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Sonntag, 20. Dezember 2015

Knecht Ruprecht

Heute ist der 4. Advent und es ist noch Zeit, sich auf den Heiligabend vorzubereiten. Ich meine nicht mit Geschenke, sondern mit Gedichten, die man dem Weihnachtsmann vortragen soll. Da habe ich Schwierigkeiten in meiner Kindheit gehabt und das nachfolgende Gedicht, von Theodor Storm, war für mich ein Retter zu Weihnachten. Vielleicht gefällt es auch euch, dann bitte schön ...




Knecht Ruprecht

(Theodor Storm 1817-1888)
Von drauß' vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit grossen Augen das Christkind hervor;
Und wie ich so strolcht' durch den finstern Tann,
Da rief's mich mit heller Stimme an:
»Knecht Ruprecht«, rief es, »alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt' und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
und morgen flieg ich hinab zur Erden,
denn es soll wieder Weihnachten werden!«


Ich sprach: »O lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;
ich soll nur noch in diese Stadt,
wo's eitel gute Kinder hat.«
»Hast denn das Säcklein auch bei dir?«


Ich sprach: »Das Säcklein, das ist hier:
denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
essen fromme Kinder gern.«
»Hast denn die Rute auch bei dir?«
Ich sprach: »Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten.«

Christkindlein sprach: »So ist es recht;
so geh mit Gott, mein treuer Knecht!«

Von drauß' vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hierinnen find!
Sind's gute Kind, sind's böse Kind?

Herzlichst Margot

Kommentare:

  1. Liebe margot,
    letzte Woche war ich zu einem Altennachmittag im Advent als Erzählerin eingeladen. Es war ein herrlicher Nachmittag, ein gast, ein 88-jähriger Mann sagte das obige Gedicht auswendig auf. Das war so schön und er hatte selbst eine herrliche Freude daran, dass es gelang.
    Herzliche Grüße und einen schönen vierten advent dir
    Regina

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    1. Liebe Regina, es ist schön so etwas zu lesen, den älteren Menschen war dieses Gedicht eine Augen- und Lebensfreude. Ich habe immer nur den ersten Vers behalten.
      Es ist auch schön zu lesen, dass für dich dieser Nachmittag eine Freude war.
      Wünsche dir einen schönen 4. Advent und sende liebe Grüße, herzlichst Margot.

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