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Mittwoch, 7. Mai 2014

Lebenszeit

Wenn ich aus dem Bett krieche, den Rollladen hochziehe, ist mein erster Blick aus der Balkontür aufs Wetter. Heute mein erster Eindruck, durchwachsenes Wetter, windig und Temperatur liegt bei 13°. Eigentlich wollte ich zum Markt, aber mein 2. Gedanke, am Wochenende gibt es eine größere Auswahl an Blumen-Pflanzen, also gehe ich erst am Freitag. Durch diese, meine Entscheidung, habe ich heute mehr Zeit, um durchs Internet zu surfen. Wer sich gerne hier auf meiner Seite bewegt, hat sicherlich festgestellt, ich mag Geschichten und Gedichte. So auch heute ... vielleicht erweitert sich dadurch noch mein Horizont, denke ich und habe Hoffnung.


Vom Nachahmen...

Laotse
Ein Meister erlangte eines Tages die Erleuchtung. Von da an entschied er, ein einfaches Leben zu führen, weil ihm ein solch einfaches Leben zusagte. Die Schüler eiferten ihm nach und versuchten, nach seinem Vorbild ebenfalls ein einfaches Leben zu führen. Doch der Meister lachte nur: "Ihr Narren! Was nützt es, mein Verhalten nachzuahmen" sagte er, "ohne sich die Motivation zu Eigen zu machen, ohne die Idee, die dahinter steht?" Die Schüler schauten verwirrt.  Da fügte der Meister hinzu: "Glaubt Ihr denn, dass eine Ziege ein Rabbi wird, nur weil sie einen Bart trägt?                                
             
Anthony de Mello


Gibt es ein Leben nach der Geburt?

Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch seiner Mutter. "Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?" fragt der eine Zwilling. "Ja auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das was draußen kommen wird." antwortet der andere Zwilling. "Ich glaube, das ist Blödsinn!" sagt der erste. "Es kann kein Leben nach der Geburt geben – wie sollte das denn bitteschön aussehen?"  "So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?" "So einen Unsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist die Nabelschnur viel zu kurz."  "Doch, es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders." "Du spinnst! Es ist noch nie einer zurückgekommen von 'nach der Geburt'. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Punktum." "Ich gebe ja zu, dass keiner weiß, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und sie wird für uns sorgen." "Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?" "Na hier – überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!" "Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht."

"Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt...."                                        
nach Henry Nouwen

Und ja, so sage ich, vom Tag der Geburt fängt das Sterben an, ohne gelebt zu haben. Nutzen wir diese verbleibende Lebenszeit, gestalten wir sie zu unserer Zufriedenheit, damit wir sagen können, am Ende unseres Weges, ja ich habe gelebt. 



Kommentare:

  1. Das war und ist auch immer mein Ziel. So zu leben, dass ich zufrieden und glücklich bin. Vieles kann man nicht beeinflussen, Schicksalsschläge ereilen jeden. Aber das was man beeinflussen kann, dass habe ich stets so gelenkt, dass es mich glücklicher macht. Auch wenn ich einige Dinge anders sehe und anders mache, als die Gesellschaft sie als Norm ansieht, ist mir das egal. Es ist meine Lebenszeit und ich nutze sie so wie ich es für mich am besten halte und lasse mir da von niemanden reinreden.

    Das ist ja der ersten Geschichte recht ähnlich. Denn jeder muss für sich die Lebensweise finden, die zu ihm selber passt und nicht andere kopieren. Jeder hat etwas anderes was er braucht, um glücklich zu werden. Wenn man eine fremde Haut überstreift, verleugnet man sich selbst und wird niemals glücklich werden.

    Die zweite Geschichte gefällt mir auch. Als Metapher für ein Leben nach dem Tod und der Existenz Gottes finde ich sie sehr schön und tröstlich. Sie bestärkt mich in dem Glauben darin.

    Liebe Grüße
    Sonja

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    1. Hallo Sonja, deine Meinung zu den zwei Geschichten ist richtig und wahr. Jeder muss seine eigene Lebensgeschichte finden. Jeder Mensch sollte sich auf sich selbst besinnen und das Beste aus seinem Leben machen. Nachahmen ist keine gute Idee, wenn man nicht dahinter steht. Danke dir für deine klugen Worte.
      Liebe Grüße, Margot.

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