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Dienstag, 3. Mai 2016

Die Geschichte von den Glückspelzchen

Heut war ein Tag mit großem Irrtum, denn am frühen Morgen habe ich geglaubt die Sonne würde gleich scheinen. Pustekuchen, eine Stunde später regnete es großen Tropfen, fast den ganzen Tag.
 So habe ich eine Geschichte gesucht um sie euch zu erzählen, statt auf den Balkon zu gehen um Ordnung zu machen.


 Die Geschichte von den Glückspelzchen

In einem fernen Tal, dort wo niemals ein Mensch hinkommt, lebt ein ganz besonderes Volk. Die Menschen sind alle sehr, sehr glücklich und gesund. Doch irgendwie sind sie auch ganz anders als alle uns sonst bekannten Menschen. Sie haben hier gar ganz sonderbare Gebräuche und Rituale. 
Immer, wenn sie sich begegnen, greifen sie in einen Beutel, der mit vielen Glückspelzchen gefüllt ist und schenken sich gegenseitig ein Glückspelzchen. Das löst dann sofort unsagbare Glücksgefühle aus und die Glückspelzchen scheinen niemals auszugehen. Es scheint sogar, als würden sie mit jedem Weiterschenken mehr werden. Doch darüber hat sich noch niemals jemand Gedanken gemacht. 


Eines Tages kommt von ferne her eine Hexe über die Berge in das Tal dieser Menschen, um dort ihre Salben und Tränke zu verkaufen. Den ersten Menschen dem sie begegnet, spricht sie gleich an und preist ihre Wundermittel. Freundlich aber doch etwas verwundert schaut sie dieser an, denn er weiß nicht, was er damit soll. Wie üblich schenkt er ihr ein Glückspelzchen. So etwas ist aber der Hexe aber noch nie passiert. Normalerweise findet doch ihre Medizin reißenden Absatz. Doch hier scheint man nicht einmal zu wissen, was Krankheit und Leid ist. Auch als sie ins Dorf geht, begegnet ihr überall Verwunderung, ob ihrer Heilmittel und statt ein gutes Geschäft zu machen, bekommt sie nur lauter Glückspelzchen. Einen ganzen Sack hat sie nun schon, aber sie ist damit gar nicht zufrieden, denn sie hat nur ihr Geschäft im Kopf. 
Die Hexe überlegt, was zu tun sei und beschließt eine List anzuwenden. Als sie am nächsten Tag ins Dorf geht, spricht sie einen Mann an und sagt zu ihm: Hast du nicht gesehen, was deine Frau soeben gemacht hat? Der Mann schüttelt den Kopf und fragt, was es denn gewesen sein soll? Die Hexe antwortet: Deine Frau hat soeben dem Nachbarn ein Glückspelzchen geschenkt und dessen Kindern sogar zwei! Da lacht der Mann und fragt, was denn daran so besonderes sein soll? Die Hexe antwortet: Denkst du denn überhaupt nicht nach? Wenn deine Frau so verschwenderisch mit den Glückspelzchen umgeht, dann wird sie bald keines mehr für dich haben. Die Glückspelzchen sind doch viel zu wertvoll, als dass man so unbedacht damit umgeht. Nun ist der Mann ganz verwirrt und weiß gar nicht mehr, was er darauf sagen soll. 

Als am Abend die Kinder im Bett liegen, erzählt er seiner Frau von dem Erlebnis mit der Hexe und fragt sie, was sie denn dazu meint? Doch auch sie weiß keine Antwort und ist nun ebenfalls verwirrt, denn darüber hat sie noch nie nachgedacht. Als sie endlich schlafen gehen, haben beide eine unruhige Nacht mit vielen wirren Träumen. Am Morgen beschließt deshalb die Frau, mit ihren Freundinnen darüber zu sprechen, doch auch diese wissen keinen Rat und bald ist das ganze Dorf beunruhigt. Man beschließt, in Zukunft ein bisschen vorsichtiger im Umgang mit den Glückspelzchen zu sein, denn man kann ja nie wissen. 

Bald gibt es die Glückspelzchen nur mehr für besondere Verdienste und auch das wird immer seltener. Da man ja gewohnt ist, sich gegenseitig zu beschenken, stecken sie sich nun immer öfter Steine in ihren Beutel, um sie als Ersatz für die Glückspelzchen zu verwenden. So bleiben die Glückspelzchen im Beutel und statt dessen gibt es harte und kalte Steine. Niemand fällt auf, dass alle misstrauischer geworden sind und das Lachen immer mehr aus ihren Gesichtern verschwunden ist. Man hat sich rasch an die neuen Umstände gewöhnt und lagert die eigenen Glückspelzchen an einem sicheren Ort, wo sie nicht gestohlen werden können. Die Hexe aber jubelt, denn seit es keine Glückspelzchen mehr gibt, sind auch die Menschen krank geworden und das Geschäft mit ihrer Medizin floriert wie nie zuvor. Die Jahre vergehen und an jeder Ecke gibt es nun eine Apotheke, in der man die Wundermittel der Hexe kaufen kann. 

Viele Jahre später, als sich niemand mehr sich an die frühe, glückliche Zeit erinnert, kommt wieder eine Hexe über die Berge in das Tal. Als sie dort die Kinder beim Spielen beobachtet, geht sie zu ihnen, greift in ihren Beutel und schenkt jedem ein Glückspelzchen. Das macht sie nun jeden Tag und manchmal schenkt sie gleich zwei oder drei Glückspelzchenden Kindern. Die Kinder haben viel Freude damit und beginnen ihrerseits sich gegenseitig mit Glückspelzchen zu beschenken. Auch zuhause beschenken sie ihre Eltern und in der Schule die Lehrer. Anfänglich messen dem die Erwachsenen nicht all zu viel Bedeutung zu. Doch als sie bemerken, dass die Kinder nur noch Glückspelzchen verschenken, nehmen sie ihren Nachwuchs ins Gebet, um diesen den sorgfältigen Umgang mit Glückspelzchen zu lehren. Sorgenvoll beschließen sie auch, dieses Problem im Ältestenrat vorzubringen. Dort wird dann auch bald ein Gesetz erlassen, welches den Umgang mit Glückspelzchen regeln soll. Doch alles hilft nichts mehr, die Kinder sind nicht mehr zu bremsen und schenken weiterhin großzügig überall ihre Glückspelzchen her. 

Die Erwachsenen werden langsam älter und kränklicher und sterben nach und nach. Aus den Kindern wächst eine neue, glückliche Generation heran, die bei jeder Gelegenheit Glückspelzchen verschenkt. Und so gibt es wieder ein fernes Tal, in dem nur gesunde und glückliche Menschen leben.

Die Geschichte von den Glückspelzchen, frei nacherzählt vom Lebensberater Rudolf Kronreif. 


Woher kommt der Ausdruck "Pustekuchen"?

"Pustekuchen", das klingt zwar nach einer Spezialität aus dem heißen Backrohr, hat aber mit leckeren Süßwaren gar nichts zu tun. "Pustekuchen" hat in etwa die gleiche Bedeutung wie "Denkste!". Wir sagen es meist voller Schadenfreude, wenn sich jemand umsonst Hoffnungen gemacht hat oder etwas getan hat, was nicht gerade klug war.
Genau das bedeutet "Pustekuchen" ja auch: "Weniger klug"! Der Ausdruck setzt sich aus zwei jiddischen Wörtern zusammen: Puste kommt von "poschut" - das heißt "wenig". Kuchen kommt von "chochem". Das bedeutet "klug", "wissend", "gewitzt".
Jiddisch ist die Sprache, die die Juden in Deutschland und Osteuropa verwendeten. Sie vermischten dabei Wörter aus ihrer ursprünglichen Sprache, dem Hebräischen, mit der Sprache des Landes, in dem sie lebten.

Noch heute gebrauchen wir - meist ohne es zu wissen - in Sprichwörtern und Redewendungen viele Begriffe aus dem Jiddischen. Von "chochem" stammt zum Beispiel auch das deutsche Wort "ausgekocht", das so viel wie "umtriebig" oder "schlau" bedeutet.



Kommentare:

  1. Ich lasse mal ein paar Glückspelzchen hier :)
    LG Eva

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    1. Danke liebe Eva, darüber freue ich mich sehr.
      Liebe Grüße, Margot.

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  2. Guten Morgen liebe Margot,
    ich habe vor vielen Jahren auch einmal so ein Glückspelzchen geschenkt bekommen. Ich denke, dass es dazu beigtragen hat, dass ich ein glücklicher Mensch geblieben bin trotz einiger Tiefschläge.
    Herzliche Grüße
    Regina

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    1. Guten Morgen liebe Regina,
      bis zum gestrigen Tag habe ich nicht einmal gewusst, dass es Glückspelzchen gibt. Es ist schön, dass du "Eins" bekommen hast, aber dass du ein glücklicher Mensch bist, liegt an dir selbst.
      Ganz liebe Grüße, sendet dir Margot.

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  3. Liebe Margot,
    ich kannte Glückspelzchen bislang auch nicht.
    Deine Geschichte ist wieder wundeschön.
    Einen angenehmen Restabend wünscht dir
    Irmi

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    1. Liebe Irmi,
      ich finde es schön, dass du auch keine kanntest. Fühle mich dadurch etwas besser. :-)
      Dass du diese Geschichte wunderschön findest, finde ich herrlich. Danke.
      Liebe Grüße, Margot.

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