
Theodor Storm: Der Hausfreund
Von dem Herrn Ratsverwandten Quanzfelder weiß ich aus eigener Erfahrung nichts zu berichten; aber unsere Tante Laura, in deren elterlichem Hause er aus und ein ging, hat mir gründlichen Bescheid gegeben, da ich mich neulich nach diesem weiland "Hausfreunde" bei ihr erkundigte.

Der Mann übte einen seltsamen Bann auf mich aus, so daß ich ihn immerfort betrachten mußte, und doch bekam ich allzeit einen Schreck, wenn ich seine Krähstimme von draußen vor dem Laden hörte, besonders aber, wenn er nun in der Stube mit altjüngferlicher Zierlichkeit seine knochigen Hände ausstreckte, um sich die wildledernen Handschuhe abzuziehen, und darauf Hut und Schirm so seltsam hastig in die Ecke stellte.

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Foto: bettycrocker.de |
Gesprochen wurde nicht viel: man hörte meistens nur das Klirren der Teelöffel und das Scharren des Kuchentellers, der unter dem Blumenbrett aus- und eingeschoben wurde und unter der pflichtschuldigen Nötigung meiner Mutter sich allmählich leerte. Zuweilen geschah das Abbeißen auch nur scheinbar, und die Pfeffernuß verschwand in dem weiten Rockärmel, worauf dann plötzlich der Herr Ratsverwandte das Bedürfnis empfand, sich die Nase zu schneuzen. Das buntseidene Taschentuch wurde hinten aus der Rocktasche gezogen, und das Backwerk glitt bei dieser Gelegenheit hinein. Wir Kinder sahen dem allen aufmerksam zu; sehnsüchtig nach der süßen Speise, von der heute für uns nichts abfiel. - Schließlich, nach der dritten oder vierten Tasse, stand Herr Ratsverwandter auf: ,Dörf ick nu bidden um en bät Papier darum!' Und mein Vater, der inmittelst rauchend im Zimmer auf und ab gegangen war, machte ihm eine Tüte; Herr Quanzfelder schüttete den Rest der Pfeffernüsse hinein und steckte sie zu ihren Brüdern in die Schoßtasche; dann nahm er Hut und Schirm, krächzte noch ein paar Mal: ,Adje, adje, Madam!' und empfahl sich."
Wenn ich über diese schöne Geschichte nachdenke, erkenne ich auch eine Zeremonie in ihr, was mir sehr gefällt.
... ich stibitze mir einen Keks - und grüße dich lieb - Monika
AntwortenLöschenLiebe Monika, ich gebe dir gerne Kekse, du musst nicht stibitzen ... :-)
LöschenLiebe Grüße gehen auch an dich, herzlichst Margot.
Liebe Margot,
AntwortenLöschenich nehme auch einen Keks mit. Eine ganz liebenswürdige
Geschichte. Ich kannte sie noch nicht, obwohl mir Storm nicht fremd
ist. Über ihn habe ich beim Abi referieren müssen.
Einen schönen Tag wünscht dir
Irmi
Liebe Irmi, vielen Dank, du siehst, bei mir ist es wirklich schön, du bekommst Kekse und Erinnerungen. :-))
LöschenNoch einen schönen Abend und liebe Grüße, Margot.
Hallo Margot,
AntwortenLöschenso einen Keks nehme ich auch mit, ein paar sind ja noch da ;)
Hier war das Wetter heute wieder etwas wärmer, zum Glück nach dem Wintereinbruch gestern ;)
Liebe Grüße und einen schönen Abend
Björn :-)
Hallo lieber Björn,
Löschengerne gebe ich dir auch Kekse. :-) Bei uns war es heute auch schöner und ein bisschen Wärmer, nur nicht sonnig.
Liebe Grüße, Margot.