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Donnerstag, 16. Oktober 2014

Das Hausschild

Im Fernsehen habe ich gerade einen Bericht gesehen, wie Steuergelder  in Milliardenhöhe verschwendet werden. Es werden Straßen gebaut, trotzdem schon beim Vorhaben ersichtlich war, dass es verboten ist, in einem Vogelschutzgebiet diese Straßen zu errichten. Und noch viele andere irrsinnige Objekte werden erstellt, die viel Geld kosten aber nichts bringen. So bin ich auf diese kleine Geschichte gekommen, die zeigt, Bürokratie ohne Sinn und Verstand weitet sich immer mehr aus.


Das Hausschild

Mit welchem Aufwand befestigt die Wirtschaft 1960 und 2012 ein Hausschild.

Ein Bauherr äußert den Wunsch, ein Hausnummernschild an einen Holzpfahl zu nageln.


1960: 
Ein Bauarbeiter nagelt das Schild an, bedankt sich für eine dafür erhaltene Flasche Bier und geht. Dauer: 20 Sekunden. 

1970: 
Bauarbeiter geht zu Polier. Der gestattet das Einschlagen des Nagels und nimmt wohlwollend die Flasche Bier und eine Leberkässemmel in Empfang. Dauer: 20 Minuten 

1980: 
Bauarbeiter geht zu Polier; der zum Bauleiter. Dieser bespricht die Problematik mit dem Bauherrn bei einem Mittagessen, das der Bauherr bezahlt. Dafür verrechnet er dem Bauherrn nur eine Regiestunde sowie eine Schachtel Nägel. Dauer 2 Stunden. 

1990: 
Bauleiter holt (nach dem Mittagessen) drei Offerten bei Subunternehmern ein. Vergibt den Auftrag an den Billigstbieter, schlägt 3% Generalunternehmerzuschlag auf und legt dem Bauherrn eine Rechnung + 20%Ust. Dauer 2 Wochen 

2000: 
Bauleiter informiert Firmenchef. Dieser holt fünf Angebote bei Einmanngesellschaften ein. Den Zuschlag bekommt der Billigste, verrechnet wird der Teuerste plus 7% Generalunternehmerzuschlag. Dauer 2 Monate 

2012: 
Gleiche Prozedur wie 2000, jedoch zusätzlich: 
Behördenbescheid, in dem ein statischer Nachweis verlangt wird sowie die Zustimmung des Architekturbeirates. Parallel dazu läuft eine Umweltverträglichkeitsprüfung an. Der Arbeitsvorgang wird in den Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan der Baustelle eingearbeitet. Sicherheitsfachkräfte werden tätig. Der Hammer wird CE- zertifiziert, der Nagel aus einer Liste EU- zugelassener Befestigungsmittel ausgewählt. Der Arbeiter wird akademisch unterwiesen, wie der Nagel einzubringen ist. Er muss jedoch vorher noch zum Arbeitsmediziner, der seine geistige und körperliche Eignung für die Tätigkeit "Nagel einschlagen" attestiert. Wenn alles gut geht, die Umweltverträglichkeitsprüfung positiv ausgeht und die Bedenken des Architekturbeirates abgeschmettert werden können, darf der Nagel eingeschlagen werden. Ein Ziviltechniker beobachtet mit Argusaugen den ordnungsgemäßen Vorgang und siegelt das Abnahmeprotokoll. Nagelstatik und Abnahmeprotokoll fließen in die "Unterlage für spätere Arbeiten" ein. Der Generalunternehmerzuschlag wird auf 30% nachjustiert. Dauer 2 Jahre.


Wenn ich so etwas lese, dann richten sich, vor Ärger, meine Nackenhaare auf. Und ich wünschte mir die Jahre 1960 - 1970 zurück. 


Kommentare:

  1. Naja, ich glaube, dass ist schon ziemlich überspitzt dargestellt Margot, Ich glaube durchaus, es geht auch heute noch auf dem einfachen Weg, z. B. Hausnummer auf einen Zettel schreiben, in Folie stecken, und an den Bauzaun binden.
    Aber es stimmt schon, die Bürokratie hat sehr zugenommen und manchmal setzt der gesunde Menschenverstand aus.

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    1. Hallo Eva, natürlich ist diese Geschichte in gewisser Weise übertrieben, aber dein Vorschlag ist zu einfach gedacht. Du denkst wie ein "normaler Mensch". :-)
      Doch die Bürokratie hat zugenommen, man muss nur bei Berichten im TV, die Augen aufhalten. Wir könnten Milliarden von Euros einsparen ...
      Vielen Dank für deinen Kommentar. :-)
      Liebe Grüße, Margot.

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