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Dienstag, 12. Mai 2015

Begnüge dich, Liebste!

Es wird heute ein sehr schwüler Tag werden, jetzt um die Mittagszeit sind es schon 22° und der Himmel ist zugezogen. Die Hirn-Leistung lässt bei dieser Temperatur nach, und auch ich habe keine große Lust etwas zu tun. So mache ich etwas, was ich am liebsten mache, ich suche Gedichte, die ich an euch weitergebe. In meinem Blog bleiben sie gespeichert und ich kann sie immer Nachlesen, was ich als schön empfinde.

Es liegt der heiße Sommer

Es liegt der heiße Sommer
Auf deinen Wängelein;
Es liegt der Winter, der kalte,
In deinem Herzchen klein.

Das wird sich bei dir ändern,
Du Vielgeliebte mein!
Der Winter wird auf den Wangen,
Der Sommer im Herzen sein.

Heinrich Heine

Begnüge dich, Liebste!

Motto:

Wohl kann ich dich zum Schokoladenladen laden,
Doch nicht mit dir in Baden-Baden baden.

Ich kann dir nicht, was andre schenken, schenken.
Und nicht die Welt aus den Gelenken lenken.
Du darfst dich nicht auf Schmuck und Spitzen spitzen.
Wirst nicht mit mir auf goldnen Sitzen sitzen,
Jedoch, der ich des Dichters Habe habe,
Vermag es, dass dich and're Labe labe:
Schon fühl' ich es von Liederkeimen keimen,
Ich will sie dir in goldnen Reimen reimen,
Dass dir gar lieblich ihr Getöne töne,
Und dich der Verse Schmuck verschöne, Schöne.

Heinrich Seidel

Die Rose hat Dornen nur für jene, die sie berühren wollen.

Aus China


Eintagsfliege


An einem warmen Sommertag hatte die Eintagsfliege um die Krone eines alten Baumes getanzt, gelebt, geschwebt und sich glücklich gefühlt und als das kleine Geschöpf einen Augenblick in stiller Glückseligkeit auf den großen, frischen Blättern ausruhte, so sagte der Baum: Arme Kleine! Nur ein Tag währt dein ganzes Leben! Wie kurz das ist! Wie traurig!” Traurig?” erwiderte dann stets die Eintagsfliege, was meinst du damit? Alles ist so herrlich licht, so warm und schön, und ich selbst bin glücklich!” -Aber nur einen Tag, und dann ist alles vorbei!” Vorbei?” sagte die Eintagsfliege, Was ist vorbei? Bist du auch vorbei?”  Nein, ich lebe vielleicht Tausende von deinen Tagen, und meine Tage sind ganze Jahreszeiten! Das ist etwas so Langes, dass du es gar nicht ausrechnen kannst!” Nein, denn ich verstehe dich nicht! Du bist Tausende von meinen Tagen, aber ich habe Tausende von Augenblicken, in denen ich froh und glücklich sein kann! Hört denn alle Herrlichkeit dieser Welt auf, wenn du einmal stirbst? "Nein”, sagte der Baum, “die währt gewiss länger, unendlich viel länger, als ich denken kann! ”Aber dann haben wir ja gleich viel, nur dass wir verschieden rechnen!”



Kommentare:

  1. Liebe Margot,
    Du hast wieder Schönes für uns ausgesucht. Die Geschichte mit der Eintagsfliege hat es mir besonders angetan. Die kann man immer wieder lesen.
    LG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid,
      vielen Dank für deine freundlichen Worte. Die Geschichte mit der Eintagsfliege finde ich auch wunderschön, doch ich würde lieber der Baum sein. :-)
      Liebe Grüße, Margot.

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