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Mittwoch, 17. Februar 2016

Frühlingsglaube

Gestern war, bis auf etwas Kälte, ein wunderschönes Frühlingswetter. Der Himmel strahlend Blau, die Sonne schien und Vögel durchzwitscherten diese herrliche, klare Luft. Jeden Tag kann ich mir solch schöne Bilder anschauen, da ich nicht mehr berufstätig bin. Die Gedichte lese ich, gedanklich, mit Satzzeichen, so werden sie besonders schön.




Schneeglöckchen

's war doch wie ein leises Singen
In dem Garten heute Nacht,
Wie wenn laue Lüfte gingen:
»Süße Glöcklein, nun erwacht,
Denn die warme Zeit wir bringen,
Eh's noch jemand hat gedacht.« -
's war kein Singen, 's war ein Küssen,
Rührt' die stillen Glöcklein sacht,
Dass sie alle tönen müssen
Von der künft'gen bunten Pracht.
Ach, sie konnten's nicht erwarten,
Aber weiß vom letzten Schnee
War noch immer Feld und Garten,
Und sie sanken um vor Weh.
So schon manche Dichter streckten
Sangesmüde sich hinab,
Und der Frühling, den sie weckten,
Rauschet über ihrem Grab.

Joseph von Eichendorff


Frühlingsglaube
Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal;
Nun, armes Herz, vergiss der Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.
Ludwig Uhland


Geh aus, mein Herz 
[Sommerlied]

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
In dieser lieben Sommerzeit,
An deines Gottes Gaben;
Schau an der schönen Gärten Zier,
Und siehe, wie sie mir und dir
Sich ausgeschmücket haben.

Die Bäume stehen voller Laub,
Das Erdreich decket seinen Staub
Mit einem grünen Kleide.
Narzissen und die Tulipan,
Die ziehen sich viel schöner an,
Als Salomonis Seide.

Die Lerche schwingt sich in die Luft,
Das Täubchen fleucht aus seiner Kluft,
Und macht sich in die Wälder.
Die hochbegabte Nachtigall
Ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder.

Die Glucke führt ihr Küchlein aus,
Der Storch baut und bewohnt sein Haus,
Das Schwälblein speist die Jungen;
Der schnelle Hirsch, das leichte Reh
Ist froh und kommt aus seiner Höh',
Ins tiefe Gras gesprungen.

Die Bächlein rauschen in dem Sand,
Und mahlen sich in ihrem Rand
Mit schattenreichen Myrthen;
Die Wiesen liegen hart dabei,
Und klingen ganz von Lustgeschrei
Der Schaf und ihrer Hirten.


Die unverdrossne Bienenschar
Fleucht hin und her, sucht hier und da
Ihr edle Honigspeise;
Des süßen Weinstocks starker Saft
Bringt täglich neue Stärk' und Kraft
In seinem schwachen Reise.


Ich selber kann und mag nicht ruhn,
Des großen Gottes großes Tun
Erweckt mir alle Sinnen;
Ich singe mit, wenn alles singt,
Und lasse, was dem Höchsten klingt,
Aus meinem Herzen rinnen.

Ach, denk ich, bist du hier so schön,
Und lässest uns so lieblich gehn,
Auf dieser armen Erden;
Was will doch wohl nach dieser Welt
Dort in dem festen Himmelszelt
Und güldnem Schlosse werden.

O wär ich da! o stünd ich schon,
Ach, süßer Gott, vor deinem Thron,
Und trüge meine Palmen;
So wollt' ich nach der Engel Weis'
Erhöhen deines Namens Preis
Mit tausend schönen Psalmen.
Paul Gerhardt
(Erstdruck 1653)


Herzlichst Margot.

Kommentare:

  1. Letzteres haben wir in der Grundschule gesungen. War ne schöne Zeit. Und diese Bücher - ich wollte, ich hätte sie noch. Ein Schatz waren sie! P.

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    1. Guten Morgen liebe Pippa, leider habe ich dieses Gedicht, was zum Lied wurde, nicht gekannt. Schade ...
      Wünsche dir einen schönen Tag und grüße herzlichst, Margot.

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  2. Guten Morgen liebe Margot,
    das sind sehr schöne Frühlingsgedichte. Wenn ich die Worte von "Geh aus mein Herz" lese, dann sitze ich gedanklich im Kindergottesdienst und singe inbrünstig mit. Das war eine schöne Zeit!
    Herzliche Grüße
    Regina

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    1. Guten Morgen liebe Regina, es ist schön zu lesen, dass ich dir Erinnerung gegeben habe. In Gedanken sehe ich dich singen und es ist ein schönes Bild. Vielen Dank.
      Herzliche Grüße, Margot.

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