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Montag, 14. Oktober 2013

Die perfekte Welt

... warum schreibe ich diese Geschichte hier in mein Tagebuch? Wem möchte ich etwas erzählen, wem möchte ich etwas auf seinen Lebensweg mitgeben? Ich weiß es nicht, aber diese kleine Geschichte interessierte mich, und wenn man am Ende seines Lebens angekommen ist, dann fragt man sich: "Habe ich etwas versäumt?" Und, ich finde, wenn ich mich so mit meinen innerlichen Werten betrachte, nein, ich habe nichts versäumt ... denn ich habe gelebt, weil ich so leben wollte ... oder auch durfte. Und, ich habe mich dem Leben angepasst ... denn, es gibt keine Welt ohne Einschränkungen. 

Die perfekte Welt


Einst wurde eine Geschichte erzählt, die niemandem der sie hörte, jemals wieder aus dem Kopf ging: Am Marktplatz war, wie so oft großes Gedrängel. Doch nicht wie sonst, um besonders günstige Hühner oder Lebensmittel zu kaufen, sondern um zuzuhören. Ein junger Mann stellte sich auf ein Podium und erzählte rasch in die Menge: ,,In meiner perfekten Welt gibt es keine alten Menschen, nur junge, hübsche Weiber und kräftige Burschen. Früh des morgens steht man auf und isst, dann soll man seine Arbeiten bis zum Mittag erledigt haben und des Abends geht man in ein gutes Wirtshaus um dort zu essen. Die Straßen sollen ausgebaut sein, die Bäume und Sträucher vernichtet. 

In meiner perfekten Welt gibt es nur eine einzige Pflicht, nämlich es sich gut gehen zu lassen." Als nächstes kam eine Frau auf die Erhöhung, sie berichtete in ihrer perfekten Welt gäbe es viel Natur, keinen Krieg und gutes Essen. Und als sie mit ihrer Rede geendet hatte, und herunter gestiegen war, ging ein alter Mann auf das Podium zu. 

Er hatte nur noch weniges weißes Haar, war sehr dünn und holprig unterwegs. Zwei Männer und zwei Frauen halfen ihm auf das Platou zu kommen. Sofort fing er an zu reden, aber nicht mit einer Mäusestimme wie man es erwartet, nein er redete laut und deutlich: ,,Meine perfekte Welt ist diese in der ich lebe.

Auch wenn ich zu dumm war, dies zu erkennen. Jetzt bin ich zu alt, ich bin krank und werde noch heute sterben. Als ich aufwuchs war der Krieg gerade zu Ende, ich hatte ein Leben in Fülle und Hülle: Grüne Wiesen, hohe Bäume, sauberes Wasser, viele Tiere. Ich begann eine Arbeit als Schreiner und erhielt regelmäßig Geld. Dabei habe ich auch meine Frau kennengelernt. Gott, habe ich dieses Weib geliebt! Wir heirateten und bekamen drei Kinder. Sie hat mein Leben so unendlich glücklich gemacht. Als sie vor ein paar Monaten starb, ist auch ein Großteil von mir gestorben und jene Krankheit, an der ich nun bald sterben werde, begann in mir zu wachsen. 

Ich hatte glückliche 63 Jahre zu leben und jetzt erst als alter Narr erkenne ich, was ich hatte in meinem Leben. Ich bitte euch, meine Freunde, seid nicht solche Narren und verschließt eure Augen vor der Schönheit des Lebens. Was würde ich nur geben, wenn ich noch einmal drei Jahre hätte und mich für einen einzigen Augenblick im Wasser spiegeln oder mich ohne Schmerzen ins Gras legen könnte." Mit diesen Worten fiel der Mann um und war tot. 

Der junge Mann und die Frau hatten zugehört und ihre Sichtweisen geändert. Sie heirateten, bekamen fünf Kinder und hatten ein restliches glückliches Leben. Und, geht sie dir aus dem Kopf?



Kommentare:

  1. Wieder so eine Geschichte mit Gänsehaut Effekt.
    Und mit so unendlich viel Wahrheit.
    Man sollte nicht ständig darüber nachdenken, was noch schöner sein kann und dabei das Schöne vergessen was man hat. Denn dann hat man am Ende nichts anderes getan außer sich nach Dingen zu verzehren und hat nie den Augenblick genossen. Man sollte erkennen, was es alles Schönes gibt in seinem Leben und sich auf die guten Dingen konzentrieren.

    Es ist schön, Margot, dass Du leben konntest wie Du wolltest! Und ich bin dankbar, dass ich das auch von meinem bisherigen Leben sagen kann. Nicht jeder hat dieses unendlich kostbare Geschenk.

    Liebe Grüße
    Sonja

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    1. Vielen Dank liebe Sonja, dass du diese Geschichte so einstufst, mit viel Wahrheit. Ja, so ist es, auch mit deinen Worten "man hat nie den Augenblick genossen." Es gibt so viele Menschen, die im Glück leben und es nie merken. Schade ...
      Was mich auch freut, dass du so leben kannst, wie du es möchtest. Und, bitte, lebe auch weiterhin so, genieße den Augenblick, es ist das Leben.
      Dir sende ich ganz liebe Grüße, herzlichst Margot.

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  2. Danke für diese Geschichte!
    Dir einen sonnigen Tag,
    liebe Grüsse Babs

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    1. Danke liebe Babs, es freut mich, dass du diese Geschichte gelesen hast.
      Es soll ein wunderschöner Tag für dich werden.
      Liebe Grüße, Margot.

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  3. Hallo Margot :)

    wenn man den TV anschaltet oder durch ein Magazin blättert könnte man heute leider oft denken, es gibt nur noch Leute wie jenen jungen Mann - alles ist perfekt und auf Hochglanz poliert. Ecken, Kanten - Fehlanzeige bzw. hinter einer großen Fassade versteckt.

    Viele dieser Menschen laufen an den wirklich schönen Dingen im Leben meist einfach vorbei - sie merken es nicht einmal, werden es vielleicht nie merken - schade darum.

    Lieben Gruß und eine schöne neue Woche
    Björn :)

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    1. Hallo Björn, wenn ich deine Zeilen lese, dann glaube ich, ich habe gesprochen. Ja, es ist so, wie du es beschreibst, alles auf Hochglanz poliert. Und an den schönen Dingen laufen sie alle vorbei. Es ist eine wirklich arme Welt ... und schade drum.
      Dir wünsche ich auch eine schöne Woche und sende dir einen lieben Gruß. Herzlichst Margot.

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