Seiten

Donnerstag, 19. September 2013

Eine wundervolle Liste ...

... so nennt man diese Liste, die eine Lehrerin ihren Schüler/innen gab. Sie sollten daraus lernen ... und sie lernten auch und haben es nie vergessen. 

Eine wundervolle Liste



Eines Tages bat eine Lehrerin ihre Schüler, die Namen aller anderen Schüler der Klasse auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein wenig Platz neben den Namen zu lassen. Dann sagte sie zu den Schülern, sie sollten überlegen, was das Netteste ist, das sie über jeden ihrer Klassenkameraden sagen können und das sollten sie neben die Namen schreiben.
Es dauerte die ganze Stunde, bis jeder fertig war und bevor sie den Klassenraum verließen, gaben sie ihre Blätter der Lehrerin. Am Wochenende schrieb die Lehrerin jeden Schülernamen auf ein Blatt Papier und daneben die Liste der netten Bemerkungen, die ihre Mitschüler über den Einzelnen aufgeschrieben hatten. Am Montag gab sie jedem Schüler seine oder ihre Liste.
Schon nach kurzer Zeit lächelten alle. “Wirklich?”, hörte man flüstern. “Ich wusste gar nicht, dass ich irgendjemandem was bedeute!” und “Ich wusste nicht, dass mich andere so mögen”, waren die Kommentare.
Niemand erwähnte danach die Listen wieder. Die Lehrerin wusste nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit ihren Eltern diskutiert hatten, aber das machte nichts aus. Die Übung hatte ihren Zweck erfüllt. Die Schüler waren glücklich mit sich und mit den anderen.
Einige Jahre später war einer der Schüler gestorben und die Lehrerin ging zum Begräbnis dieses Schülers. Die Kirche war überfüllt mit vielen Freunden. Einer nach dem anderen, der den jungen Mann geliebt oder gekannt hatte, ging am Sarg vorbei und erwies ihm die letzte Ehre.
Die Lehrerin ging als letzte und betete vor dem Sarg. Als sie dort stand, sagte einer der Anwesenden, die den Sarg trugen, zu ihr:
“Waren Sie Marks Mathelehrerin?”
Sie nickte.
Dann sagte er: “Mark hat sehr oft von Ihnen gesprochen.”
Nach dem Begräbnis waren die meisten von Marks früheren Schulfreunden versammelt. Marks Eltern waren auch da und sie warteten offenbar sehnsüchtig darauf, mit der Lehrerin zu sprechen.
“Wir wollen Ihnen etwas zeigen”, sagte der Vater und zog eine Geldbörse aus seiner Tasche. “Das wurde gefunden, als Mark verunglückt ist. Wir dachten, Sie würden es erkennen.”
Aus der Geldbörse zog er ein stark abgenutztes Blatt, das offensichtlich zusammengeklebt, viele Male gefaltet und auseinander gefaltet worden war. Die Lehrerin wusste ohne hinzusehen, dass dies eines der Blätter war, auf denen die netten Dinge standen, die seine Klassenkameraden über Mark geschrieben hatten.
“Wir möchten Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie das gemacht haben”, sagte Marks Mutter. “Wie Sie sehen können, hat Mark das sehr geschätzt.”
Alle früheren Schüler versammelten sich um die Lehrerin.
Charlie lächelte und sagte: “Ich habe meine Liste auch noch. Sie ist in der obersten Schublade in meinem Schreibtisch.”
Die Frau von Heinz sagte: “Heinz bat mich, die Liste in unser Hochzeitsalbum zu kleben.”
“Ich habe meine auch noch”, sagte Monika. “Sie ist in meinem Tagebuch.”
Dann griff Irene, eine andere Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre abgegriffene und ausgefranste Liste den anderen. “Ich trage sie immer bei mir.” sagte sie und meinte dann: “Ich glaube, wir haben alle die Listen aufbewahrt.”
Die Lehrerin war so gerührt, dass sie sich setzen musste und weinte. Sie weinte um Mark und für alle seine Freunde, die ihn nie mehr sehen würden.
Im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen vergessen wir oft, dass jedes Leben eines Tages endet und dass wir nicht wissen, wann dieser Tag sein wird. Deshalb sollte man den Menschen, die man liebt und um die man sich sorgt, sagen, dass sie etwas Besonderes und Wichtiges sind.
von Helen P. Mrosla



Kommentare:

  1. Hallo Margot,

    ich bin immer wieder erstaunt und zugleich erfreut, dass Du uns so wundervolle Geschichten präsentierst.
    Auch wenn ich Dich nicht persönlich kenne, spüre ich doch, dass auch Du ein GANZ BESONDERER Mensch bist.

    Liebe Grüße
    Thomas

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo, lieber Thomas,
      wenn man am frühen Morgen, mit solchen netten Worten
      empfangen wird, dann kann der Tag nur schön werden.:-))

      Ein herzliches Dankeschön sende ich dir, für dieses
      großartige Kompliment.

      Liebe Grüße, Margot.

      Löschen
  2. Liebe Margot,
    heute sende ich dir eine virtuelle Umarmung :)
    LG Babs

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Babs,
      danke dir für diese virtuelle Umarmung.
      Ich sende diese Umarmung ganz lieb an
      dich zurück. :-)

      Danke und herzliche Grüße.
      Liebe Grüße, Margot.

      Löschen
  3. Liebe Margot
    Eine wundervolle Geschichte die mir die Tränen kommen ließ
    Ich musste und konnte heute Morgen nicht schreiben sonst hätte ich auf der Arbeit geweint
    Aber jetzt hab ich mich wieder gefasst
    Eine tolle Idee von dieser Lehrerin und es zeigt mir das man viel zu selten sagt was man von jemandem hält
    Bei dieser Geschichte muss ich an einen Freund denken der sich umgebracht hat und niemand weiß bis heute warum
    Nach dieser Geschichte frage ich mich mal wieder hätten wir - seine Freunde - verhindern können was passiert ist wenn wir ihm gesagt hätten das wir ihn von Herzen gern haben und für ihn da sind?
    Die Antwort kennt nur er alleine
    Liebe Grüsse
    Tina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Tina,
      du musst nicht weinen. Wenn ein Mensch so veranlagt ist, dann kann ihm keiner helfen. Eure Worte wären ihm nicht gut genug gewesen.
      Nur mit dem Sagen, da hast du ein großes Fragezeichen gesetzt!? Vielleicht würde es bei manchen Menschen etwas ändern, wenn er wüsste, hier bin ich gerne gesehen.

      Lass der Welt ihren Lauf, mach dir nicht zu viele Gedanken.
      Ich wünsche dir nur immer Frohsinn und gute Laune.
      Sei ganz lieb gegrüßt, herzlichst Margot.

      Ganz liebe Grüße, Margot.

      Löschen
  4. Eine wunderschöne Geschichte, die mir Gänsehaut machte und mir die Tränen in die Augen schießen ließ.

    Es ist wirklich so, ein Leben kann so schnell vorbei sein. Man sollte den Menschen, die man öfter sagen, was sie einem bedeuten. Und nicht davon ausgehen, dass sie es schon wissen werden.

    Diese Idee mit der Liste finde ich aber auch ohne übertragenen Sinn sehr schön. Ich werde sie mal im Hinterkopf behalten, vielleicht finde ich eines Tages Verwendung dafür.

    Liebe Grüße
    Sonja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Sonja,
      ja, das Leben kann so schnell vorbei sein. Es ist wichtig, dass man den Menschen sagen kann ... du bist mir wichtig. Damit er dann, wenn etwas passiert ist, auch eingreifen kann.

      Ganz liebe Grüße, Margot.

      Löschen
  5. Liebe Margot

    Deinen bunten Blog habe ich endlich entdeckt und bin ganz begeistert!
    Ich werde jetzt stöbern und geniessen...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Ursula,
      schön, dass du mich gefunden hast. Vielleicht gefällt dir mein Blog mit seinen Geschichten. Du schreibst ja, du bist begeistert, also hoffe ich, es bleibt so. Wünsche dir einen guten Aufenthalt und viel Spaß auf meinen Seiten. :-))
      Herzlichst Margot.

      Löschen