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Sonntag, 25. Januar 2015

Ein dichterisches Durcheinander

Ein dichterisches Durcheinander möchte ich heute freigeben, es soll Freude bereiten aber auch nachdenklich machen. Besonders wenn es ums Essen geht, waren die früheren Auseinandersetzungen wohl etwas milder, trotzdem frech, jedenfalls, wenn ich die Geschichten lese aus vergangenen Zeiten. Mögen sie wahr oder unwahr sein, sie sind amüsant ...


 Worte sind wild, frei, unverantwortlich und nicht zu lehren. Natürlich kann man sie einfangen, einsortieren und sie in alphabetischer Reihenfolge in Wörterbücher stecken. Aber dort leben sie nicht. 
sagte Virginia Woolf (1882-1941), engl. Dichterin


Letzte Warnung

Wenn wir nicht aufhören
uns mit unseren kleinen
täglichen Sorgen
und Hoffnungen
unserer Liebe
unseren Ängsten 
unserem Kummer
und unserer Sehnsucht 
zu beschäftigen
dann geht die Welt unter

Und Wenn wir aufhören
uns mit unseren kleinen
täglichen Sorgen
und Hoffnungen
unserer Liebe
unseren Ängsten 
unserem Kummer
und unserer Sehnsucht 
zu beschäftigen
dann ist die Welt untergegangen

Erich Fried (1921-1988) 


Eine merkwürdige Abbitte

Zwei Männer saßen in einem benachbarten Dorf zu gleicher Zeit im Wirtshaus. Aber der eine von ihnen hatte bösen Leumund wegen allerlei – und es ihn und den Iltis niemand gern auf seinem Hof. Aber beweisen vor dem Richter konnte man ihm nichts.
Mit dem bekam der andere Zwist im Wirtshaus und im Unwillen und weil er ein Glas Wein zu viel im Kopfe hatte, sagte er zu ihm: »Du schlechter Kerl!« Damit kann einer zufrieden sein, wenn er's ist und braucht nicht mehr. Aber der war nicht zufrieden, wollte noch mehr haben, schimpfte auch und verlangte Beweis. Da gab ein Wort das andere und es hieß: »Du Spitzbub! Du Felddieb!« Damit war er noch nicht zufrieden, sondern ging vor den Richter.
Da war nun freilich derjenige, welcher geschimpft hatte, übel dran. Leugnen wollt' er nicht, beweisen konnt' er nicht, weil er für das, was er wohl wusste, keine Zeugen hatte, sondern er musst einen Gulden Strafe erlegen, weil er einen ehrlichen Mann Spitzbube geheißen habe und ihm Abbitte tun und dachte bei sich selber: »Teurer Wein!«
Als er aber die Strafe erlegt hatte, sagte er: »Also einen Gulden kostet es, gestrenger Herr, wenn man einen ehrlichen Mann einen Spitzbuben nennt? Was kostet's denn, wenn man einmal in der Vergesslichkeit oder sonst zu einem Spitzbuben sagt: ›Ehrlicher Mann!‹« Der Richter lächelte und sagte: »Das kostet nichts – und damit ist niemand geschimpft.«
Hierauf wendete sich der Beklagte zu dem Kläger um und sagte: »Es ist mir leid, ehrlicher Mann! Nichts für ungut, ehrlicher Mann! Adies, ehrlicher Mann!« Als der erboste Gegner das hörte und wohl merkte, wie es gemeint war, wollte er noch einmal anfangen und hielt sich jetzt für ärger beleidigt als vorher.
Aber der Richter, der ihn doch auch als einen verdächtigen Menschen kennen mochte, sagte zu ihm, er könne jetzt zufrieden sein.
Johann Peter Hebel


 Geld bewirkt viel, ein kluges Wort kaum weniger.
Aus China


Die Verwandlung

Meine Tränen fallen,
schweben,
leicht wie Federn,
erreichen die Erde.
Verwandeln sich in ein Meer,
aus Kummer und Schmerz.
Verwandeln sich in Vögel,
fliegen davon
und nehmen meine Sorgen mit.
Verwandeln sich in Tintenwörter
und erscheinen in einem Brief an dich...
Was machst du mit meinen Tränen...? 

Nicole Volkmann




Herzlichst Margot

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