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Donnerstag, 4. Juni 2015

Der überlistete Teufel

Nach unruhigen Nächten wegen Vollmond brauche ich einen ruhigen Tag, so wie heute. Am ruhigsten werde ich bei einer schönen Geschichte mit einem guten Ausgang.
Da werde ich auf die Seite "Hekaya" gehen und mir eine schöne Geschichte aussuchen. Zum Beispiel: "Der überlistete Teufel".


Der überlistete Teufel 


Da lebte in Soest ein Schuster, ein armer Tropf zwar, aber ein Kerl, der nicht auf den Kopf gefallen war. Krankheit und Unglück hatten ihn zurückgebracht, und obwohl er sein Handwerk verstand wie nur wenige in der Stadt, gelang es ihm dennoch nicht, wieder auf einen grünen Zweig zu kommen. Er wusste kaum noch das Leder zu bezahlen, und schon lange war Schmalhans Küchenmeister im Hause und setzte den Kindern ein dünnes Süppchen auf den Tisch.

Eines Abends hatte der Meister wiederum bis Mitternacht den Pechdraht gezogen bis ihm die Arme lahm waren. Da saß er nun noch auf dem Schemel und sann über sein Elend nach. Und wie es so geht, wenn einem Menschen die Verzweiflung ankommt, ohne es recht zu bedenken, sagte er vor sich hin: »Geld muss mir her, und wenn es vom Teufel kommt.«

Er hatte wohl selbst nicht geglaubt, dass ein solches Wort Wahrheit werden könnte. Als er aufblickte, stand wirklich der Gottseibeiuns vor ihm, aber bekleidet wie ein vornehmer Herr im Wams mit Silberknöpfen und Schuhen mit kostbaren Spangen, begrüßte ihn lächelnd, tat, als sähe er das Erschrecken des Meisters gar nicht und sprach: »Ihr habt von mir gesprochen, und nun bin ich da. Das Geld, das ihr begehrt, habe ich gleich mitgebracht, erst in zehn Jahren muss ich es zurückhaben.« Dabei stellte er ein Maß auf den Tisch, das bis über den Rand hinaus mit blanken Goldstücken gefüllt war. »Nehmt das«, sagte er, »und wenn ihr es mir zurückgebt, braucht es nicht gerade so gehäuft zu sein wie jetzt, sondern nur gestrichen voll. Ich will nicht so genau rechnen, weil ihr mir in eurem Jammer leid tut. Und nun unterschreibt mir den Vertrag.« Der Schuster wollte wohl oder übel schon die Feder nehmen, die er ihm hinhielt. Da aber schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf, und den sprach er auch aus. »Darf ich euch das Geld auch schon früher zurückgeben?« fragte er. »Das dürft ihr zu jeder Zeit, Meister. Aber in zehn Jahren muss ich es bestimmt wieder haben, sonst gehört mir eure Seele.«

Damit schob der Teufel ihm das Maß mit dem Golde zu. Der Meister aber fuhr mit seiner großen Hand darüber hin und wischte alle Stücke, die über den Rand quollen, weg, so dass sie auf den Tisch fielen, strich sie zusammen, steckte sie
zu sich und gab dem Teufel das Maß selber zurück. »Hier«, sagte er, »ich bedanke mich auch schön. Das brauche ich nicht mehr. Ich habe an dem, was Ihr nicht wiederhaben wolltet, genug«, und er klopfte auf seine Tasche. So war denn der Teufel in Soest an einen geraten, der klüger war als er selber. Es blieb ihm nach seinen Worten nichts anders übrig, als zu gehen, woher er gekommen war. Dem Meister aber, der sich so klug wie bescheiden gezeigt hatte, war das Glück wieder hold und verhalf ihm zu dem alten Wohlstand.

Europa - Mitteleuropa - Deutschland

Es war eine schöne Geschichte, sie hat mich zur Ruhe kommen lassen und mich sogar zum Schmunzeln gebracht. 



Kommentare:

  1. Der Schuster hat beim Anblick des vielen Geldes einen kühlen Kopf bewahrt und clever gehandelt. Nur so konnte er den Teufel überlisten.
    LG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, danke für deine Antwort. Der heutige Teufel sind wohl die Banken, mit denen ich "Gott sei Dank", nichts zu tun hatte. :-)

      Wünsche dir einen wundervollen Feiertag. Herzliche Grüße, Margot.

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    2. Danke Margot, aber leider hatten wir hier in Brandenburg keinen Feiertag. Aber ich hatte trotzdem einen schönen Tag.
      LG
      Astrid

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  2. Hallo Margot,

    eine lehrsame Geschichte :) ich möchte dem Teufel dennoch lieber nicht begegnen.

    Heute ist es sommerlich und ich komme endlich dazu ein wenig in den Blogs zu lesen, ich wünsche Dir einen schönen Tag.

    Liebe Grüße aus dem Odenwald und noch eine schöne Zeit
    Björn :-)

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    1. Lieber Björn, ich kann es verstehen, dass du keinen Teufel begegnen möchtest, ich auch nicht.:-)
      Wünsche dir gute Unterhaltung beim Blog lesen, anschließend noch viele schöne Stunden. Liebe Grüße, Margot.

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  3. Liebe Margot,
    wieder eine sehr nachdenkenswerte Geschichte.
    Ich habe sie gern gelesen.
    Liebe Grüße schickt Dir
    Irmi

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    1. Liebe Irmi, vielen Dank fürs Lesen der Geschichte, besonders, weil du sie auch als nachdenkenswert einstufst. :-)

      Ganz liebe Grüße, Margot.

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