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Freitag, 1. August 2014

Wie konntest du mir das nur antun ?

... heute möchte ich eine Geschichte erzählen, in der Hoffnung, dass es nur eine Geschichte ist. Dass es Wahrheit ist, möchte, kann und will ich nicht glauben. Nein, ich bin nicht mit ­Schlägen groß geworden, auch nicht in den Keller eingesperrt worden, aber hin und wieder gab es mal einen Klaps auf den Hintern. Wir waren 3 Kinder und hatten so einiges ausgefressen, deshalb hat mir dieser Klaps, bis zum heutigen Tag, nicht wehgetan. Nein, er war angebracht, sag ich noch heute. Doch was ich hier lese, treibt mir das Wasser in die Augen. Solchen Menschen, dem Schlagenden, sollte man keine Kinder überlassen. Für die Ehefrau, die sich aus Feigheit nicht von diesem Mann trennt, habe ich nur Verachtung übrig. Jeder, der diese nachfolgende Geschichte liest, sollte sein Handeln gegenüber Kindern überdenken. Nein, kein Kind darf mit Schlägen groß werden oder in den Keller gesperrt werden, es wird ihre Seele zerstören ...


Wie konntest du mir das nur antun ?


Ich lebte mit meinen Eltern am Rande eines kleinen Dorfes. Jeder kannte hier jeden und man wusste auch alles voneinander. Nur zu meinem persönlichen Pech verschloss man auch hier gerne die Augen vor Dingen, die es so nicht geben sollte.

Draußen schien die Sonne. Wir Schüler saßen in unseren Klassen und warteten ungeduldig das unsere Lehrer die Zeugnisse verteilte. Der letzte Schultag... nur noch Minuten bis zu den großen Sommerferien! Alle träumten schon vom Meer, den Bergen oder anderen Ferienzielen. Nur ich saß da und konnte das: ,,Ich geh nach Mallorca... ich nach Griechenland usw. nicht mehr hören. Mein Zeugnis fiel vor mir aufs Pult. Mein Herz rutschte in die Hose, als ich es las. In Mathematik und Französisch nur ne Vier (bei Bestnote 6) also knapp genügend. Was würde wohl mein Vater dazu sagen?


Nie die Augen verschließen,
vor Unrecht!

Um 11 Uhr öffnete ich vorsichtig die Türe zu unserer Wohnung, spähte hinein und schlich mich auf leisen Sohlen in mein Zimmer. ,,Halt!" rief mich mein Vater streng zurück, ,,ich habe dich gesehen! Zeig dein Zeugnis!" Ich verharrte einen Moment in der Bewegung, drehte mich um und kramte umständlich mein Zeugnis aus der Schultasche. Mit gesenktem Kopf überreichte ich es. Vater überflog kurz die Noten. ,,Es tut mir leid!" entschuldigte ich mich sogleich ängstlich, ,,ich hab mich wirklich angestrengt und..." ,,Schweig!" unterbrach der Vater mich, ,,du kannst was erleben!" Um seine Worte zu unterstützen knallte er mir sogleich mehrmals den Handrücken ins Gesicht. Tränen lösten sich bei mir. ,,Heul nicht!" befahl mein alter Herr, ,,du wirst es nicht wagen mir noch mal so ein schlechtes Zeugnis zu zeigen!" ,,Bitte..." flehte ich, ,,bitte nicht schlagen!" Der Gurt lag schon in der Hand des Vaters: ,,Willst du mir jetzt etwa noch befehlen?" Mit voller Wucht hieb er zu. Mein Oberschenkel wurde getroffen. ,,Nein Vater!" schluchzte ich und wich voller Angst zurück, ,,ich... bitte..." Wiederum bekam ich den Gurt zu spüren. Da ich ausweichen wollte, stolperte ich über den Teppich und fiel zu Boden. Den Vater kümmerte das nicht. Er prügelte weiter auf mich ein. Egal ob er die Beine, Arme, Rücken oder Brust traf. Ich war hilflos, wie schon so oft und legte einfach nur schützend die Arme über den Kopf. Nach schier unendlich langer Zeit schnallte Vater sich den Gurt wieder an und verpasste mir noch einen kräftigen Arschtritt, bevor er das Zimmer verließ. Völlig benommen von den Schlägen blieb ich am Boden liegen und heulte. Mutter öffnete die Türe und trat in den Raum. Sie tröstete mich und brachte mich in mein Zimmer. Irgendwann schleppte ich mich dann ins Badezimmer und betrachtete meinen gequälten Körper. In mir keimte die Frage auf, wann ich mich wohl zuletzt ohne irgendwelche Striemen oder blauen Flecken gesehen hatte.

Jeden Tag fand der Vater neue Gründe, mich zu prügeln. Aber er hielt auch noch andere Bestrafungen bereit. Eines Tages schrie ich, nach einer schmerzhaften Bestrafung, die Mutter an: ,,Warum hilft du mir nie? Du bist
kein Funken besser als Vater!" Hätte ich geahnt, dass der Vater in der Türe stand, hätte ich meinen Mund gehalten. Er hörte es also, zerrte mich aus dem Bett und bearbeitete mich erneut mit Fäusten und Tritten, wobei er mich aufs Übelste beschimpfte. Schlussendlich zerrte er mich in den Keller und schloss mich ein. Das Licht funktionierte nicht, so saß ich also zitternd vor Schmerz und Angst im Dunkeln da. Die Stunden vergingen und ich schlief ein. Durch das Öffnen der Kellertüre schreckte ich auf. Der Vater lachte laut, warf mir ne Flasche Wasser und ne Scheibe Brot hin und meinte: ,,Das ist dein neues Zimmer!" Entsetzt schüttelte ich den Kopf. Doch Vater sah es in der Dunkelheit nicht und auch mein Flehen interessierte ihn nicht. Eine Woche lang wohnte ich im Keller, raus durfte ich nur, um im Haushalt zu helfen, oder wenn mein Vater sonst eine Verwendung für mich hatte.

Abhauen sah ich als einzige Lösung und haute mehrmals von Zuhause ab, doch entweder fand Vater, Mutter, Verwandte oder auch die Polizei mich und brachten mich zurück in die Hölle.

Diese Kellerstrafen sind für mich bis heute ein Trauma. Wie konnte mir mein eigener Vater nur so etwas antun? Jede Träne, die ich wegen ihm vergossen habe, quittierte er mit einem Grinsen. Immer wenn ich um Gnade bettelte oder vor Schmerz schrie, begann er höhnisch zu lachen. Zahlreiche Male lag ich im Krankenhaus und band den Ärzten einen Bären auf, wie ich mir die Verletzungen zugezogen hätte. Mein Vater hat mir meine Kindheit zerstört und damit nicht genug.

Einen Tag vor meinem 18. Geburtstag teilte ich meinen Eltern mit, dass ich seit einem halben Jahr einen Freund hatte und ich zu ihm ziehen würde. Mein Vater bekam einen Tobsuchtanfall. Er riss mir ein Büschel Haare aus und prügelte mich grün und blau. Dieses Mal konnte ich mein Gesicht nicht rechtzeitig schützen. So bekam ich ein blaues Auge und ne aufgeplatzte Lippe.

Am anderen Tag packte ich meine Koffer und zog zu meinem Freund. Schockiert fragte er mich, was los sei. Ich konnte nicht anders. Das Gesicht vergrub ich in den Händen und heulte los. Hilflos stand mein Freund daneben und verstand gar nichts. Es hat ihn sehr viel Mühe und Geduld gekostet zu erfahren, warum ich bin wie ich bin.

Meine Eltern sind gestorben für mich. Zu ihnen habe ich seit 2 Jahren keinen Kontakt mehr und es sind die ersten Jahre in meinem Leben, in dem ich glücklich bin, keine Angst zu haben brauche und geliebt werde.


Kommentare:

  1. Diese Geschichte mag eine Geschichte sein, aber das was da geschildert wird ist doch die Realität für ganz viele Kinder auf dieser Welt. Leider geben sie oft das weiter, was sie erlebt haben.Wer wegschaut, der macht sich mit schuldig. Kinder sind unsere Zukunft und sie haben jede Unterstützung und Schutz verdient. Ich mische mich ein, wenn ich erlebe, dass mit Kindern grob umgegangen wird. Danke für dieses Thema, LG ClauDia.

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    1. Liebe Claudia, hab vielen Dank für deinen guten Kommentar. Ich kann nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die so, wie in dieser Geschichte, an Kinder handeln. Es sind ganz arme, feige Menschen, die sich nur an Schwache herantrauen. Ja, ich wünschte, es würde an ihnen selbst so gehandelt. Trotzdem ich keine Rachegefühle kenne, aber sie sollten spüren, dass man so nicht mit Kindern umgeht. Denn so haben Kinder keine Zukunft ... jedenfalls keine glückliche.
      Liebe Grüße, Margot.

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  2. Wenn ich so etwas höre und lese steigt in mir eine unglaubliche Wut hoch.
    Am liebsten würde ich solchen Menschen genau das selbe antun, was sie ihren Kindern antun. Und wie Du schon sagst, für Mütter, die ihre Männer ihre Kinder schlagen lassen, habe ich auch nur Verachtung übrig. Ich verstehe das nicht. Es sind ihre Kinder. Sie haben sie in ihrem Bauch getragen... aber es gibt so viele Beispiele, wo auch die Mütter die Bestien sind. Ja, nichts anders sind solche Menschen für mich. Bestien.

    Jeder Mensch hat das Recht nicht geschlagen zu werden. Auch gegen den Klaps auf den Po bin ich. Ich weiß, dass das früher üblich war und jeder sagt auch, hat uns nicht geschadet, es war berechtigt. Aber es gibt andere Wege, sein Kind zu erziehen.
    Auch Kinder die schlimmer geschlagen wurden als dieser berühmte Klaps, sagen oft, es war berechtigt und suchen die Schuld bei sich, weil sie ja böse sind...

    Nein, ich bin für absolute gewaltfreie Erziehung. Aber in solchen Elternhäusern geht es ja längst nicht mehr um Erziehung, wie bei einem Klaps auf den Po. Da geht es darum, dass man seine Macht und seine sadistischen Neigungen ausleben kann, gegen Kinder die sich nicht wehren können.

    So wie hier in der Geschichte lösen sich nur sehr wenige gequälte Kinder. Die meisten lieben ihre Eltern auch noch abgöttisch. Das macht mich immer am meisten fertig.

    Und ich höre jetzt auf... dieses Thema bringt mich immer bis zum Äußersten.
    Aber es ist gut, dass es immer wieder angesprochen wird. Man muss die Leute immer wieder darauf aufmerksam machen, was alles Kindern angetan wird. Damit sie sensibler für dieses Thema werden und die Augen öffnen, damit sie die Zeichen erkennen und auch Zivilcourage zeigen, einschreiten, sich an Behörden wenden, um den Kindern zu helfen.

    Liebe Grüße
    Sonja

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    1. Hallo Sonja,
      zu deinem Bericht oder Kommentar hast du meine volle Zustimmung. Nur mit dem Klaps auf dem Po, der bei mir nur sehr selten vorkam, kann ich dir nicht zustimmen. Meine Eltern waren die liebsten Eltern die ein Mensch haben kann. Bosheit kannten sie wirklich nicht. Doch ich möchte nicht über mich oder über meine Brüder schreiben. Ich kann meine Eltern und mich wirklich richtig einstufen. Doch ich finde es gut, wenn du dich über dieses Thema aufregst. Es zeigt, du bist rigoros gegen Schläge, was nicht immer einfach in der Erziehung ist.
      Doch mit solchen Menschen, die du mit recht Bestien nennst, sollte man wirklich mit den gleichen Mitteln der Strafe verfahren, wie sie es ihren Kindern antun. Aufpassen sollte man immer und einschreiten, wenn einem etwas auffällt. So habe ich es schon als junge Frau getan und konnte Besserung herbeiführen.
      Deine Worte werden auch viele Menschen lesen und hoffentlich zustimmen.

      Liebe Grüße, Margot.

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