Seiten

Mittwoch, 18. Mai 2016

Der geheilte Patient

Nach Gedichten kann wieder eine nette Geschichte gelesen werden. Es ist ein Thema was zu jeder Zeit aktuell ist. 


Der geheilte Patient
J. P. Hebel

Reiche Leute haben, trotz ihrer gelben Vögel, doch manchmal auch allerlei Lasten und Krankheiten auszustehen, von denen gottlob der arme Mann nichts weiß; denn es gibt Krankheiten, die nicht in der Luft stecken, sondern in den vollen Schüsseln und Gläsern, und in den weichen Sesseln und seidenen Betten, wie jener reiche Amsterdamer ein Wort davon reden kann.

Den ganzen Vormittag saß er im Lehnsessel und rauchte Tabak, wenn er nicht zu träge war, oder hatte Maulaffen feil zum Fenster hinaus, aß aber zu Mittag doch wie ein Drescher, und die Nachbarn sagten manchmal: Windet's draußen oder schnauft der Nachbar so? –

Den ganzen Nachmittag aß und trank er ebenso, bald etwas Kaltes, bald etwas Warmes, ohne Hunger und ohne Appetit, aus lauter langer Weile bis an den Abend, also, daß man bei ihm nie recht sagen konnte, wo das Mittagsessen aufhörte und wo das Nachtessen anfing. Nach dem Nachtessen legte er sich ins Bett und war so müd, als wenn er den ganzen Tag Steine abgeladen oder Holz gespalten hätte. Davon bekam er zuletzt einen dicken Leib, der so unbeholfen war wie ein Maltersack. Essen und Schlaf wollten ihm nimmer schmecken, und er war lange Zeit, wie es manchmal geht, nicht recht gesund und nicht recht krank; wenn man aber ihn selber hörte, so hatte er dreihundertfünfundsechzig Krankheiten, nämlich alle Tage eine andere.
Alle Ärzte, die in Amsterdam sind, mußten ihm raten. Er verschluckte ganze Feuereimer voll Mixturen und ganze Schaufeln voll Pulver, und Pillen, wie Enteneier so groß, und man nannte ihn zuletzt scherzweise nur die zweibeinige Apotheke. Aber alle Arzneien halfen ihm nichts, denn er befolgte nicht, was ihm die Ärzte befahlen, sondern sagte: Foudre, wofür bin ich ein reicher Mann, wenn ich soll leben wie ein Hund, und der Doktor will mich nicht gesund machen für mein Geld? Endlich hörte er von einem Arzt, der hundert Stunden weit weg wohnte, der sei so geschickt, daß die Kranken gesund werden, wenn er sie nur recht anschaue, und der Tod geh' ihm aus dem Weg, wo er sich sehen lasse. Zu dem Arzt faßte der Mann ein Zutrauen und schrieb ihm seinen Umstand. Der Arzt merkte bald, was ihm fehlte, nämlich nicht Arznei, sondern Mäßigkeit und Bewegung, und sagte: Wart, dich will ich bald kuriert haben. Deswegen schrieb er ihm ein Brieflein folgenden Inhalts: »Guter Freund, Ihr habt einen schlimmen Umstand, doch wird Euch zu helfen sein, wenn Ihr folgen wollt. Ihr habt ein böses Tier im Bauch, einen Lindwurm mit sieben Mäulern. Mit dem Lindwurm muß ich selber reden, und Ihr müßt zu mir kommen. Aber fürs erste, so dürft Ihr nicht fahren, oder auf dem Rößlein reiten, sondern auf des Schuhmachers Rappen, sonst schüttelt Ihr den Lindwurm, und er beißt Euch die Eingeweide ab, sieben Därme auf einmal ganz entzwei. Fürs andere dürft Ihr nicht mehr essen, als zweimal des Tages einen Teller voll Gemüse, mittags ein Bratwürstlein dazu, und nachts ein Ei, und am Morgen ein Fleischsüpplein mit Schnittlauch darauf. Was Ihr mehr esset, davon wird nur der Lindwurm größer, also daß er Euch die Leber erdrückt, und der Schneider hat Euch nimmer viel anzumessen, aber der Schreiner. Dies ist mein Rat, und wenn Ihr mir nicht folgt, so hört Ihr im andern Frühjahr den Kuckuck nimmer schreien. Tut, was Ihr wollt!«
Als der Patient so mit sich reden hörte, ließ er sich sogleich am andern Morgen die Stiefel salben und machte sich auf den Weg, wie ihm der Doktor befohlen hatte.

Den ersten Tag ging es so langsam, daß wohl eine Schnecke hätte können sein Vorreiter sein, und wer ihn grüßte, dem dankte er nicht, und wo ein Würmlein auf der Erde kroch, das zertrat er. Aber schon am zweiten und am dritten Morgen kam es ihm vor, als wenn die Vögel schon lange nimmer so lieblich gesungen hätten wie heute, und der Tau schien ihm so frisch und die Kornrosen im Feld so rot, und alle Leute, die ihm begegneten, sahen so freundlich aus, und er auch, und alle Morgen, wenn er aus der Herberge ausging, war's schöner, und er ging leichter und munterer dahin, und als er am achtzehnten Tage in der Stadt des Arztes ankam und den andern Morgen aufstand, war es ihm so wohl, daß er sagte: »Ich hätte zu keiner ungeschickteren Zeit können gesund werden als jetzt, wo ich zum Doktor soll. Wenn's mir doch nur ein wenig in den Ohren brauste, oder das Herzwasser lief mir.«

Als er zum Doktor kam, nahm ihn der Doktor bei der Hand und sagte ihm: »Jetzt erzählt mir denn noch einmal von Grund aus, was Euch fehlt.« Da sagte er: »Herr Doktor, mir fehlt gottlob nichts, und wenn Ihr so gesund seid wie ich, so soll's mich freuen.« Der Doktor sagte: »Das hat Euch ein guter Geist geraten, daß Ihr meinen Rat befolgt habt.
Der Lindwurm ist jetzt abgestanden. Aber ihr habt noch Eier im Leib, deswegen müßt Ihr wieder zu Fuß heimgehen und daheim fleißig Holz sägen, daß niemand sieht, und nicht mehr essen, als Euch der Hunger ermahnt, damit die Eier nicht ausschlüpfen, so könnt Ihr ein alter Mann werden,« und lächelte dazu. Aber der reiche Fremdling sagte: »Herr Doktor, Ihr seid ein feiner Kauz, und ich versteh' Euch wohl,« und hat nachher dem Rat gefolgt, und 87 Jahre, 4 Monate, 10 Tage gelebt, wie ein Fisch im Wasser so gesund, und hat alle Neujahr dem Arzt 20 Dublonen zum Gruß geschickt.



Dienstag, 17. Mai 2016

Die Eisheiligen - wann sind sie vorbei ...

Nun können langsam aber sicher, die Eisheiligen zu Ende gehen. Kann mich nicht erinnern, in welchem Jahr, ich Mitte Mai noch die Heizung anhatte. Meine Blumen schauen auch ganz traurig in die Welt ... sie sind so traurig, dass sie sich nicht mal zeigen möchten.





DER ERSTE

Wer ist zuerst wohl im Frühling wach?
Das ist die Weide, die Weid' am Bach. 
Eh noch geschmolzen das letzte Eis,
trägt sie schon Knospen, schön silberweiß.
Wer sagt ihr's wohl, dass sie nicht sich irrt
und sicher weiß, dass es Frühling wird?
Die Lerche sang in der Luft so laut,
der Weide hat sie es anvertraut.
Die sagt's nun weiter: "Auf, lasst euch seh'n,
ihr Blumen, Zeit ist es aufzusteh'n!"
O seht, schon durftet ein Veilchen hier;
Dank sei dir, Lerche, und Weide, dir!

Johannes Trojan (1837 - 1915)



DIE SCHÖNSTE

Wenn der Winter von dannen scheidet
und die Blumen im Grase blüh'n,
wer ist lieblicher wohl gekleidet
als die Birke in lichtem Grün!

Alles hat ja zur Frühlingsfeier
schön geziert sich, Baum, Strauch und Kraut;
aber die Birke in zartem Schleier
ist die Schönste, sie ist die Braut.

Johannes Trojan (1837 - 1915)


Vogel


Frühling





Hoch oben von dem Eichenast
eine bunte Meise läutet,
ein frohes Lied, ein helles Lied,
ich weiß auch, was es bedeutet.

Es schmilzt der Schnee,
es kommt das Gras,
die Blumen werden blühen;
es wird die ganze weite Welt
in Frühlingsfarben glühen.

Die Meise läutet Frühling ein,
ich hab' es schon lange vernommen;
er ist zu mir bei Eis und Schnee
mit Singen und Klingen gekommen.

Hermann Löns 


Bienchen


ÜBER'N GARTEN
DURCH DIE LÜFTE

Über'n Garten durch die Lüfte
hört' ich Wandervögel zieh'n.
Was bedeutet Frühlingsdüfte,
unten fängt's schon an zu blüh'n.

Jauchzen möcht' ich, möchte weinen,
ist mir's doch, als könnt's nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
mit dem Mondesglanz herein.

Und der Mond, die Sterne sagen's
und in Träumen macht's der Hain
und die Nachtigallen schlagen's:
Sie ist Deine, sie ist Dein!

Joseph Freiherr von Eichendorff 


Herzlichst Margot

Montag, 16. Mai 2016

Spruchweisheiten 4

Es gibt noch viele Spruchweisheiten, die ich nicht kenne, und ich freue mich, wenn ich noch viele finde, die nicht so überlaufen sind. Ich liebe Sprüche, die mich aufmerksam auf mein Leben machen und mir auch einen Spiegel vors Gesicht halten.

Um durch die Welt zu kommen, ist es zweckmäßig, einen großen Vorrat von Vorsicht und Nachsicht mitzunehmen.
Arthur Schopenhauer

Die Laster stritten, wer von ihnen am eifrigsten gewesen sei, dem Bösen in der Welt zu dienen. Den Sieg erhielt - die Heuchelei.
Johann W. L. Gleim

Wenn das Gesetz einen Menschen tötet, der ein Verbrechen bereut, tötet es einen Unschuldigen.
Hugues F. R. de Lamennais

Unter den Fehlern, die wir in der Erziehung unserer Kinder machen, leiden am meisten unsere Enkel.
Imogene Fey

Wenige Dinge auf Erden sind lästiger als die stumme Mahnung, die von einem guten Beispiel ausgeht.
Mark Twain

Der Name ist heutzutage das einzige, welches die Menschen am Teufel nicht mögen.
Friedrich Hebbel

Der Mensch, der es unternimmt, andere zu bessern, verschwendet seine Zeit, wenn er nicht bei sich selbst beginnt.
Ignatius von Loyola

Die Jugend macht sich die Moral zu einfach. Ein Glück, dass wir Erwachsenen dafür eine doppelte haben.
Karl-Heinz Steeg

Wer zum Glück der Welt beitragen möchte, der sorge zunächst einmal für eine glückliche Atmosphäre in seinem eigenen Haus.
Albert Schweitzer

Ein Gastgeber ist wie ein Feldherr: Erst, wenn etwas schiefgeht, zeigt sich sein Talent.
Horaz

Eine Kleinstadt ist eine Stadt, in der die wichtigsten Lokalnachrichten nicht gedruckt, sondern gesprochen werden.
Jacques Tati

Toleranz kann man von den Rauchern lernen. Noch nie hat sich ein Raucher über einen Nichtraucher beschwert.
Sandro Pertini

Bedarf ein Armer der Hilfe dein, so lass dir nicht erst seinen Lebenslauf lesen; fürs Erste muss man wohltätig sein, dann prüfen, ob man's mit Recht gewesen.
Ignaz Franz Castelli

Erst wenn man genau weiß, wie die Enkel ausgefallen sind, kann man beurteilen, ob man seine Kinder gut erzogen hat.
Erich Maria Remarque

Jeder Mensch hat auch seine moralische backside, die er ohne Not nicht zeigt und die er solange wie möglich mit den Hosen des guten Anstandes zudeckt.
Georg Christoph Lichtenberg

Wo das Geld spricht, schweigt die Wahrheit.
aus Russland

Unrecht, durch Unrecht bekämpft, wird noch mächtiger.
Peter Rosegger

Wir haben verlernt, die Augen auf etwas ruhen zu lassen. Deshalb erkennen wir so wenig.
Jean Giono

Keiner ist so taub wie der, der nicht hören will.
aus Frankreich

Ob die Weiber soviel Vernunft haben wie die Männer, mag ich nicht entscheiden, aber sie haben ganz gewiss nicht soviel Unvernunft.
Johann Gottfried Seume

Dem Geld darf man nicht nachlaufen. Man muss ihm entgegengehen.
Aristoteles Onassis

Der Verständige findet fast alles lächerlich, der Vernünftige fast nichts.
Johann Wolfgang von Goethe

Zu viele Leute beschweren sich, dass das Leben keinen Sinn habe, statt zu helfen, dass es einen Sinn erhält.
Anton Neuhäusler

Der Sinn des Reisens ist, an ein Ziel zu kommen, der Sinn des Wanderns, unterwegs zu sein.
Theodor Heuss

Viele, von denen man glaubt, sie seien gestorben, sind bloß verheiratet.
Francoise Sagan

Man erschrickt nur vor Drohungen; mit vollendeten Tatsachen findet sich der Mensch schnell ab.
Oswald Spengler

Die Landschaft erobert man mit den Schuhsohlen, nicht mit den Autoreifen.
Georges Duhamel

Bescheidenheit ist eine Eigenschaft, für die der Mensch bewundert wird, falls die Leute je von ihm hören sollten.
Edgar Watson Howe

Die Fähigkeit, auf welche die Menschen den meisten Wert legen, ist die Zahlungsfähigkeit.
Oskar Blumenthal

Vom Standpunkt der Jugend aus gesehen ist das Leben eine unendlich lange Zukunft; vom Standpunkt des Alters aus eine sehr kurze Vergangenheit.
Arthur Schopenhauer


Mit diesem Spruch, der für mich die ganze Wahrheit beinhaltet, möchte ich für heute die Sprüche-Suche beenden. Wie gerne würde ich mein Leben noch einmal, vom Standpunkt der Jugend aus, betrachten und erleben.



Sonntag, 15. Mai 2016

Ein teurer Kopf und ein wohlfeiler ...

An Feiertagen hat man meistens Zeit zu relaxen und Geschichten zu lesen. Wenn es auch noch kalt ist wie heute und man bleibt im Haus, umso besser. Es muss nicht stimmen, nur meine Gedanken sind so. Deshalb wieder ein paar Geschichten.





Ein teurer Kopf und ein wohlfeiler

J. P. Hebel

Als der letzte König von Polen noch regierte, entstand gegen ihn eine Empörung, was nichts Seltenes war. Einer von den Rebellen, und zwar ein polnischer Fürst, vergaß sich so sehr, daß er einen Preis von 20 000 Gulden auf den Kopf des Königs setzte. Ja, er war frech genug, es dem König selber zu schreiben, entweder, um ihn zu betrüben oder zu erschrecken. Der König aber schrieb ihm gang kaltblütig zur Antwort: »Euren Brief habe ich empfangen und gelesen. Es hat mir einiges Vergnügen gemacht, daß mein Kopf bei Euch noch etwas gilt. Denn ich kann Euch versichern, für den Eurigen gäb' ich keinen roten Heller.«


Der Pfarrer und der Regen

Volkstümlich

In einem Dorfe begehrten die Bauern von ihrem Pfarrer, daß er ihnen einen Regen von Gott zuwege bringen sollte, weil er ihnen in der Predigt gesagt, daß der Glaub' alles vermöge. Er gab ihnen zur Antwort, er sei ein Pfarrer für alle, und nicht für etliche allein; sie sollten deswegen zusammen kommen. Als dies geschehen, fragte er einen jeden insbesondere, was er für ein Wetter begehrte. Da begehrte einer Regen, der andere schön Wetter, ein dritter halb Sonnenschein und halb Regen; und ein vierter, der nichts im Haus und wenig im Felde hatte, sagte aus Verdruß, er wolle gar kein Wetter. Da antwortete der Pfarrer: »Da ihr euch wegen des Wetters nicht eins werden könnt, so kann ich euch von Gott auch nichts zuwege bringen.«


Das betrogene Dorf

Volkstümlich

Die Bauern von Nieder-Quassow wollten doch auch einmal ein richtiges Theaterstück sehen, wie die reichen Leute in der Stadt. Als daher eines Tages ein Kerl mit einer bunten Schellenkappe auf dem Kopf durch das Dorf klingelte und ausrief, daß nachmittags um die und die Stunde in Buhlemanns großer Scheune werde ein erschrecklich lustiges Stück aufgeführt werden, »Das betrogene Dorf«, da lief, als es dunkel wurde, alles, was Beine hatte, hin, und die alte Mutter Ziegenthee nahm sich ihren Melkstuhl mit, weil sie das Zittern in den Knien hatte. Vor dem Tor der Scheune stand der Schellenmann und forderte das Geld ein, für den ersten Platz mehr, für den zweiten weniger, Kinder und Soldaten die Hälfte, es war aber keine Einquartierung im Dorf. Als nun das ganze Dorf versammelt war, bloß der lahme Jochem fehlte noch, wohl, weil er nicht so schnell heranhumpeln konnte, da rief der Schellenmann, er wolle nun rasch hinter den Vorhang springen und sich zu dem Stück umziehen, eine Viertelstunde werde es wohl dauern. So saßen die Bauern leise und laut vor dem Vorhang, den der Fremde aus sechsen von Buhlemanns Laken zusammengenäht hatte. Es dauerte zehn Minuten, es dauerte auch zwanzig, da kam endlich auch der lahme Jochem, der hatte durchs Fenster steigen müssen, weil seine Frau ihn in der Eile eingeschlossen hatte. Der Jochem fragte: »Ist das Stück noch nicht im Gang?« Die Bauern sagten: »Der Mann mit der Klingel meinte, es dauere eine Viertelstunde.« »Ja, hat er denn noch nicht aufgezogen?« fragte Jochem griemelnd weiter. »Nein!« sagten die Bauern. »Ich glaube,« fuhr Jochem fort, »er hat schon längst aufgezogen, nicht den Vorhang, sondern das ganze Dorf, und Ihr habt alle mitgespielt in dem Stück, worüber Ihr Euch so sehr verwundern wolltet!« »Wieso?« fragten die Bauern. »Ja, ich meine, der Kerl ist längst über alle Berge!« Da sprangen die Quassower hinter den Vorhang, da war es leer, aber die Hintertür stand ein wenig auf, und auf dem Boden lag die Schüssel, die der Schellenmann Buhlemann entliehen und wenigstens nicht mitgenommen hatte.
Herzlichst Margot   

Samstag, 14. Mai 2016

Pfingstfest ... ein fauler Tag.

Nun habe ich mir überlegt, schreibe ich eine Geschichte auf oder lasse ich mich heute einfach fallen. Einfach faul sein und mich hängen lassen. Ja, dies gefällt mir, ich bin faul aber schreibe vorher doch noch ein paar nette Geschichten auf.


Der Pfarrer und der Regen

Volkstümlich

In einem Dorfe begehrten die Bauern von ihrem Pfarrer, daß er ihnen einen Regen von Gott zuwege bringen sollte, weil er ihnen in der Predigt gesagt, daß der Glaub' alles vermöge. Er gab ihnen zur Antwort, er sei ein Pfarrer für alle, und nicht für etliche allein; sie sollten deswegen zusammen kommen. Als dies geschehen, fragte er einen jeden insbesondere, was er für ein Wetter begehrte. Da begehrte einer Regen, der andere schön Wetter, ein dritter halb Sonnenschein und halb Regen; und ein vierter, der nichts im Haus und wenig im Felde hatte, sagte aus Verdruß, er wolle gar kein Wetter. Da antwortete der Pfarrer: »Da ihr euch wegen des Wetters nicht eins werden könnt, so kann ich euch von Gott auch nichts zuwege bringen.«

Die größte Sparsamkeit

Volkstümlich


Es waren einmal zwei Freunde, die trieben den Geiz und die Sparsamkeit gleichsam als Lebensberuf und Hauptamt und setzten eine besondere Ehre darein, sich, wie und wo sie nur konnten, gegenseitig in der schönen Kunst der

Pfennigsammelei zu übertreffen. Als sie nun eines Abends in vertraulicher Unterhaltung zusammensaßen, stand der eine auf und löschte das Licht. »Was fällt dir ein?« fragte der andre. »Um sich bloß zu unterhalten, braucht man kein Licht. Das kann man sparen«, war die Antwort. Nun saßen also die beiden im Stockfinstern, ließen sich aber dadurch in ihrem Geplauder nicht stören. Auf einmal hörte derjenige, welcher soeben das Licht gelöscht hatte, ein eigentümliches Geknister, das er sich nicht zu erklären vermochte. »Was machst du da?« fragte er den andern. »Och,« versetzte dieser, »es ist ja dunkel, drum streife ich bloß meine Hosen herunter, damit sie nicht verschleißen.«


Die betrogenen Zecher

J. P. Hebel

Zwei Zechbrüder besuchten oft, eine Stunde weit, einen Freund aufs Mittagessen, weil er guten Neuen hatte und nicht geizig damit war. An seinem Geburtstage, als sie wiederkamen, hatte jeder vorher einen Hering gegessen, wegen dem Durst, und schwitzten Tropfen wie Haselnüsse; denn es war am 8. August, Zyriak hieß er, da dachte der Herr Zyriak: »Ich will doch einmal sehen, ob ich der gute Freund bin, oder mein Wein.« Also nahm er den einen vor dem Essen auf die Seite und sagte: »Gevatter, tut mir den Gefallen, und helft mir den Apotheker (das war der andere) unter den Tisch trinken. Wir wollen gelbgefärbtes Wasser trinken, und Ihr müßt fleißig mit ihm anstoßen auf den Zyriak, immer einen Ganzen!« Das war dem Gevatter recht. Drauf nahm er den Apotheker auf die Seite und sagte: »Helft mir heute meinen Gevattermann zudecken!« und tat ihm den nämlichen Vorschlag. Dem Apotheker war's auch recht, und jeder dachte, das gibt einen Spaß. Also tranken sie miteinander sieben Maß Wasser, Durlacher Eich, über der Mahlzeit und noch drei Maß stehenden Fußes auf viel nachfolgende. Als er ihnen die vierte einschenken wollte, sagte der Gevattersmann: »Ich kann nimmer, er ist mir zu stark!« Der Apotheker sagte: »Ich kann auch nimmer. Ich muß noch Süßholz kochen, wenn ich heimkomme!« Doch nahmen sie noch eins zur schuldigen Danksagung. Unterwegs sagte der Gevatter des Zyriak: »Apotheker, heut' habt Ihr ein Meisterstück gemacht, ich kann nicht begreifen, wie Ihr noch aufrecht gehen könnt!« Der Apotheker sagte: »Mich wundert, daß Ihr nicht blindhagelvoll seid!« »So,« sagte der Gevattersmann, »drum hab' ich Wasser getrunken!« Da gingen dem Apotheker die Augen auf, und er sagte: »Ich auch!« Da gingen dem Gevattersmann auch die Augen auf.

Freitag, 13. Mai 2016

Bück dich, Mann - Volksschwank

Heute kommen wieder 2 nette Geschichten zur Kenntnis. Die eine Geschichte ist von Ludwig Auerbach, die andere Geschichte ein Volksschwank. Beide Geschichten machen Spaß sie zu lesen.



Die Hasenjagd
Ludwig Auerbacher
Zeichnung: Hans von Volkmann

Ich weiß nicht, ist es ein Schwabe oder ein anderer deutscher Landsmann gewesen, der einmal von einem Hasen hübsch angeführt worden ist. Es hatte nämlich ein langanhaltender Regen die Gegend so sehr überschwemmt, daß fast alles Wild in den Niederungen zugrunde gegangen war. In dieser Not hatte sich ein Häslein schwimmend auf einen Weidenbaum gerettet, der noch aus dem Wasser hervorragte. Das sah ein Bauer von seiner einsamen Hütte aus, und er dachte sich: der Hase wäre doch mehr geborgen in seiner Küche, als dort auf dem Baume, wo er ohnehin zuletzt doch versaufen oder verhungern müßte. Also zimmerte er ein paar Bretter zusammen, und ruderte damit gegen den Weidenbaum zu, um den Hasen zu fischen. Der aber mochte dabei auch seine Gedanken und Pläne im Kopfe haben, wie sich's aus der Folge ergeben wird. Denn wie nun der Bauer anfuhr und sich an den Zweigen hinaufhob, ersah sich der Hase den rechten Augenblick und sprang über den Bauern hinweg auf das bretterne Fahrzeug, das, durch den Aufsprung in Bewegung gebracht, nun fortschwamm, wohin es das Wasser führte. Beim nächsten Bühel, wo es anfuhr, sprang der Hase aufs Trockene und dankte, wie es schien, seinem Erretter mit einem allerliebsten Männle. Der Bauer aber säße wohl noch auf dem Baume, wenn ihn nicht die Nachbarn heimgeholt hätten, die ihn nun ob seiner Hasenjagd brav auslachten.

Zeichnung: Hans von Volkmann


Bück dich, Mann
Volksschwank

Der Herr Pastor hatte in seinem Garten einen Birnbaum, der hing voll schöner reifer Früchte, die am Montag abgenommen werden sollen. Als nun der geistliche Herr am Sonntag früh einen Gang durch sein Gärtlein machen will, um noch ein wenig an der Predigt zu lernen, sieh an, da hat jemand über Nacht an den Birnen Gefallen gefunden; der Baum ist rein abgepflückt bis auf eine einzige Birne. Da hatte es nun mit dem Lernen der Predigt seine Schwierigkeit, aber der Pfarrer denkt: Wartet ihr! steckt die letzte Birne in die Tasche und begibt sich nach der Kirche. Als er nun auf dem Predigtstuhl steht, hält er eine schöne Ansprache, die seiner Gemeinde so recht erbaulich zu Herzen geht. Auf einmal kommt er aber auf den Diebstahl zu sprechen, nimmt die Birne in die Hand und ruft: »Wehe dem, der heute nacht meinen Birnbaum geplündert hat, der Spitzbube, ich kenne ihn genau! Dem werfe ich jetzt die Birne an den Kopf!« Als der streitbare Pfarrherr nun mit dem Arm ausholt, da ruft eine Frau aus der andächtigen Menge ihrem Manne halblaut zu: »Bück' dich, Mann, er wirft!«



Ein wenig Heiterkeit darf auch zu Pfingsten sein.

Donnerstag, 12. Mai 2016

Soll ich lachen, soll ich klagen ...

Heute habe ich überlegt, schreibe ich eine Geschichte auf oder ein paar Gedichte. Für Gedichte habe ich mich entschieden, sie machen mich locker, locker auf Frühling. Habe heute meine ersten "Blumen-Köpfchen" fotografiert. Sie sind noch sehr Klein und geben nicht die Vielfalt meiner Pflanzen wider, muss einfach abwarten.







Wenn der Frühling auf die Berge steigt 
Und im Sonnenstrahl der Schnee zerfließt, 
Wenn das erste Grün am Baum sich zeigt 
Und im Gras das erste Blümlein sprießt – 
Wenn vorbei im Tal 
Nun mit einem Mal 
Alle Regenzeit und Winterqual, 
Schallt es von den Höhn 
Bis zum Tale weit: 
O, wie wunderschön 
Ist die Frühlingszeit!
Friedrich Martin von Bodenstedt






Soll ich lachen, soll ich klagen,
Daß die Menschen meist so dumm sind,
Stets nur Fremdes wiedersagen
und in Selbstgedachtem stumm sind!

Nein, den Schöpfer will ich preisen,
Daß die Welt so voll von Toren,
Denn sonst ginge ja der Weisen
Klugheit unbemerkt verloren.
Friedrich Martin von Bodensted




Im Winter trink' ich und singe Lieder
aus Freude, daß der Frühling nah ist,
und kommt der Frühling, trink' ich wieder,
aus Freude, daß er endlich da ist.
Friedrich Martin von Bodenstedt




Wenig große Lieder bleiben,
mag ihr Ruhm auch stolzer sein,
doch die kleinen Sprüche schreiben
sich ins Herz des Volkes ein;
schlagen Wurzel, treiben Blüte,
tragen Frucht und wirken fort.
Wunder wirkt oft im Gemüte
ein geweihtes Dichterwort.
Friedrich Martin von Bodenstedt



In jedes Menschen Gesichte
steht seine Geschichte,
sein Hassen und sein Lieben
deutlich geschrieben.
Sein innerstes Wesen,
es tritt hier ans Licht –
doch nicht jeder kann's lesen,
versteh'n jeder nicht.
Friedrich Martin von Bodenstedt

Herzlichst Margot.



Mittwoch, 11. Mai 2016

Die Dümmere

Das Wetter ist wieder schön, nein, eigentlich sehr schön. Ein leichter Wind lässt nicht zu viel Hitze aufkommen und ich fühle mich wohl. Nur mein Blick auf meine Pflanzen lässt mich nicht Jubeln, aber meine Hoffnung auf ein blumiges Gelingen wächst, die ersten Blumenspitzen sind zu sehen. 
Das Warten auf die ersten Blumen werde ich mir mit kleinen Geschichten verkürzen.

Die Dümmere

Karl Simrock

Es war einmal ein Schlachter, der machte Bankrott. Da sagte er zu seiner Frau: »Nun will ich graben und auf Tagelohn arbeiten.« Als er aber ein paar Tage gearbeitet hatte, da waren ihm seine Hände wund, und er sprach zu seiner Frau: »Ich muß nun wieder schlachten.« Er ging also aufs Land, um sich ein Kalb zu kaufen, und als er in ein Dorf kam, fragte er, ob sie nicht ein Kalb zu verkaufen hätten. »Nein,« sagten die Bauern, »wir haben nicht; aber hier nebenbei wohnt ein Müller, der hat fünf Ochsen.« Da sagte der Schlachter: »Die kann ich auch brauchen,« und ging nach der Mühle.

Als er nun nach der Mühle kam, war der Müller nicht zu Hause. Der aber hatte, als er ausging, zu seiner Frau gesagt: »Wenn da jemand kommen sollte und auf die Ochsen handeln, so kannst du sie nur für fünfzig Taler das Stück losschlagen, für weniger aber sind sie nicht feil.« Nun kam der Schlächter; er fragte die Frau, ob sie ihm nicht die Ochsen verkaufen wollte. »Ja,« sagte sie, »für fünfzig Taler das Stück, für weniger aber nicht.« Der Fleischer war's zufrieden und wollte so viel geben; »aber,« sagte er, »ich habe jetzt nicht so viel bares Geld bei mir. Wenn ich alle fünf auf einmal nehme, so können wir's ja so machen, daß ich zwei gleich mitnehme und dafür die drei übrigen Ihr zum Pfande dalasse, bis ich komme und das volle Kaufgeld bringe.« Die Frau antwortete, daß er es damit halten könnte, wie es ihm gerade paßte, und war froh, einen so schnellen und vorteilhaften Handel abgeschlossen zu haben.
Als nun ihr Mann nach Hause kam, fragte er sie gleich: »Na, hast du die Ochsen verkauft?« – »Jawohl,« antwortete die Frau, »alle fünf auf einmal an einen Schlachter aus der Stadt, das Stück für fünfzig Taler und um keinen Schilling weniger.« »Das ist ein guter Handel,« dachte der Mann, aß erst ein paar Bissen, und nachdem er damit fertig war, verlangte er das Geld zu sehen. Da erwiderte die Frau: »Das Geld habe ich noch nicht bekommen; der Schlächter wird es über vierzehn Tage bringen, wenn er die drei letzten Ochsen abholt. Die hat er so lange zum Pfande hiergelassen, zwei hat er gleich mitgenommen.« – »Nun,« sagte der Mann, »da ist doch auf Gottes weiter Welt kein dümmeres Frauenzimmer als du bist,« und er war sehr ärgerlich und sagte: »Die vierzehn Tage will ich noch warten, kommt aber binnen der Zeit der Schlachter nicht wieder, so reise ich fort von hier und kehre in meinem ganzen Leben nicht zurück, ich müßte denn eine Dümmere finden, als du bist.«
Der Müller wartete nun diese vierzehn Tage; aber wer nicht kam, das war der Schlachter, und so reiste der Müller richtig weg.
Er war schon ziemlich lange gereist, und nirgends in der Welt hatte er noch eine dümmere Frau gefunden, als die, welche er zu Hause gefunden hatte. Da kam er endlich bei einem Schlosse an, in dem eine verwitwete Gräfin wohnte, und hier sprang der Müller in einem weg in die Höhe und gaffte nach dem Himmel hinauf. Die Gräfin wurde seiner vom Fenster aus gewahr und schickte sogleich ihre Kammerjungfer hinunter, um ihn zu fragen, was er doch da vorhätte, oder was ihm fehlte.
Der Müller sagte: »Wir haben oben im Himmel einen Tanz gehalten, da bin ich der Luke zu nahe gekommen und heruntergefallen; nun kann ich gar nicht den rechten Sprung wiederkriegen, um hinaufzukommen. Ich muß nun weitergehen und suchen, ob ich die rechte Fährte anderswo wiederfinde.«
Er tat nun, als ob er fortgehen wollte, und dabei sah er immer noch nach dem Himmel hinauf. Aber die Kammerjungfer hatte der Gräfin kaum die Nachricht von dem Müller gebracht, der aus dem Himmel gefallen war, so kam diese ihm selber nachgelaufen und fragte, wenn er aus dem Himmel gefallen wäre, so kenne er vielleicht auch ihren verstorbenen Mann.
»Jawohl,« sagte der Müller, »den kenne ich ganz gut; eben noch habe ich mit ihm getanzt.« – »Wenn das ist, lieber Mann,« sagte die Gräfin, »so kann Er mir wohl auch berichten, ob mein seliger Mann noch die großen Stiefel trägt mit den goldenen Sporen und seinen grünen Rock?«
Da antwortete der Müller: »Gnädige Frau, der arme Herr hat neulich die goldenen Sporen aus Not verkaufen müssen; die Stiefel hat er noch, aber sie sind schon ganz entzwei, auch den grünen Rock trägt er noch, aber er ist so abgeschabt, daß ihm die Hemdärmel daraus hervorgucken.«
»Gott steh mir bei,« rief die Gräfin aus, »das ist ja eine wahre Schande, wie schlecht es ihm da geht! Hör' Er mal, Er könnte mir einen rechten Gefallen tun, wenn Er für den seligen Herrn etwas Zeug zu einem neuen Rock mitnehmen wollte. Mein Sohn trägt gerade noch dieses Zeug. Ich will Ihm dann auch noch vierhundert Dukaten mitgeben und ein bißchen Gutes zu essen und zu trinken.«
Der Müller sagte, das wolle er von Herzen gern besorgen, und die Gräfin gab ihm dann alles mit auf den Weg.
»Das wäre doch einmal eine, wie ich sie suchte,« sagte der Müller und ging fort.
Bald darauf kam der Junker nach Hause und fand seine Mutter ganz traurig und in großer Betrübnis. Er fragte sie nach der Ursache. »Ach,« sagte die Gräfin, »da war hier eben ein Mann aus dem Himmelreich, der hat mir so schlechte Nachrichten vom seligen Papa gebracht; der hat aus Not schon seine goldenen Sporen verlauft, seine Stiefel sind entzwei, und sein Rock ist zerrissen. Ich habe nun dem Manne etwas Zeug und vierhundert Dukaten mitgegeben; es tut mir wahrhaftig so leid um den seligen Papa.« Der Sohn sah gleich, wie die Sache stand und ließ schnell seinen Schimmel satteln und jagte dem Müller nach.
Es dauerte nicht lange, so merkte der Müller, daß einer hinter ihm drein kam. Verstecken konnte er sich nirgends; aber da begegnete ihm eine alte Frau. Die fragte er, was er ihr geben sollte, wenn sie ruhig eine Zeitlang, ohne ein Wort zu sprechen, unter seinem Mantel auf der Erde sitzen wollte. Die Frau verlangte fünf Taler, aber der Müller gab ihr zehn, wenn sie nur genau das tun wollte, was er verlangte. Das versprach sie und kroch unter den Mantel. Noch einen Augenblick, so war der Junker auf dem Pferde bei ihnen und fragte den Müller, ob er nicht einen Mann habe eilig vorüberlaufen sehen.
Da sagte der Müller: »Jawohl, vor einer Viertelstunde ging einer hier rasch vorüber, und zuweilen lief er sogar. Er nahm den Weg da quer übers Moor, aber wenn Ihr nur auf meinen Bienenkorb hier sehen und die Bienen mir hüten wolltet, so lange bis der ausgeflogene Schwarm wieder drin ist, so wollte ich Euch den Mann bald wieder einbringen.«
Der Junker versprach ihm noch ein gutes Trinkgeld obendrein, stieg ab und wollte die Bienen hüten. Der Müller aber setzte sich schnell auf und jagte mit dem Schimmel davon. Da sah der Junker bald, daß es kein Bienenkorb, sondern eine alte Frau war, und nun ging er ohne den Schimmel nach Hause. Und als ihn seine Frau Mutter fragte, ob er denn den Mann gefunden hätte, so sagte er: »Ja, ich habe ihn bald gefunden und habe ihm auch noch den Schimmel mitgegeben, damit er eher hinkommt.«
Der Müller aber reiste wieder zu seiner Frau, und als er bei ihr ankam mit dem Schimmel und mit den vierhundert Dukaten und mit dem Zeug zu einem neuen grünen Rocke und mit all dem guten Essen und Trinken, das er dem seligen Herrn nach dem Himmel hatte mitnehmen sollen, da sagte er zu ihr: »Nun will ich bei dir bleiben, denn ich habe doch eine Dümmere gefunden, als du bist, und habe sogar noch mehr verdient, als alle fünf Ochsen wert sind.«

Herzlichst Margot