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Donnerstag, 9. Juli 2015

Die Sonne weint ...

Der Blick sagt: Freunde fürs Leben.
Der Tag heute ist nicht mehr zu heiß, dass denken fällt nicht mehr ganz so schwer und so mache ich mir ein paar nachdenkliche Gedanken. Im Fernsehen sehe ich schon wieder die Regierungen der europäischen Länder und den Gewinner in meinen Augen eigentlich den Verlierer, den Griechen Tsipras, um Millionen und Milliarden feilschen. Es wird mir schlecht und ich weiß, warum die Sonne weint ... und ich denke an die Zeilen von Ruth-Ursula Westerop.




GERECHTE UNGERECHTIGKEIT

Sie besitzen viele Millionen,
haben zig Häuser, in denen sie wohnen -
oder auch nicht. Ist ja egal.
Auf jeden Fall geht’s um ‘ne riesige Zahl
an Besitz, Yachten und Preziosen.
Sie sorgen dafür, dass die Arbeitslosen
sich im Lande stetig vermehren.
Mit einem Managerlächeln kehren
sie wichtige Werte unter den Teppich.
Was kostet die Welt! Solidarität nebbich.
Ab einer Million muss der Rubel richtig rollen.
Ab zehn Millionen geht’s erst in die Vollen. 
Bei Hundert und noch mehr Millionen,
kann sich Betrug am Staate echt lohnen.
Die Steuerfahndung hat dann über Nacht
das große Zittern in diese Kreise gebracht.
Zuerst ist’s ein Schock, doch dann wird ganz gezielt
mit dem Staatsanwalt um Millionen gedealt.
Ein Hick und Hack, für viele unverständlich.
Es wird gekungelt, verhandelt und dann endlich
sieht man Phönixe aus der Asche schweben.
So gerecht ist eben manchmal das Leben.

Unterdessen sieht man Krause, der wenig besitzt,
wie er über Steuerformularen schwitzt
und rechnet und schreibt und mit einem Male 
denkt er, ich könnt doch die Pendlerpauschale
ganz heimlich um hundert Euro erhöhen.
Mach ich’s geschickt, wird’s keiner sehen.
Wie wär’s, wenn ich noch zwei getürkte Belege,
ganz einfach mal zu den Sonderausgaben lege.

Gesagt, getan und so hat Krause im Ganzen
dreihundert Euro mehr in seinen Finanzen.
Das hat jedoch nicht lange gewährt,
denn die Steuerfahndung hat ihn beehrt
und wegen dreihundert Piepen ganz ungeniert
zum Steuersünder deklarieret.

Da hat mich doch sicher einer verpetzt,
denkt Krause und er erinnert sich jetzt,
schlagartig an so manches und Liechtenstein,
fängt wild an zu toben und herum zu schrei’n:
“Du blöder Beamter! Du Arschloch! Auch Du
schröpfst ja den Staat!” und er schlägt zu.
Das war von Krause, trotz Wut, nicht sehr schlau,
denn nun sitzt er seit Tagen räsonierend im Bau.

Ruth-Ursula Westerop




DIE SONNE WEINT

Ich mein, die Sonne müßte sich verstecken,
wenn sie am Tag entdeckt,
was hier geschieht.
Dass auf der Insel in den allerschönsten Ecken
Beton und Marmor große Kreise zieht.

So manchen Baum, den sie hier kannte,
sucht sie vergebens,
da man ihn gefällt,
und dort, wo es im Sommer dann mal brannte,
steh´n Luxushäuser aus der andren Welt.

Sie sucht auf Hügeln und in Schluchten
nach Schafen, die dort friedlich grasen
und findet in den schönsten Buchten
Asphalt, auf dem die Autos rasen.

Sie sucht, was war
und kann nichts finden,
der Mensch in seiner Gier hat es verbaut.
Die Schönheit dieser Insel darf doch nicht verschwinden -
denkt sie, wenn sie
auf uns herunter schaut.

Kann sein,
 der Morgentau sind ihre Tränen,
obwohl sie uns am Tage fröhlich lacht.
Doch wird sie nachts im All erwähnen,
was man hier aus der Insel macht.

Ruth-Ursula Westerop




SCHIEFE PERSPEKTIVE

Wer heut’ noch glaubt,
er könnt in zwanzig Jahren
einen Mercedes auch als Rentner fahren,
schon davon träumt wie er die Enkel mal beschenkt
und an den sorgenlosen Lebensabend denkt,
der hat doch eine schiefe,
völlig verkorkste Perspektive.

Wer heut’ noch meint,
dass große Worte und Parolen,
mit denen die Politiker sich Wähler holen,
auch später eingelöst und nicht ins Gegenteil verdreht,
weil es ganz groß auf allen Wahlplakaten steht,
der hat auch eine schiefe,
ganz verkorkste Perspektive.

Wer heut’ so lebt,
wie ihn die Eltern mal erzogen,
stets höflich, aufmerksam und nie gelogen,
sich Ethos und Moral auf hohe Sockel stellt
und meint, Wahrheit und Recht regiert die Welt,
der hat gewiss ‘ne schiefe
ganz antiquierte Perspektive.

Wer heut’ noch denkt,
dass Unterschriften und Verträge,
obwohl das Kleingedruckte der Belege,
sich geradezu zu seinem Gegenteil erweisen,
er könnte trotzdem noch sein Recht beweisen,
der hat doch auch ‘ne schiefe,
ganz falsche Perspektive.

Wer heut’ noch hofft, 
die Gier der Menschen könnt sich legen
und das Gefühl zur Mutter Erde würd’ sich regen,
dann gar nicht merkt, wie sie die Umwelt malträtieren,
heut’ alles, selbst das All manipulieren,
der hat doch auch ‘ne schiefe,
völlig verkehrte Perspektive.

Wer heut’ dran denkt,
er könnt mal auf dem Mars verschnaufen
und spart, um sich dort einen Platz zu kaufen,
dann gar nicht merkt, dass man ihm einen großen Bären aufgebunden,
da er, falls ‘s klappen soll, bereits verschwunden,
der hat nun wirklich eine schiefe,
total verdrehte Perspektive.

Wer heut’ als Christ,
die zehn Gebote ehrlich respektiert,
nicht merkt, dass selbst der Klerus manch Gebot negiert
und mit erhob’nem Finger auf den Sünder zeigt,
der munter, ungeniert in fremde Betten steigt,
der hat ‘ne absolute schiefe,
und unbrauchbare Perspektive. 

Wer sich der Zeit anpasst
und Kompromisse schließt,
nicht alles glaubt, was er so heute hört und liest
und sich in dieser hirnverbrannten Welt.
den Blick für Recht und Freiheit noch erhält,
hat eine positive
und zeitgemäße Perspektive.

Ruth-Ursula Westerop

Herzlichst Margot

Kommentare:

  1. Liebe Margot,
    ich mag das Fernsehen nicht mehr anstellen. Immer dieses Gerede umd die Griechen. Ich mag das nicht mehr hören und kann es auch nicht verstehen.
    Bei uns würde kurzer Prozess gemacaht.
    Danke für die Gedichte! Sie passen wirklich gut zur augenblicklichen Lage.
    Liebe Grüße schickt dir
    Irmi

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    1. Liebe Irmi, manchmal habe ich das Gefühl, ich lebe nicht in Deutschland sondern in Griechenland. Es ist einfach furchtbar, das viele Gerede.
      Danke, dass dir die Gedichte gefallen. Wünsche dir ein schönes Wochenende. Liebe Grüße, Margot.

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