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Freitag, 26. September 2014

Herbstzeit


... nun ist nach dem Kalender zu urteilen, der richtige Herbst gekommen. Das Wetter ist sonnig-trüb, die Luft ist kühl und die Blätter der Bäume und Büsche, verfärben sich in gelb- und rotbraunen Tönen ... so verfärben sich auch meine Gedanken in Herbstfarben.



„Gedichte sind gemalte Fensterscheiben.“...

Johann Wolfgang von Goethe


Bernd Kasper_Pixelio.de

Herbst ...

Ich sah den Wald sich färben, 
Die Luft war grau und stumm; 
Mir war betrübt zum Sterben, 
Und wußt' es kaum, warum. 

Durchs Feld vom Herbstgestäude 
hertrieb das dürre Laub; 
Da dacht' ich: Deine Freude 
ward so des Windes Raub.

Dein Lenz, der blütenvolle, 
Dein reicher Sommer schwand; 
an die gefrorne Scholle 
Bist Du nun festgebannt.

Da plötzlich floß ein klares 
Getön in Lüften hoch: 
Ein Wandervogel war es, 
der nach dem Süden zog.

Ach, wie der Schlag der Schwingen, 
das Lied ins Ohr mir kam, 
Fühlt' ich's wie Trost mir dringen 
zum Herzen wundersam.

Es mahnt' aus heller Kehle 
mich ja der flücht'ge Gast: 
Vergiß, o Menschenseele, 
nicht, daß Du Flügel hast.

Emanuel Geibel


Gordon Gross_pixelio.de

Spaziergang am Herbstabend 

Wenn ich abends einsam gehe 
Und die Blätter fallen sehe, 
Finsternisse niederwallen, 
Ferne, fromme Glocken hallen: 
Ach, wie viele sanfte Bilder, 
Immer inniger und milder, 
Schatten längst vergangner Zeiten, 
Seh ich dann vorübergleiten. 

Was ich in den fernsten Stunden, 
Oft nur halb bewußt, empfunden, 
Dämmert auf in Seel' und Sinnen, 
Mich noch einmal zu umspinnen. 
Und im inneren Zerfließen 
Mein ich's wieder zu genießen, 
Was mich vormals glücklich machte, 
Oder mir Vergessen brachte. 

Doch, dann frag ich mich mit Beben: 
Ist so ganz verarmt dein Leben? 
Was du jetzt ersehnst mit Schmerzen, 
Sprich, was war es einst dem Herzen? 
Völlig dunkel ist's geworden, 
Schärfer bläst der Wind aus Norden, 
Und dies Blatt, dies kalt benetzte, 
Ist vielleicht vom Baum das letzte.

Christian Friedrich Hebbel




Der scheidende Sommer 

Das gelbe Laub erzittert, 
Es fallen die Blätter herab; 
Ach, alles was hold und lieblich, 
Verwelkt und sinkt ins Grab. 

Die Gipfel des Waldes umflimmert 
Ein schmerzlicher Sonnenschein; 
Das mögen die letzten Küsse 
des scheidenden Sommers sein. 

Mir ist, als müßt ich weinen 
Aus tiefstem Herzensgrund; 
Dies Bild erinnert mich wieder 
An unsere Abschiedsstund'. 

Ich mußte von dir scheiden, 
Und wußte, du stürbest bald; 
Ich war der scheidende Sommer, 
Du warst der sterbende Wald.

Heinrich Heine (1797 - 1856),



Kommentare:

  1. Hallo Margot,

    ob es in der Natur liegt, wenn der Herbst kommt werden die Gedanken irgendwie trübsinniger - zumindest kommt es mir häufig so vor ^^

    Vielleicht liegt es an dem fallenden Laub und dem Ende der Blütezeit, aber manche Herbsttage sind auch sehr schön :)

    Liebe Grüße
    Björn :)

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    1. Lieber Björn, es scheint nicht nur an deinen Gedanken zu liegen, ich habe auch dieses Gefühl. Der Herbst kann sehr schön sein, aber das Wetter zeigt uns auch Vergänglichkeit auf. Leider ...
      Wünsche dir ein schönes Wochenende, liebe Grüße, Margot.

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