Wie so oft fange ich meinen Beitrag mit dem betrachten des Wetters an, es ist ja das Erste, was im am frühen Morgen sehe. Was ich sehe, ist nicht schön, kein
Winterwetter, der Schnee ist geschmolzen und es regnet. Die Temperatur liegt bei 6° Plus, der Himmel ist zugezogen, grau, so sind auch meine Gedanken. Die nachfolgende Geschichte hat auch diesen Farbton, der sich beim längeren Lesen, zu einem helleren Farbton entwickelt ... die Geschichte finde ich gut, denn falsche Kompromisse sollte man nicht eingehen. So, wie ich es manchmal in meinem früheren Leben getan habe.
Winterwetter, der Schnee ist geschmolzen und es regnet. Die Temperatur liegt bei 6° Plus, der Himmel ist zugezogen, grau, so sind auch meine Gedanken. Die nachfolgende Geschichte hat auch diesen Farbton, der sich beim längeren Lesen, zu einem helleren Farbton entwickelt ... die Geschichte finde ich gut, denn falsche Kompromisse sollte man nicht eingehen. So, wie ich es manchmal in meinem früheren Leben getan habe.
Der Spiegel 2

Im Büro gab es wie immer viel Arbeit, aber zum Glück war heute um 12 Uhr Feierabend, denn es war Silvester. Als er ins Auto stieg und in den Rückspiegel sah, fiel ihm die Geschichte von heute Morgen wieder ein. So fuhr er noch schnell am Baumarkt vorbei und kaufte einen neuen Spiegel.
Kaum schloss er die Tür auf, klingelte schon das Telefon. „Hallo Giovanni, wo bist du denn?“, empfing ihn die Stimme von Saskia, seiner Freundin. „Ich war noch etwas besorgen“, antwortete er leicht gereizt. „Wann kommst du?“, fragte sie. „Um sechs, bis dann.“ Eigentlich hatte er überhaupt keine Lust, mit Saskia auf diese Silvesterparty zu gehen, aber sie wollte unbedingt hin. Viel lieber wäre er über den Jahreswechsel an einen ruhigen Ort gefahren, aber sie hatte ihm diese Idee ausgeredet. Er ging ins Bad, nahm den alten Spiegel ab und hängte den neuen hin. Als er sich rasierte, fing sein Spiegelbild wieder an, sich plötzlich zu verändern. Vor Schreck schnitt er sich am Hals mit dem Rasierer. Ein Zittern durchfuhr seinen ganzen Körper und er musste sich auf den Rand der Badewanne setzen. Einige Minuten verharrte er so, bis er wieder ruhiger wurde. Er glaubte nicht an Magie, doch dieses Erlebnis verwirrte ihn sehr. Er ließ das Jahr Revue passieren. In den letzten Monaten hatte er sich beim Blick in den Spiegel öfter gefragt, wer er eigentlich sei. Er war nahe daran, Saskia anzurufen und abzusagen, aber dann würde es wieder tagelang Streit geben.

„Ich muss hier aussteigen“, beendete Martin das Gespräch. „Schau doch mal wieder im „Kandinsky“ vorbei, wir treffen uns immer noch jeden ersten Freitag im Monat. Komm gut ins neue Jahr“, verabschiedete er sich. „Du auch“, antwortete Giovanni.
An der nächsten Haltestelle stieg er aus und lief zu Saskias Wohnung, aber als er vor ihrer Tür stand, zögerte er, auf die Klingel zu drücken. „Da bist du ja!“, rief sie von ihrem Fenster herunter und drückte auf den Türöffner. Sie empfing ihn in einem engen Kleid und küsste ihn zur Begrüßung. Saskia war eine attraktive Frau, liebte Geld und Luxus, aber im Grunde hatten sie nichts

gemeinsam. Ihre Beziehung war mehr oder weniger eine Zweckbeziehung. „Was ist los mit dir?“ riss sie ihn aus seinen Überlegungen. „Ich bin nur müde“, antwortete er. „Komm, lass uns gehen. Das bringt dich auf andere Gedanken“, forderte sie ihn auf.
Sie fuhren mit der U-Bahn zu Thomas und Gabriele, in deren Haus die Party stattfand. Die meisten Gäste waren schon da, tranken, aßen und lachten, einige tanzten. Giovanni und Saskia begrüßten alle und holten sich am Büffet etwas zu essen. Saskia gefielen solche Partys, doch er wäre am liebsten wieder gegangen. Sie nahm sich noch ein Glas Sekt und unterhielt sich dann mit Gabriele. Giovanni ging hinaus auf die Terrasse. Hier auf dem Hügel war die Luft klar und frisch, in der Stadt stiegen schon einzelne Raketen empor. „Hier bist du“, hörte er plötzlich Saskias Stimme. „Komm, wir tanzen.“ Widerwillig folgte er ihr. Die anderen Gäste waren gut gelaunt, wozu auch der steigende Alkoholspiegel beitrug.

Er ging in die Gästetoilette und betrachtete sich im Spiegel – wieder sah ihn dasselbe hässliche Spiegelbild an wie zu Hause. Die Maske, die er aufgesetzt hatte, funktionierte nicht mehr. Das, was er sein wollte, und das, was er lebte, widersprach sich immer mehr und zeigte sich letztendlich in der Außenwelt. Er wusste, erst, wenn er in Harmonie mit sich selbst war, würde sein Spiegelbild wieder seinem wahren Ich entsprechen. Er spannte alle Muskeln an und atmete tief aus. Dann rief er per Handy ein Taxi und suchte Saskia. „Ich gehe nach Hause“, sagte er zu ihr. Sie sah ihn sichtlich verärgert an. „Ich bleibe hier.“ Ohne Abschied trennten sie sich.
Giovanni wusste, dass es nun kein Zurück mehr gab. Gleich heute Vormittag würde er seine Großeltern in Umbrien anrufen und seinen Besuch ankündigen. In der Stille der Natur würde er wieder zu sich finden und neue Möglichkeiten, sein Leben so zu gestalten, wie er es sich früher immer ausgemalt hatte.
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