
In dem hier geschilderten Fall kämpft Aesop mit der Fabel für sich selbst. Bei anderen Gelegenheiten nutzt er die Fabel im Kampf für die Unterdrückten.  So zeigt das Volksbuch vom phrygischen Sklaven Aesop einen Helden, der reale soziale Zustände,  politische Vorgänge oder menschliches Fehlverhalten aufgreift, sie im Gewand der Fabel kritisiert und bewusst macht  und so auf Veränderung der Situation drängt. 

Andere Fabeln Aesops zielen weniger auf  konkrete Lebenssituationen, sondern bringen eine allgemein anerkannte Lebensweisheit zum Ausdruck;  sie stellen also mehr das belehrende als das kritisierende Element in den Vordergrund, indem sie ethische oder moralische Lehren erteilen. 
Bedenkt man, dass sich seit Phaedrus nahezu alle Fabeldichter auf die Fabeln Aesops beziehen, ihre Motive, ihr Inventar, ihre Kompositionsprinzipien verwenden und oft nur variieren, so können die aesopschen Fabeln wesentliche Aufschlüsse für die Intentionalität und Kausalität der gesamten Fabeldichtung geben. 

Ein Vergleich von Fabeln, die in verschiedenen Versionen vorliegen, lässt erkennen, dass oft nur eine kleine Variation genügt, um einen anderen Realitätsbezug, eine andere Aussageabsicht zum Ausdruck zu bringen. 



Montag, 4. Juli 2016

Es geht weiter ... ich bin soweit ...

Hallo liebe Freundinnen und Freunde, es ist der 2. Juli und die Luft trieft vor Nässe, an diesen, wenn auch unfreundlichen Tag, möchte ich einen Neuanfang wagen. So fange ich mit der Natur an, sie hilft mir über jeden Berg.






Einkehr



Bei einem Wirte wundermild
Da war ich jüngst zu Gaste.
Ein goldner Apfel war sein Schild
An einem langen Aste.
Es war der gute Apfelbaum
Bei dem ich eingekehret
Mit süßer Kost und frischem Schaum
Hat er mich wohl genähret.

Es kamen in sein grünes Haus
Viel leichtbeschwingte Gäste
Sie sprangen frei und hielten Schmaus
Und sangen auf das Beste.

Ich fand ein Bett in süßer Ruh
Auf weichen, grünen Matten
Der Wirt er deckte selbst mich zu
Mit seinem kühlen Schatten.

Nun fragt ich nach der Schuldigkeit.
Da schüttelt er den Wipfel
Gesegnet sei er allezeit
von der Wurzel bis zum Gipfel.

Ludwig Uhland (1787-1847)






Mittagspause


Verwegen zog durch mein Gemüt
Der Sommersonnenwind
Und brachte Wolken, die versprüht
Er träumend wie ein Kind.


Ein buntes Bild in Blauweißgrau
Mit feurigem Gespann
Ergoß sich überm Himmelsbau.
War’s dies, was ich ersann?


Im Sturm genommen, aufgeweckt
So schrieb ich hier den Vers,
Kurz wie ein Schauer, traumversteckt.
Die Sonne scheint - das wär’s.

 E.Rasmus 






Die Wälder schweigen
Die Jahreszeiten wandern durch die Wälder.
Man sieht es nicht. Man liest es nur im Blatt.
Die Jahreszeiten strolchen durch die Felder.
Man zählt die Tage. Und man zählt die Gelder.
Man sehnt sich fort aus dem Geschrei der Stadt.

Das Dächermeer schlägt ziegelrote Wellen.
Die Luft ist dick und wie aus grauem Tuch.
Man träumt von Äckern und von Pferdeställen.
Man träumt von grünen Teichen und Forellen.
Und möchte in die Stille zu Besuch.

Man flieht aus den Büros und den Fabriken.
Wohin, ist gleich! Die Erde ist ja rund!
Dort, wo die Gräser wie Bekannte nicken
und wo Spinnen seidne Strümpfe stricken,
wird man gesund.

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

Erich Kästner





Von Krankheit möchte ich nicht schreiben, aber durch sie habe ich wundervolle Menschen kennengelernt, wie Frau Andrea Tennstedt und Ralf Meschke. Dazu kommen ihre freundlichen, hilfsbereiten Hausgeister wie Geanina, Madalina, Angelika, Swetlana, Nena, Natalja, Simone, Monika, Driffa, Anna und Vesna. Ihnen allen mein größtes Dankeschön. 





Am Waldessaume träumt die Föhre,

Am Himmel weiße Wölkchen nur,
Es ist so still, daß ich sie höre,
Die tiefe Stille der Natur.

Rings Sonnenschein auf Wies' und Wegen,
Die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach,
Und doch es klingt als ström' ein Regen
Leis tönend auf das Blätterdach.


Theodor Fontane




Doktor Wald 

Wenn ich an Kopfweh leide und Neurosen,
mich unverstanden fühle und auch alt,
wenn mich die holden Musen nicht liebkosen,
dann konsultiere ich den Dr. Wald.

Er ist mein Augenarzt und mein Psychiater,
mein Orthopäde und mein Internist.
Er hilft mir sicher über jeden Kater,
egal ob er aus Kummer oder Kognak ist.

Er hält nicht viel von Pülverchen und Pillen,
doch um so mehr von Luft und Sonnenschein.
Und kaum umfängt mich seine duft`ge Stille,
raunt er mir zu : " Nun atme mal tief ein !"

Ist seine Praxis auch sehr überlaufen,
in seiner Obhut läuft man sich gesund,
und Kreislaufschwache, die noch heute schnaufen,
sind morgen ohne klinischen Befund.


Er bringt uns immer wieder auf die Beine,
und unsere Seelen stets ins Gleichgewicht,
verhindert Fettansatz und Gallensteine -
bloß Hausbesuche macht er leider nicht. 

Förster Helmut Dagenbach, 1986

Samstag, 18. Juni 2016

Bin glücklich, wieder bei euch zu sein!








Hallo, meine Lieben, bin noch oder wieder da, bin aus dem Krankenhaus zurück. (Keine Sorge, nichts Besonderes.) Melde mich in den nächsten Tagen bei euch, wünsche ein schönes Wochenende. Ganz, ganz liebe Grüße sendet euch 


Donnerstag, 26. Mai 2016

Motto ...

Bei schönem Wetter fallen mir immer nette Gedichte ein, oder ich suche sie in der Internetbibliothek, beim Lesen dieser Gedichte muss ich schmunzeln und bin vergnügt. Es passt zu einem Frühlingstag ...



Das ist ein hässliches Gebrechen...

Das ist ein hässliches Gebrechen,
wenn Menschen wie die Bücher sprechen.
Doch reich und fruchtbar sind für jeden
die Bücher, die wie Menschen reden.

Oscar Blumenthal


Du willst bei Fachgenossen...

Du willst bei Fachgenossen gelten?
Das ist verlorne Liebesmüh.
Was dir missglückt, verzeihn sie selten,
Was dir gelingt, verzeihn sie nie!

Oscar Blumenthal




Meine Antikritik

"Was machst du, wenn die Kritik dich kränkt?"
Meine Antikritik: ich bleibe heiter.
"Und wenn sie dich an den Galgen gehängt?"
Meine Antikritik: ich lebe weiter.

Oscar Blumenthal


Der Esel

Hab nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt,
Ohn Mut und ohn Gewalt;
Mein spotten, und mich scheuen
Die Menschen, jung und alt;
Bin weder warm noch kalt;

Hab nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt;
Muss Stroh und Disteln käuen;
Werd unter Säcken alt –

Ah, die Natur schuf mich im Grimme!
Sie gab mir nichts, als eine schöne Stimme.

Matthias Claudius (1740-1815)


Motto

Wie aus des Lebens Schattenseiten 
oft bricht ein Sonnenstrahl hervor, 
so wirkt beim Mensch in ernsten Zeiten 
der echte, goldige Humor.

Weil er für einige Sekunden 
den bittren Ernst vergessen macht, 
wird rasch ein jedes Herz gesunden, 
wenn es mal richtig krank sich lacht.

Fred Endrikat (1890-1942)
Spaziergang

Über uns will es sich in den Zweigen regen,
Und ein hübscher Vogel macht sich plüsternd breit.
Wird er jetzt wohl Eier legen
Oder was ist seine Tätigkeit?

Plötzlich hat's auf der erhobenen Stirne
Irgendwie und irgendwo geklext,
Und von einem Stoff, der - hm - in keines Menschen Hirne,
Sondern (vorher) auf den Feldern wächst.

War das eines Geistes mahnend ernste Stimme?
Oder war's ein leises Scherzo nur?
Zwiegeteilt in bodenlosem Grimme
Flieht man die ungastliche Natur.

Und man fragt sich, während man so wandelt:
Ist denn das gerecht,
Dass die Kreatur derartig unanständig handelt,
Wenn verehren man und preisen möcht'?

Klabund (1890-1928)


Die Ahnung

Ich trank meinen Morgenkaffee und ahnte nichts Böses.
Es klingelte. Ich ahnte noch immer nichts Böses.
Der Briefträger brachte mir ein Schreiben.
Nichts Böses ahnend, öffnete ich es.
Es stand nichts Böses darin.
Ha! rief ich aus. Meine Ahnung hat mich nicht betrogen.

Erich Mühsam (1878-1934)




Mittwoch, 25. Mai 2016

Zeitspanne bis zum Morgen

Wie unangenehm ist zurzeit wieder das Wetter, mit der Temperatur von 15° geht es ja noch, aber kein einziger Sonnenstrahl ist zu sehen. Da habe ich, um ein Lächeln auf die Lippen zu bekommen, drei Gedichte von E. Rasmus, einem lieben Leser von mir, aufgeschrieben und ich finde sie schön. Das Lächeln ist auch gekommen. :-)




Ein Frühlingstag

Der Tag, milchig verwaschen, 

Hieß kaum den Mai erwachen.

»Zeit ist zum Selbermachen«,

Rief nur der Wind mit Lachen

Und sucht das Laub zu haschen.



Wo zwitschernd zwischen Blättern

Gefiedert manchem Gast

Des Windes Lied nicht paßt

Und fragt: »hält denn der Ast

Stand auch den schlechten Wettern?«



Bewegt die Bäume rauschen.

Zum Abend fliegt heran

Ein Frühlingsregen dann.

Beim Blitz, in dessen Bann,

Kann man dem Donner lauschen.

E.Rasmus





Zum Geleit


Wozu soll Poesie den Sinn der Welt verdichten,

Da er versunken scheint im Markt- und Geldgewinn?

Wo Menschen tätig, nur noch selbiges verrichten

Und irrgeleitet auf den Sinn verzichten,

Liegt Poesie ertrunken in dem Meer der Worte drin.

E.Rasmus




Zeitspanne bis zum Morgen

Die Nacht umfing das kleine Ich;
Stumm blieb sie, oft befragt.
Ihm war, als ob sie nicht verstrich.
Der Mond vor ihr versteckte sich,
Von Wolkendunst beklagt.


Ein Strahl drang aus dem Sternenmeer.
Das Ich lief durch die Nacht.
Es suchte. Da, der Kleine Bär
Erschien dem Ich, es mocht‘ ihn sehr;
Er hat ihm Mut gemacht.


Und Wind kam auf, die Wolken floh’n.
Vom Mondeslicht erkannt
Entdeckte auch das Ich sich schon
An seinem Schatten, nicht zum Hohn,
Bis an den Sonnenrand.

 E.Rasmus




Herzlichst Margot


Dienstag, 24. Mai 2016

Bin wieder da ...

Liebe Freundinnen und Freunde entschuldigt bitte, dass ich erst heute wieder anfange zu schreiben. Nein ich habe nicht über die Stränge geschlagen, bin am Samstag nicht einmal weggekommen, mich hatte plötzlich eine Krankheit erwischt. Nein, ich kann nicht sagen welche, es kann von Lebensmittelvergiftung bis über Schmerzen der Wirbelsäule, alles sein. Mein Magen machte sich auch immer bemerkbar und ich hatte einen ständigen Brechreiz ohne mich zu übergeben. Meinen Kopf habe ich nur vor Schmerzen gespürt und nein, einen Arzt habe ich nicht aufgesucht. In dieser Beziehung bin ich eigenartig, nun heute fängt es an, mir besser zu gehen. Diese Zeilen schreibe ich nicht um Mitleid zu erhaschen, sondern weil ich mein Versprechen, dass wir uns am Montag lesen werden, nicht einhalten konnte. Genug meiner Klagerei, es geht weiter ...


Dieses Gedicht könnte auch auf mich passen.


Nicht alle Frauen sind Engel
(Haben Männer doch auch ihre Mängel!);
Und solche Frauen durch Vernunft zu zwingen
Wird nicht dem Weisesten gelingen:
Sie lassen lieber schmeichelnd sich betören,
Als auf die Stimme der Vernunft zu hören.

Friedrich Martin von Bodenstedt


Ein Geizhals fiel in einen Fluß, der tief
Und reißend war. Ein Fischer, der das Leben
Ihm retten wollte, sprang hinein und rief:
Er möchte nur die Hand ihm geben;
Allein der Geizhals sprach, indem er untersank:
Ich kann nichts geben, und ertrank.

Alois Blumauer


Wie mag’s einem glücken,
Erfolge zu pflücken? ...

Hier, unter der Blume,
der Fahrplan zum Ruhme:
Wenn dein erster Akt klar ist,
wenn der zweite Akt wahr ist,
wenn der dritte nicht krank ist,
wenn der letzte nicht lang ist, –
wenn die Reden voll Witz sind,
wenn die Antworten spitz sind,
wenn die Menschen voll Mark sind,
wenn die Aktschlüsse stark sind,
wenn die Sprache gewürzt ist,
wenn der Knoten geschürzt ist, 
wenn die Handlung recht bunt ist,
wenn die Lösung gesund ist,
wenn das Spiel voller Glut ist,
wenn die Hörer nicht wild sind,
wenn die Kritiker mild sind –,
wenn im kräft’gen Vereine
du Freunde zur Hand hast
und – vor allem das Eine –
mehr Glück als Verstand hast:
dann brauchst, um zu gelten,
du eins nur am End’,
doch das Eine ist selten ...
man nennt es Talent.

Oscar Blumenthal




Donnerstag, 19. Mai 2016

Albernheiten

Heute habe ich das Gefühl, die Eisheiligen sind vorbei, auch wenn es am Morgen noch kühl war. Gegen Mittag kam die Sonne hervor und die Temperatur stieg auf 17°, dadurch habe ich Lust bekommen Albernheiten zu schreiben. Ja, was ist eigentlich Albernheit? 


Einige klugen Leute schrieben folgendes ...


Meine Albernheiten nehme ich nicht wichtiger als sie es verdienen.
Das ist ihr Glück.
Michel de Montaigne


Kein stolzer Mensch läßt sich durch die Albernheit des Zeitalters weg- oder mitschwemmen.
Hermann Oeser


Kein Wort im Evangelium ist in unseren Tagen mehr befolgt worden als das: Werdet wie die Kindlein.
Georg Christoph Lichtenberg


Wo überhaupt keine Vernunft vorhanden ist, kann man doch nicht unvernünftig sein! Je mehr man aber mit Intelligenz begabt ist, um so eher ist man geneigt, in einem Meer von Albernheiten zu ertrinken.
Charles Robert Richet


Albernheit verlacht man bekanntlich, und in großer Dreistigkeit steckt stets ein Zusatz von Albernheit.
Sir Francis von Verulam Bacon


Mische ein bißchen Torheit in dein ernsthaftes Tun und Trachten. Albernheiten im rechten Moment sind etwas Köstliches.
Horaz


Kindlich sein heißt zur Kindheit hinaufsteigen,
kindisch sein zur Kindheit hinabsteigen.

Unbekannt


Die Albernheit des Standesdünkels hat es sehr bequem, hochmütig zu sein. In beneidenswerter Ahnungslosigkeit weiß sie nicht, daß sie in allem, was den höheren Menschen bildet, eine Null ist.
Otto von Leixner





Sprüche der Albernheit
 (Aus dem Afghanischen.)


Hüte dich vor Hund und Katzen,

Hüte dich vor Laus und Floh,

Denn die einen können kratzen,

Und die andern beißen froh.

Darum selber thu' dich kratzen

Darum leb wie Laus' und Floh,

Aber nicht wie Hund und Katzen,

Laus und Hund und Katzen kratzen

Und zu hüten ist der Floh,

Willst du sein des Lebens froh.



Peter Bamm sagte:
Albernheit ist eine Erholung von der Umwelt


und Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach sagte:
Alberne Leute sagen Dummheiten. Gescheite Leute machen sie.



Herzlichst Margot.

Mittwoch, 18. Mai 2016

Der geheilte Patient

Nach Gedichten kann wieder eine nette Geschichte gelesen werden. Es ist ein Thema was zu jeder Zeit aktuell ist. 


Der geheilte Patient
J. P. Hebel

Reiche Leute haben, trotz ihrer gelben Vögel, doch manchmal auch allerlei Lasten und Krankheiten auszustehen, von denen gottlob der arme Mann nichts weiß; denn es gibt Krankheiten, die nicht in der Luft stecken, sondern in den vollen Schüsseln und Gläsern, und in den weichen Sesseln und seidenen Betten, wie jener reiche Amsterdamer ein Wort davon reden kann.

Den ganzen Vormittag saß er im Lehnsessel und rauchte Tabak, wenn er nicht zu träge war, oder hatte Maulaffen feil zum Fenster hinaus, aß aber zu Mittag doch wie ein Drescher, und die Nachbarn sagten manchmal: Windet's draußen oder schnauft der Nachbar so? –

Den ganzen Nachmittag aß und trank er ebenso, bald etwas Kaltes, bald etwas Warmes, ohne Hunger und ohne Appetit, aus lauter langer Weile bis an den Abend, also, daß man bei ihm nie recht sagen konnte, wo das Mittagsessen aufhörte und wo das Nachtessen anfing. Nach dem Nachtessen legte er sich ins Bett und war so müd, als wenn er den ganzen Tag Steine abgeladen oder Holz gespalten hätte. Davon bekam er zuletzt einen dicken Leib, der so unbeholfen war wie ein Maltersack. Essen und Schlaf wollten ihm nimmer schmecken, und er war lange Zeit, wie es manchmal geht, nicht recht gesund und nicht recht krank; wenn man aber ihn selber hörte, so hatte er dreihundertfünfundsechzig Krankheiten, nämlich alle Tage eine andere.
Alle Ärzte, die in Amsterdam sind, mußten ihm raten. Er verschluckte ganze Feuereimer voll Mixturen und ganze Schaufeln voll Pulver, und Pillen, wie Enteneier so groß, und man nannte ihn zuletzt scherzweise nur die zweibeinige Apotheke. Aber alle Arzneien halfen ihm nichts, denn er befolgte nicht, was ihm die Ärzte befahlen, sondern sagte: Foudre, wofür bin ich ein reicher Mann, wenn ich soll leben wie ein Hund, und der Doktor will mich nicht gesund machen für mein Geld? Endlich hörte er von einem Arzt, der hundert Stunden weit weg wohnte, der sei so geschickt, daß die Kranken gesund werden, wenn er sie nur recht anschaue, und der Tod geh' ihm aus dem Weg, wo er sich sehen lasse. Zu dem Arzt faßte der Mann ein Zutrauen und schrieb ihm seinen Umstand. Der Arzt merkte bald, was ihm fehlte, nämlich nicht Arznei, sondern Mäßigkeit und Bewegung, und sagte: Wart, dich will ich bald kuriert haben. Deswegen schrieb er ihm ein Brieflein folgenden Inhalts: »Guter Freund, Ihr habt einen schlimmen Umstand, doch wird Euch zu helfen sein, wenn Ihr folgen wollt. Ihr habt ein böses Tier im Bauch, einen Lindwurm mit sieben Mäulern. Mit dem Lindwurm muß ich selber reden, und Ihr müßt zu mir kommen. Aber fürs erste, so dürft Ihr nicht fahren, oder auf dem Rößlein reiten, sondern auf des Schuhmachers Rappen, sonst schüttelt Ihr den Lindwurm, und er beißt Euch die Eingeweide ab, sieben Därme auf einmal ganz entzwei. Fürs andere dürft Ihr nicht mehr essen, als zweimal des Tages einen Teller voll Gemüse, mittags ein Bratwürstlein dazu, und nachts ein Ei, und am Morgen ein Fleischsüpplein mit Schnittlauch darauf. Was Ihr mehr esset, davon wird nur der Lindwurm größer, also daß er Euch die Leber erdrückt, und der Schneider hat Euch nimmer viel anzumessen, aber der Schreiner. Dies ist mein Rat, und wenn Ihr mir nicht folgt, so hört Ihr im andern Frühjahr den Kuckuck nimmer schreien. Tut, was Ihr wollt!«
Als der Patient so mit sich reden hörte, ließ er sich sogleich am andern Morgen die Stiefel salben und machte sich auf den Weg, wie ihm der Doktor befohlen hatte.

Den ersten Tag ging es so langsam, daß wohl eine Schnecke hätte können sein Vorreiter sein, und wer ihn grüßte, dem dankte er nicht, und wo ein Würmlein auf der Erde kroch, das zertrat er. Aber schon am zweiten und am dritten Morgen kam es ihm vor, als wenn die Vögel schon lange nimmer so lieblich gesungen hätten wie heute, und der Tau schien ihm so frisch und die Kornrosen im Feld so rot, und alle Leute, die ihm begegneten, sahen so freundlich aus, und er auch, und alle Morgen, wenn er aus der Herberge ausging, war's schöner, und er ging leichter und munterer dahin, und als er am achtzehnten Tage in der Stadt des Arztes ankam und den andern Morgen aufstand, war es ihm so wohl, daß er sagte: »Ich hätte zu keiner ungeschickteren Zeit können gesund werden als jetzt, wo ich zum Doktor soll. Wenn's mir doch nur ein wenig in den Ohren brauste, oder das Herzwasser lief mir.«

Als er zum Doktor kam, nahm ihn der Doktor bei der Hand und sagte ihm: »Jetzt erzählt mir denn noch einmal von Grund aus, was Euch fehlt.« Da sagte er: »Herr Doktor, mir fehlt gottlob nichts, und wenn Ihr so gesund seid wie ich, so soll's mich freuen.« Der Doktor sagte: »Das hat Euch ein guter Geist geraten, daß Ihr meinen Rat befolgt habt.
Der Lindwurm ist jetzt abgestanden. Aber ihr habt noch Eier im Leib, deswegen müßt Ihr wieder zu Fuß heimgehen und daheim fleißig Holz sägen, daß niemand sieht, und nicht mehr essen, als Euch der Hunger ermahnt, damit die Eier nicht ausschlüpfen, so könnt Ihr ein alter Mann werden,« und lächelte dazu. Aber der reiche Fremdling sagte: »Herr Doktor, Ihr seid ein feiner Kauz, und ich versteh' Euch wohl,« und hat nachher dem Rat gefolgt, und 87 Jahre, 4 Monate, 10 Tage gelebt, wie ein Fisch im Wasser so gesund, und hat alle Neujahr dem Arzt 20 Dublonen zum Gruß geschickt.