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Donnerstag, 12. Juli 2012

... ein Blick zurück.

Tilsit
Es ist eigenartig, wenn ich mir Fotos von Tilsit anschaue, dann steigt mir das Wasser in die Augen. So wie gestern, als ich mir die Fotos von Tilsit im Internet angeschaut habe, meinem Geburtsort. Dabei kann ich mich, weil ich noch zu klein war, nicht mehr an diese Stadt erinnern. Nur einige Szenen sind mir im Kopf geblieben, als im Juli 1944 unsere Flucht aus Ostpreußen/ Tilsit begann. Vor allem, weil unsere Mutter die Pferde und den Leiterwagen aus der Zellstoff-Fabrik geholt hatte, um ein bisschen Hab und Gut zum Bahnhof zu fahren. Danach vermischen sich viele Szenen, und ich kann oder konnte sie nicht mehr einordnen zu welcher Stadt sie gehören. Es waren ja viele Städte in denen  wir, in dem einen Jahr wo wir unterwegs waren, wohnten oder sie nur durchqueren durften. Unsere Flucht endete im Juli 1945 in Erfurt. In Allenstein, da bin ich mir sicher, starb leider unsere Oma und wurde da auch begraben. Sie hatte Schüttellähmung, Wassersucht und keine Medikamente ...eine traurige, schreckliche Zeit. Ihr habt Recht, vieles aus dieser Zeit kenne ich nur aus den Erzählungen meiner Mutsch, und meiner großen Schwester... sie war 15 Jahre älter als ich. Zu ihr und meinem Bruder waren es nur 13 Jahre Altersunterschied. Ihr seht, ich war die Jüngste, also die "Kleinste", (1,72cm)  und bin es geblieben, bis heute. Leider wurde ich auch so behandelt... vielleicht würde ich es mir noch einmal wünschen, doch es ist, bis auf meinen Bruder in der Ferne, niemand mehr da...  
Nun aber genug mit traurigen Gedanken, ich wollte gar nicht davon erzählen, aber wenn man in der Vergangenheit kramt, da geht einem so vieles durch den Kopf...und muss es auch mal aufschreiben. Zwar in einer sehr kurzen Form, aber es genügt... jedenfalls für heute.  

Herzlichst Margot

Tilsit, Erich- Koch- Straße

Hier, in Tilsit, in der Erich- Koch-Straße, sollen wir eine Zeit gewohnt haben, vorher bei unserer Oma, später "Am Anger".



Anmerkung: Erich- Koch war Gauleiter in Ostpreußen, ein Kriegsverbrecher, wer etwas über ihn wissen möchte: http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Koch



Kommentare:

  1. meine Liebe,

    das sind halt die Geschichten, unsere Geschichten, unsere Vergangenheit ...ich kann sehr gut verstehen und nachvollziehen, dass in manchen Lebensmomenten die Erinnerung, der Schmerz " sich einen ( seinen ) Weg bahnt".

    "Es gibt nie nur eine Geschichte - es gibt immer Viele" sie prägen uns und lassen uns so sein, wie wir heute sind... sich mit der eigenen Vergangenheit, mit den Menschen, die lange vor uns da waren und uns doch Vieles hinterlassen haben, auseinanderzusetzen, zu beschäftigen - ist ( für mich ) ein wichtiger Schritt und eine unglaubliche Bereicherung/ Erfahrung. 1961 geboren, habe ich weder Krieg noch Flucht erlebt, jedoch weiß ich aus den Erzählungen meiner Eltern und Großeltern und aus meiner persönlichen Recherche um diese so schmerzvolle Zeit für alle bewusst/ unbewusst Beteilgten... um die Ohnmacht vor der Macht...

    liebe Margot, ich schicke Dir auf diesem Wege meine besten Wünsche - wir müssen nach Vorne schauen!

    Herzlichsr Birgit

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    1. liebe Birgit, Du findest immer die richtigen Worte für mich, Danke...Geschichten aus der Vergangenheit gibt es so viele, auch sehr schöne Geschichten die das Leben bereichern, Vergangenheit ist gelebtes Leben, deshalb für mich sehr wertvoll...ich bin kein Mensch der von Traurigkeit durchdrungen ist, aber wie du schon geschrieben hast, manchmal macht sich das Gefühl selbstständig... meine Zeit,um nach Vorne zu schauen, wird sehr schnell immer kürzer, deshalb lebe ich im Jetzt, Hier und Heute...und es ist gut so...
      sei ganz lieb gegrüßt,Margot, Dir meine besten Wünsche für die Zukunft.

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