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Freitag, 12. September 2014

Der greise Kopf

... heute kann ich nicht schreiben, die Sonne lacht. Heute kann ich nur schreiben, der Himmel lacht nur zeitweise, denn der Regen unterbricht laufend den Sonnenschein. Doch ich kann mich nicht einmal über ihn ärgern, ich spare mir dadurch einen Weg zum Friedhof. Ich müsste auch dort Blumen giessen. So hat eben alles einen Vorteil, besonders wenn man nicht gehen möchte. Besser gesagt, die Beine möchten nicht mehr so, wie ich es möchte. Ha, ansonsten ... :-)

Da fällt mir doch ein Gedicht von Wilhelm Müller ein ...




Der greise Kopf

Der Reif hatt einen weißen Schein
Mir übers Haar gestreuet.
Da meint ich schon ein Greis zu sein,
Und hab mich sehr gefreuet.

Doch bald ist er hinweggetaut,
Hab wieder schwarze Haare,
Daß mir's vor meiner Jugend graut –
Wie weit noch bis zur Bahre!

Vom Abendrot zum Morgenlicht
Ward mancher Kopf zum Greise.
Wer glaubt's? Und meiner ward es nicht
Auf dieser ganzen Reise!

Wilhelm Müller
1794-1827


Im Dorfe

Es bellen die Hunde, es rasseln die Ketten.
Die Menschen schnarchen in ihren Betten,
Träumen sich manches, was sie nicht haben,
Tun sich im Guten und Argen erlaben:
Und morgen früh ist alles zerflossen. –
Je nun, sie haben ihr Teil genossen,
Und hoffen, was sie noch übrig ließen,
Doch wieder zu finden auf ihren Kissen.

Bellt mich nur fort, ihr wachen Hunde,
Laßt mich nicht ruhn in der Schlummerstunde!
Ich bin zu Ende mit allen Träumen –
Was will ich unter den Schläfern säumen?

Wilhelm Müller
1794-1827


Was ich persönlich als schön empfinde, er schrieb den Text für die Lieder,
»Der Lindenbaum«, »Das Wandern ist des Müllers Lust«. Diese Lieder haben wir in der Schule sehr gerne gesungen. Franz Schubert hat diesen schönen Liedern seine Stimme gegeben, er hat sie vertont. 



Der Lindenbaum

Am Brunnen vor dem Tore
Da steht ein Lindenbaum:
Ich träumt in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde
So manches liebe Wort;
Es zog in Freud und Leide
Zu ihm mich immerfort.

Ich mußt auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht,
Da hab ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht.

Und seine Zweige rauschten,
Als riefen sie mir zu:
»Komm her zu mir, Geselle,
Hier findst du deine Ruh!«

Die kalten Winde bliesen
Mir grad ins Angesicht,
Der Hut flog mir vom Kopfe,
Ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von jenem Ort,
Und immer hör ich's rauschen:
Du fändest Ruhe dort!

Wilhelm Müller


Nun hab ich´s aufgeschrieben,
das Lied und noch viel mehr, 
nun werde ich´s beenden,
 ich freu mich drüber sehr.
M.J. 


Kommentare:

  1. Da bist Du gleich zum dichten inspiriert worden, Margot. ^^
    Aber die Gedichte reißen einen auch irgendwie mit. Ich mag den Humor.

    Deinen neuen Header mag ich auch sehr. Er hat etwas frisches und heiteres.

    Liebe Grüße
    Sonja

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    1. Hallo Sonja, manchmal muss man auch ein bisschen albern sein. :-)
      Schön, dass dir mein neuer Header gefällt. Nach 2 1/2 Jahren musste mal etwas Neues sein. :-)
      Danke und noch einen schönen Abend. Liebe Grüße, Margot.

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