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Donnerstag, 14. April 2016

Die Sprache der Pflanzen

Heute habe ich begonnen, meinen Balkon in Ordnung zu bringen und habe mein eigenes Versprechen gebrochen. Nie mehr wollte ich Pflanzen vom Online-Dienst kaufen und was habe ich getan, ich habe welche bestellt. Heute wurden sie angeliefert und mein Gesicht hat sich wieder verzogen, nach unten. Nun werde ich aber nicht gleich meckern, sondern einige Zeit abwarten. Das Angebot sah so schön aus, ein bisschen davon möchte ich auch haben, trotzdem die Pflanzen jetzt so mickrig aussehen. Ich spreche auch mit den Pflanzen, vielleicht ?




TEXT VON JULIA LUTZ
Die Sprache der Pflanzen

Pflanzen sind überaus mitteilsame Geschöpfe. Sie haben verschiedene Mittel, um mit ihrer Umwelt in Kontakt zu treten: Sie können sogar andere Lebewesen reinlegen, sie anlocken oder warnen. Wie das funktioniert? Wir erklären es euch.


Können Pflanzen sprechen?

Bei einem Waldspaziergang gibt es einiges zu hören: Das Rascheln in den Bäumen zum Beispiel, Vogellaute, hier und da einmal ein Knacken des Holzes. Aber sprechende Pflanzen? "Nein, nie gehört", werdet ihr sagen, und liegt damit gleichermaßen richtig wie falsch. Richtig, weil Pflanzen weder über ein Gehirn noch über einen Kehlkopf verfügen, der akustische Laute herstellen könnte. Ansonsten gliche die Geräuschkulisse im Wald wahrscheinlich dem Durcheinander einer riesigen Diskussionsrunde. Falsch, weil Pflanzen dafür eine Menge anderer Möglichkeiten besitzen, um mit ihrer Umwelt in Kontakt zu treten.
Wie funktioniert die Sprache der Pflanzen?
Pflanzen können verschiedenste optische und chemische Signale von sich geben, die andere Lebewesen sehen oder spüren können. Diese Signale haben genau dieselben Funktionen wie Sprache: Sie sollen der Umwelt etwas mitteilen. Bei Pflanzen dreht sich die Kommunikation hauptsächlich um die Themen "Fortpflanzung" und "Schutz vor Feinden".
Kommunikation durch optische Signale
Optische Signale sind zum Beispiel Härchen bei Brennnesseln oder Stacheln bei Disteln. Die dienen im Wesentlichen dem Schutz der Pflanze. Diese Abwehrsignale sagen allen, die der Pflanze zu nahe kommen wollen: "Fass mich bloß nicht an, sonst wehre ich mich!" Wer die Pflanzensprache nicht versteht, für den gilt: "Wer nicht hören will, muss fühlen!" Berührt man etwa die Brennnessel, brechen die feinen Härchen auf der Blattoberfläche sofort ab, graben sich in das Fleisch des Tieres (oder natürlich auch des Menschen) und lassen die Haut sofort erröten und brennen. 


Andere optische Signale sind Farben. Kleinste Farbunterschiede oder bestimmte Muster auf Blättern zeigen Insekten, welche Teile der Pflanze für sie nützlich sind. "Saftmale" nennt man solche Muster. Sie sind teilweise so klein, dass wir Menschen sie mit dem bloßen Auge gar nicht wahrnehmen können. Die Insekten aber schon: Ihnen dienen die Saftmale als eine Art Wegweiser auf ihrer Suche nach Nahrung.


Kommunikation durch Düfte
Neben den optischen können Pflanzen auch chemische Signale aussenden. Dabei handelt es sich um Düfte oder Gerüche, die Pflanzen ausdünsten. Auch hier ist das Ziel, sich der Umwelt, also anderen Lebewesen wie Insekten oder Vögeln, mitzuteilen. Zum Beispiel durch Lockstoffe, die sagen wollen: "Komm her, Bienchen, ich habe Pollen für dich." 

Doch nicht nur nett gemeinte Botschaften versenden die Pflanzen. Fühlen sie sich bedroht, können sie bestimmte Hormone aussenden, die wiederum Feinde ihrer Feinde auf den Plan rufen. Maispflanzen zum Beispiel, die von Schmetterlingsraupen belästigt werden, können durch die Entsendung von Duftstoffen Schlupfwespen, die Feinde der Raupen, alarmieren. Die Schlupfwespen eilen daraufhin zur Hilfe und legen ihre Eier in die Maisschädlinge ab. Nach dem Schlüpfen fressen die Larven die Raupen dann von innen her auf. Solche "Rettungsaktionen" konnten Forscher bei mehreren Pflanzen- und Tierarten, zum Beispiel auch bei der Tabakpflanze, feststellen.

Pflanzliche Notlügen

Schummeln können Pflanzen im Übrigen auch. Etwa indem sie verkünden, dass sie haufenweise Nektar oder Pollen zu vergeben haben und damit Insekten anlocken. Oftmals halten die tatsächlichen Nahrungsvorräte aber nicht, was die Pflanzen versprochen haben. Der Lügenbaron unter den Pflanzen ist eine Orchideenart: Diese kann bestimmte Gerüche aussenden, die dem Duft von Insektenweibchen stark ähneln. Diese Fähigkeit nutzen sie, um Insektenmännchen anzuziehen.

Die Erforscher der Pflanzensprache

Der "Wortschatz" einer Pflanze besteht aus etwa 40 bis 50 verschiedenen chemischen Stoffen. Etwa eine Milliarde Tonnen dieser Ausdünstungen, so schätzt man, entsenden alle Pflanzen dieser Welt jährlich in die Luft. Was die einzelnen Duftstoffe genau aussagen, können die Forscher erst nach und nach durch viele Experimente herausfinden. Vielleicht wird es dann ja irgendwann ein Lexikon geben, das Pflanzensprache auch in akustische Laute übersetzt.

Kommentare:

  1. Guten Morgen, liebe Margot,
    das wird schon, wie ich ja in den letzten Jahren beobachten durfte, hast du den so genannten grünen Daumen!
    Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende dir
    Regina

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    1. Danke liebe Regina für die guten Worte, sie machen mir Mut.
      Hoffe wirklich, das ich den grünen Daumen habe. :-) Wir werden es ja sehen.
      Sei herzlich gegrüßt, von Margot.

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  2. Liebe Maargot,
    das ist wieder ein wunderschöner Post.
    Ich glaube fest daran, dass es den Pflanzen
    guttut, wenn man mit ihnen spricht.
    Einen guten Start ins Wochenende wünscht Dir
    Irmi

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    1. Liebe Irmi,
      vielen Dank, deine Worte geben mir Auftrieb.
      Ein schönes Wochenende wünsche ich dir auch und sende liebe Grüße, Margot.

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