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Samstag, 9. Mai 2015

Die Flaschen sind leer, das Frühstück war gut

Bei so einem wundervollen Wetter, was herrscht, mit Sonne und warmer Luft, kann ich nur an schöne Dinge denken. Die Blumen auf meinem Balkon unterstützen mich dabei. Sie lassen mich, bei ihrem Anblick, lächeln. So möchte ich auch dieses Lächeln beim Lesen von Gedichten beibehalten und suche dementsprechende Verse. Meine Auswahl zeige ich nun und hoffe, ich habe nicht daneben gegriffen ...


 

Die zwei Wurzeln

Zwei Tannenwurzeln groß und alt
unterhalten sich im Wald.

Was droben in den Wipfeln rauscht,
das wird hier unten ausgetauscht.

Ein altes Eichhorn sitzt dabei
und strickt wohl Strümpfe für die zwei.

Die eine sagt: knig. Die andre sagt: knag.
Das ist genug für einen Tag.

Christian Morgenstern
Frühling

Die blauen Frühlingsaugen 
Schaun aus dem Gras hervor; 
Das sind die lieben Veilchen, 
Die ich zum Strauß erkor. 
Ich pflücke sie und denke, 
Und die Gedanken all, 
Die mir im Herzen seufzen, 
Singt laut die Nachtigall. 
Ja, was ich denke, singt sie 
Lautschmetternd, daß es schallt; 
Mein zärtliches Geheimnis 
Weiß schon der ganze Wald.

Heinrich Heine
Die Flaschen sind leer, das Frühstück war gut

Die Flaschen sind leer, das Frühstück war gut,
Die Dämchen sind rosig erhitzet;
Sie lüften das Mieder mit Übermut,
Ich glaube sie sind bespitzet.

Die Schulter wie weiß, die Brüstchen wie nett!
Mein Herz erbebet vor Schrecken.
Nun werfen sie lachend sich aufs Bett,
Und hüllen sich ein mit den Decken.

Sie ziehen nun gar die Gardinen vor,
Und schnarchen am End um die Wette,
Da steh ich im Zimmer, ein einsamer Tor,
Betrachte verlegen das Bette.

Heinrich Heine


Einer verehrten Frau

Man sagt, an solchen Tagen sei es Pflicht,
sich selber einen Spiegel vorzuhalten:
Ich bring ihn Dir, verschmäh' dies Blümchen nicht!
Es soll Dir Deinen eignen Wert entfalten.

Sieh der becheidenen Reseda Blüte,
ein Bild der Menschenfreundlichkeit,
die ohne Prunk, voll innerer Herzensgüte,
den Wohlgeruch der tät'gen Liebe streut.

Eduard Mörike


Auf ein Ei geschrieben

Ostern ist zwar schon vorbei,
Also dies kein Osterei;
Doch wer sagt, es sei kein Segen,
Wenn im Mai die Hasen legen?
Aus der Pfanne, aus dem Schmalz
Schmeckt ein Eilein jedenfalls,
Und kurzum, mich tät's gaudieren,
Dir dies Ei zu präsentieren,
Und zugleich tät es mich kitzeln,
Dir ein Rätsel drauf zu kritzeln.

Die Sophisten und die Pfaffen
Stritten sich mit viel Geschrei:
Was hat Gott zuerst erschaffen,
Wohl die Henne? wohl das Ei?

Wäre das so schwer zu lösen?
Erstlich ward ein Ei erdacht:
Doch weil noch kein Huhn gewesen,
Schatz, so hat's der Has gebracht.

Eduard Mörike



Kommentare:

  1. Ja, liebe Margot, das wird wohl die ewige Frage bleiben:Was war zuerst, das Huhn oder das Ei.Das Rätsel kann wahrlich nur der Osterhase lösen... :-)
    LG und weiterhin gute Laune
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, das wird wohl die ewige Frage bleiben. Ich vermute zwar, dass es das Huhn war, bin mir aber nicht sicher. :-)
      Egal ob Huhn, Hase oder Ei, ich wünsche dir ein wundervolles Wochenende. Herzliche Grüße, Margot.

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