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Dienstag, 17. November 2015

Die Schneider ...

Meinen Kleiderschrank habe ich heute von innen betrachtet und finde, ich könnte wieder etwas für die kalte Jahreszeit gebrauchen. Vielleicht einen hübschen Mantel, der nicht zu lang ist und Bewegungsfreiheit bietet. Mit diesen Gedanken bin ich beim Scheider gelandet und habe zwei nette Geschichten gefunden, wobei mir die Geschichte über die Einstellung zur Arbeit am besten gefällt ...


Eine Geschichte über die Einstellung zur Arbeit


„Willst du mich heute nicht als Lehrling annehmen?“ Also sagte Jakob Trüb zum Schneider Mellhorn.

Meister Mellhorn antwortete: „Jakob! was hast du geträumt?“
„mir hat geträumt,“ erwiderte Jakob, „ich habe in einer Lotterie gesetzt und vieles gewonnen.“
Der Meister versetzte: „Jakob, heute nehme ich dich nicht an.“
Am anderen Morgen fragte der Junge wieder das nämliche und so fünf Tage nacheinander. Aber alle Mal, wenn er seinen Traum erzählt hatte, antwortete der Meister: „Ich nehme dich heute nicht an.“
Am sechsten Tage erzählte Jakob: „Heute träumte mir, ich sitze auf einem Schneiderstuhl und schwitze den ganzen Tag bei meiner Arbeit, dass mir die Tropfen von Stirn und Wange auf meine Kleider herabfallen, und am Abend, da ich endlich meine Nadel hingelegt hatte, fand ich sie ganz golden.“
„Gut!“ Sagte der Meister, „das ist der Schneidertraum, wie ihn ein Junge träumen muss, ehe man ihn annimmt.“

Johann Heinrich Pestalozzi


Geschichten über den Teufel


Einem Schneidergesellen auf der Wanderschaft begegnete einst der Teufel. „Wohin des Weges?“ fragte er ihn. „Ich laufe in die weite Welt hinein,“ antwortete der Schneidergesell. „Dann kannst du ebenso gut mit mir laufen,“ meinte der Teufel, „bei uns gibt es viel zu tun, seitdem die jungen Herren durchaus feine Röcke tragen wollen.“ 
Der Schneider war’s zufrieden und folgte dem Gefährten in die Hölle. Hier angekommen empfahl sich der Teufel und der Schneidergesell ging sofort an die Arbeit, indem er mit der Elle den jungen Teufeln tüchtig die Buckel drosch. „Stillgehalten!“ schrie er, „ich will euch ja die Röcke anmessen.“
Als er damit fertig war, griff er die Schere und stutzte allen jungen Teufeln hurtig die Schwänze. Sie schrien erbärmlich und hüpften vor Schmerz in der Hölle herum, und wollten den Gesellen zum Tore hinausjagen. Der aber fasste das Bügeleisen, das er im Höllenfeuer heiß gemacht, und glättete ihnen eilfertig die Falten ihres Felles aus. Sie zappelten und schrien noch ärger. „Pack dich fort, wir brauchen keine Schneider, hinaus mit dir!“
„Nur gemach,“ besänftigte sie der Gesell, nahm Nadel und Fingerhut und fing lustig an, den jungen Teufeln die Nasenlöcher zuzunähen. Und als sie kaum mehr jappen konnten, zwängte er einen nach dem andren zwischen die Knie und säumte ihm sorgfältig die Ohren ein.
Mitten in dieser Arbeit traf ihn der Teufel. Als der das Werk des kecken Gesellen sah, ergrimmte er. „O, du verwünschter Schneider, nun mach‘, dass du fortkommst aus meinem Reich!“ Und wütend stieß er seinen Gast zur Höllentür hinaus.
Seitdem will der Teufel nichts mehr von den Schneidern wissen.

Aha, denke ich, deshalb habe ich noch nie einen Teufel mit Kleidung gesehen, wenn auch nur auf Bilder. Ich bin kein Schneider, aber mit dem Teufel möchte ich auch nichts zu tun haben.



Herzlichst Margot

Kommentare:

  1. Ich muss sagen, mir gefällt die obere Geschichte auch sehr gut. Die richtige Arbeitseinstellung muss man schon haben, wenn man einen Beruf ergreift. Nur wenn man mit Leib und Seele dabei ist, wird auch die Arbeit gut. Man muss sozusagen in seinem Beruf aufgehen. Es sollte eben Berufung sein. Genau das will der Schneidermeister.
    LG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, auch ich habe mich geärgert, wenn sich einige Mitarbeiter ohne Anstand und Liebe zum Kunden, durch den Tag gequält haben. Bei jeder Arbeit sollte man mit Leib und Seele dabei sein. Danke für deine guten Worte. Liebe Grüße, Margot.

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