Seiten

Donnerstag, 12. November 2015

Ein Druck auf der Brust ...

Manchmal geht es mir auch wie dem Riemermeister, ich habe manchmal ein Druck auf der Brust. Nur muss ich nicht zum Arzt, nein, ich weiß, ich habe zugenommen. 
Trotzdem ich keine Weste trage, stelle ich es fest. Da muss ich ernsthaft etwas dagegen machen ... 



Geschichten mit Humor


In düsteres Nachsinnen versunken saß der ehrsame Riemermeister, Herr Mathias Junghans , am Fenster, während ihm seine Frau beruhigend mit der Hand über Kopf und Wangen strich. „Jetzt ist mir wieder ein bisserl besser,“ antwortete Herr Junghans leise auf den ängstlich fragenden Blick seiner Frau. „Aber früher habe ich rein geglaubt, ich muss ersticken von dem Druck, so ist’s mir auf der Brust gelegen. Mein Gott, habe ich mich deshalb vom Geschäft zurückgezogen, dass ich schon als Mann mit etlichen 50 Jahren sterben soll? Jetzt, wo wir so sorglos leben könnten!“
„Aber, aber,“ holte die Frau. „Nimm dir doch nicht jede Kleinigkeit so zu Herzen! Schau, du bist halt in der letzten Zeit ein wenig zu stark geworden und das macht ihr Beschwerden. Geh halt zum Doktor!“ Der Patient schüttelt traurig den Kopf. „ Ja,“ sagte er, „ wenn die Untersuchung nicht wäre! Wer weiß, was ich da zu hören kriege. Gewiss habe ich einen Herzfehler oder sowas.“ 
Schließlich begab sich der Kranke doch zum Arzt. 
„Lieber Herr Junghans, Ihnen fehlt gar nichts; Sie sind vollständig gesund,“ versicherte der Hausarzt nach sorgfältiger Untersuchung. „Ziehen Sie sich ruhig wieder an, gehen Sie nach Hause und beruhigen Sie ihre Frau!“
Herr Junghans nahm eine strahlende Miene an; aber während des Ankleidens verdüsterte sich sein Gesicht wieder. Er schöpfte tief Atem und entgegnete: „Da, im Augenblick habe ich sie wieder, meine Beklemmungen. Sehen Sie, Herr Doktor, hier, hier drückt es mich so, ich kann nicht frei Atem holen. Was das nur ist!“ Er wies zaghaft auf seine Brust.
Der Hausarzt tat einen Griff unter die Weste des Patienten. Ein Lachen verbeißend, nahm er sodann ein Instrument vom Tische und sagte zu dem bestürzten Kranken: „Kehren Sie sich einen Augenblick um; da kann nur das Messer helfen!“
Und eh der geängstigt der Mann noch wusste, wie ihm geschah, trennte das Messer des Arztes die Naht vom hinteren Teil der Weste, bis diese weit auseinander klaffte.
„Nun, Herr Junhans, verspüren Sie jetzt noch Beklemmungen?“ fragte der Arzt heiter.
„Nein, meiner Seele, nein!“ antwortete der Patient, erleichtert den Brustkorb dehnend.
„Nun, sehen Sie, wie rasch die Operation gewirkt hat. Aber Sie müssen die nämliche Operation auch an allen ihren anderen Westen vornehmen lassen, die Ihnen zu eng geworden sind. Auf die Klinik brauchen sie deshalb nicht zu gehen. Ihr – Schneider wird es am besten treffen!“

Eduard Pötzl


   

Kommentare:

  1. Eine herrliche Geschichte, liebe Margot. Sie ähnelt einem Witz, an den ich mich zwar nur dunkel erinnere, da ich mir Witze einfach nicht merken kann. Es ging auch darum, dass der Mann ein Ziehen verspürte, das von der Taille bis zu den Schultern zog.Er lief auch schon ganz gebückt. Schuld daran waren die zu stramm gestellten Hosenträger.
    LG
    Astrid

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Astrid, deine Geschichte gefällt mir auch, sogar sehr gut. Nur leider trage ich keine Hosenträger ... :-))

      Danke und einen schönen Tag. Liebe Grüße, Margot.

      Löschen
  2. Hallo Margot,

    da waren wohl diese Kalorien am Werk, welche des Nachts die Kleider enger nähen ;) Eine schöne Geschichte.

    Liebe Grüße aus dem Odenwald
    Björn :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Björn, danke für deine Worte, an die Kalorien die meine Kleider enger nähen, habe ich noch gar nicht gedacht. :-))
      Einen schönen Tag für dich und herzliche Grüße, Margot.

      Löschen